Der Titel und der Hintergrund vom Cover wirkten auf mich anfangs ein wenig altmodisch, aber auch auffallend anders zwischen den anderen "Kurzgeschichten & Anthologien". So auch der Stil des Autors: Auffallend gut!
In der Geschichte "Das Uhrwerk" zum Beispiel kriecht sicher nicht nur dem Protagonisten Cornelius ein Schauer den Nacken herunter. Die düstere Atmosphäre des Hauses, der Anblick des scheinbar todkranken Onkels in seinem Sessel, die mystischen Erscheinungen in der Kammer und in der Werkstatt und die überraschende Wende zum Schluss - alles in starken Bildern erzählt und ohne ein Wort zu viel.
Hätten Häuser eine Seele, wie würden sie sich fühlen, wenn der Krieg durch ihr Dorf gezogen ist? "Verlassenes Haus": Das, was vom Krieg übrigbleibt, einmal aus einer ganz anderen Perspektive gesehen und dabei wirkt es keineswegs unrealistisch. In klarer Sprache beschreibt der Autor die Leere, nachdem die Menschen fort sind, und das Gefühl vom Tod und von Einsamkeit, gibt am Ende aber auch Hoffnung, vielleicht auf einen Neubeginn.
Auch die beiden Geschichten "Das Wundern von Flandern" und "Imperium Germanicum" handeln vom Krieg. Erstere zeigt - vereinfacht gesagt - , dass Soldaten auch nur Menschen sind. Letztere beweist wieder die Stärke des Autors, Bilder im Kopf des Lesers herzustellen. Man glaubt, man wäre selbst mittendrin, höre die Schüsse und Explosionen und wolle sich die Gasmaske vom Gesicht reißen, um wieder durchatmen zu können. Fesselnd bis zum Schluss!
Fazit: Nicht von der Eigenart, von Begriffen in der Beschreibung wie "Brokat" und "Schellackplatten" abschrecken lassen. Toller Stil & Starke Bilder - Das eBook ist seine 99 Cent mehr als Wert!