Dieser Roman hat mehrere Aspekte, die miteinander verwoben sind. Da ist zunächst einmal ein dunkles Geheimnis um eine junge Frau, die nicht mehr sprechen mag und keine Freude empfindet. Dieses Geheimnis will natürlich gelüftet werden, aber bis das geschieht, ist der Roman spannend und packend.
Als zweites wird das historische Lübeck von 1665 beschrieben, so lebendig, als wäre die Autorin eine Zeitzeugin gewesen. Das ist nicht nur ein Zeichen einer guten Archivrecherche sondern auch ein Zeichen dafür, wie lebhaft und
anschaulich Maren Winter zu erzählen versteht. Ob es den Hafen und seine Bewohner, die Kirche und ihre Orgel und Glocken oder die Kaufleute und ihre Kontore betrifft, die Schilderungen wirken plastisch und authentisch.
Der dritte Aspekt ist eine anrührende Liebesgeschichte von einem musikalisch begabten jungen Mann, der den Auftrag bekommt, mit Hilfe der Musik dieser jungen Frau wieder Lebensmut zu vermitteln und ihre Sprache zurückzubringen. Er kommt ihr dabei sehr nahe, so nahe, daß sie davon Herzklopfen bekommt, was sie eigentlich lieber vermeiden wollte...
"Das Lied des Glockenspielers" reiht sich nahtlos ein in die Reihe des bisherigen Romane von Maren Winter, fesselnd, spannend und historisch lehrreich gleichzeitig.