Er hat nicht nur gut recherchiert, dieser Franz Werfel, nein er hat sein Herzblut dreingegeben.
Auf der Flucht vor den Nazis kam ihm der Gedanke, was sage ich, der Wunsch, das Bedürfnis, sich inmitten einer Zeit, die barbarischer nicht sein konnte, über d a s Gedanken zu machen, was den Sinn des sogenannten Lebens vielleicht ausmachen könnte.
Dabei stieß er gezwungenermaßen auf Bernadette Soubirous.
Da er und seine Frau sich gerade nach Amerika absetzen wollten und der Weg sie in die Nähe von Lourdes führte, hat er wohl umfangreiche Recherchen angestellt und unter diesen Umständen noch einiges erfahren können.
Wie dem auch sei, in seinem Vorwort beschreibt er die Umstände, die ihn dazu brachten, bei Rettung seines und seiner Frau Leben aus Dankbarkeit einen Roman über Lourdes zu schreiben.
Das hat er dann auch getan und dieses Werk ist alles andere als langweilig.
In einer Weise, die distanzierter nicht sein könnte, aber trotzdem in einfühlsamer Art, versucht Werfel etwas Unbeschreibliches zu beschreiben (und vielleicht zu erkären!). Daraus ist ein richtig spannender Roman geworden ohne Gefühlstuerei.
Ja, die Schule des psychologischen Verstehens und Erklärens wird offenbar und die Liebe zu dem, was wir heute allzuoft beiseite tun wollen, nämlich dem wahren Gefühl, auch geborgen zu sein in dieser vielseitigen (aufheulenden) Welt.
Franz Werfel baut behutsam Brücken vom Christentum zum Judentum und umgekehrt. Das ist wichtig zu sagen, denn vieles verbindet uns, mehr als es uns trennt. Aber wer will das schon wahrhaben?
So ist dieses Buch ein unglaublich wichtiger Beitrag zum wahren Problem der Menschen heute, nämlich der Rastlosigkeit, die nicht mehr das Gras sieht, nicht mehr den Bach hört und nicht den klugen und liebevollen Augenaufschlag eines Kindes, sondern lieber das grausige und aufgerissene Maul eines weißen Hai.
Man muß nicht den Rosenkranz alle Tage beten, wenn man z.B. zur Seite des Petersdoms gemütlich am Tisch sitzt (wie in einer schönen Szene am Schluß des Romans) und seinen Gedanken nachhängt, man kann es aber ruhig tun.
Ich bin froh, dieses Buch mal wieder gelesen zu haben.