Ein Wolf streift durch die nächtlichen Straßen von Oxford. Im schottischen Hochland geht ein "grüner Mann" um, und ein Bauer findet ein frisch erlegtes Ur auf seinem Feld. Lewis und Simon, zwei neugierige Studenten, machen sich auf den Weg nach Schottland, um den geheimnisvollen Vorfällen auf den Grund zu gehen - und geraten in eine andere Welt. Das Gleichgewicht zwischen unserer Welt und der paradiesischen "Anderwelt" ist gestört. Lewis und Simon finden sich inmitten eines gewaltigen Kampfes zwischen Gut und Böse wieder - und werden zu erbitterten Feinden.
Das Lied von Albion
"Wenn das Licht der Derwyddi ausgeht und das Blut der Barden Gerechtigkeit einfordert, dann laßt die Raben über dem geweihten Wald und dem heiligen Berg ihre Schwingen ausbreiten. Unter den Schwingen der Raben wird ein Thron geboren. Auf diesem Thron, ein König mit einer silbernen Hand..." Stephen Lawheads Liebe zur Welt der Kelten nahm ihren Ursprung schon vor vielen Jahren. "In diesen alten Geschichten", erzählt er, "entdeckte ich ein Volk mit einem unstillbaren Lebensdurst, das sich der Welt um sich herum äußerst bewußt war. Ich fand den Eifer der Menschen erfrischend und extrem ansteckend." Diese Entdeckung war der Ausgangspunkt für eine Reihe mit drei Romanen, die sich der Artussagen bedienen, jenen keltischen Erzählungen, mit denen sich die Fantasie des Menschen von heute am stärksten fesseln läßt. Im sogenannten "Pendragon-Zyklus" von Taliesin, Merlin und Arthur wurden die keltischen Mythen mit einer einnehmenden Mischung aus Begeisterung und Respekt behandelt. Seine Anziehungskraft erlangte das Schreiben über keltische Sagen für Lawhead im wesentlichen daraus, daß er den Ursprung seit langem liebgewonnener Bilder richtigstellen konnte: "Seit Mallory, Tennyson und auch Walt Disney stellen wir uns die Artussagen als mittelalterliche Romanzen am Hofe des Königs vor. Das hat mit der Wahrheit allerdings so gut wie nichts gemein. Während ich die alten walisischen und irischen Sagengeschichten las, sah ich mich einer härteren, dunkleren Welt gegenüber - der Welt von Arthur, dem keltischen Kriegsherrn, der in dem Machtvakuum nach dem Abzug der römischen Legionen für das Überleben Großbritanniens kämpfte. "Ich stellte außerdem fest, daß Arthur mehr als nur ein politischer Krieger war. Die Kelten hatten nämlich durchaus eine Vorstellung davon, was richtig und was falsch war. Diese Lebenswerte und -visionen wurden von den Barden begründet. Auch war es faszinierend festzustellen, daß Barden und Druiden zu dieser Zeit (dem vierten und fünften Jahrhundert) ihre eigene Weltsicht durch das Aufkommen des Christentums neu belebt sahen. Sie nahmen den neuen Glauben als Erfüllung all dessen an, wonach sie gesucht hatten. "Denn obwohl die Kelten das Leben liebten, glaubten sie fest daran, daß diese Welt nicht die einzige war. Wie ein roter Faden zieht sich durch ihre gesamte Mythologie der Glaube an eine Andere Welt, die den Ursprung all dessen darstellt, was edel, wertvoll und von Bedeutung ist. Als ich die Pendragon-Bücher zu Ende geschrieben hatte, wurde mir klar, daß ich bei der Erforschung der Anderswelt und all ihrer Bedeutung immer noch am Anfang stand." Inspiriert von seiner Entdeckung einer vollständig anderen Bilder- und Gedankenwelt der Kelten, begann Lawhead mit seiner Trilogie Das Lied von Albion. Im Gegensatz zu den Pendragon-Büchern, in denen sich keltische Geschichte und Legende die Waage hielten, bedeutet der Eintritt in die Welt Albions den Schritt in eine reiche, in der keltischen Mythologie verwurzelten Phantasiewelt. Im Mittelpunkt dieser Mythologie stehen die keltischen Zwillingsthemen der Anderen Welt und des Helden, und beiden wird in dieser erstaunlich fantasiereichen Abfolge von Geschichten neues Leben eingehaucht. Lawhead beschreibt den Rahmen so: "Die Albion-Bücher drehen sich um die großen Heldengeschichten, die für die keltische Kultur charak-teristisch sind. Der Held vernimmt einen Ruf, verläßt seine gewohnte Umgebung und betritt eine unbekannte Welt, wo er 'Heldentaten' vollbringt, die für beide Welten - und auch für ihn selbst - weitreichende Folgen haben." Ein merkwürdiger Held namens Lewis Gillies, ein amerikanischer Student in Oxford, sieht sich durch vielerlei Zeichen und Hinweise, darunter Wölfe in den Straßen Oxfords und Berichte über den Grünen Mann, der durch das schottische Hochland spukt, in die Andere Welt hineingezogen. Auf dem Weg nach Norden wird Lewis zu einer geheimnisvollen Kreuzung geführt, wo sich zwischen den Zeiten zwei Welten treffen. "Die Welt, in die er eintritt", erklärt Lawhead, "ist schöner, gewalttätiger, furchtbarer als alles, was er bis dahin kennengelernt hat. Aber indem Lewis sich überwindet und Vertrauen zu Albion faßt, kann er die vor ihm liegenden Herausforderungen bestehen." Der zweite Band mit dem Titel Rückkehr der Helden spielt vollständig in einer Anderen Welt, die von Krieg und Verrat zerrissen ist. Im dritten Band, Der endlose Knoten, werden die zwei Welten wieder miteinander verknüpft. Jedes der drei Bücher ist in sich abgeschlossen und dennoch wie keltische Seefahrerknoten eng mit den anderen verbunden." Eine Welt, die den Leser unterhält, und aus der er neue Kraft schöpfen kann. Die Bücher der Albion-Trilogie sind wegen ihrer lebhaften Metaphorik und dem spannenden, epischen Stil bei der Kritik auf äußerst positive Resonanz gestoßen. Um ein Bild aus einem Lawhead-Buch selbst zu Hilfe zu nehmen: Wer einmal die Schwelle zu Albion überschritten hat, findet sich in einer fiktiven Welt wieder, die den Leser mit ihrem faszinierenden keltischen Zauber geschickt in ihren Bann schlägt.