Anna Fox ist eine vom (Ehe-)Leben frustrierte und sensible Persönlichkeit, die sich auf die Spuren ihrer Großmutter Louisa auf Nilkreuzfahrt begibt. Damit möchten sie sich einen langgehegten Traum erfüllen und nach ihrer unglücklichen Ehe zu sich selbst finden.
Mit sich führt sie ein antikes Parfumfläschchen, welches einst Louisa gehörte sowie deren Tagebücher. Das Fläschchen umgibt von Beginn an die Aura des Geheimnisvollen, und schon bald, nachdem Anna die Nilkreuzfahrt angetreten ist, ereignen sich unheimliche Vorfälle. Außerdem hegen etliche ihrer Mitreisenden ein für ihren Geschmack ungewöhnlich hohes Interesse an den Tagebüchern, wobei das Fläschchen und die Tagebücher mehrfach verlorengehen und auf wundersame Weise wieder auftauchen...
Ganz nebenbei spinnt sich noch eine zarte Liebesbeziehung an, die sich aber erst gegen Ende des Buches manifestiert.
Stellenweise ist es B. Erskine sogar gelungen, eine Atmosphäre ähnlich "Tod auf dem Nil" (Krimi von Agatha Christie) zu erzeugen.
Dies alles würde schon ein Buch versprechen, von dem man sich gerne in eine andere Welt entführen lassen möchte, tut es aber nicht. Leider ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Einzig die Landschaftsbeschreibungen und Louisas und Hassans tragische Geschichte fesseln.
Bösewichte und Geistererscheinungen wirken seltsam blaß, und wer auf spannende Verflechtung von Gegenwart und Vergangenheit hofft, wird enttäuscht.
Vor allem aber die Charaktere sind B. Erskine dieses Mal einfach daneben geraten. Anna Fox ist bislang Erskines mit Abstand langweiligste Romanheldin. Stellenweise haben mir deren nicht nachvollziehbaren Handlungsweisen und ihr nervöses Gezicke den Lesespaß verdorben. Desgleichen Annas Mitreisende, die bis auf wenige Ausnahmen nervten.
Die Auflösung hingegen fand ich recht gelungen. Der Leser wird zwar mit vielen offenen Fragen zurückgelassen, was aber durchaus charakteristisch für die Autorin ist.
Ich bin ein großer Fan von Barbara Erskine, habe alle ihre Bücher verschlungen und hege außerordentliche Bewunderung für ihren Erzählstil und ihr enzyklopädisches historisches Wissen. Mit diesem Buch kann sie allerdings nicht an ihre bislang hervorragenden Werke anknüpfen. Meine Bedenken, ob ihr englische Geschichte und das Mittelalterfach nicht mehr liegen, haben sich leider in jeder Hinsicht bestätigt. Ich kann das Buch deshalb, vor allem Erskine-Fans, nur bedingt empfehlen.