Das Buch ist für mich enttäuschend. Das beste ist noch die Gemäldereproduktion auf der Umschlagsbauchbinde, dann kommt der Leineneinband und das Lesebändchen. Erfreulich ist auch die Kartenskizze zur Kanureise. Die Erläuterungen zum Text und zum Autor gehen großteils an. Der Buchpreis ist moderat.
Der Rest ist eher schwach. Schon die Buchbeschreibung ist in verschiedenen Punkten unvertretbar bis grotesk falsch. Zum Beispiel Stevensons spätere Ehefrau Fanny taucht in Stevensons Text nämlich überhaupt nicht auf. Es heißt aber dreist: Unterwegs fand der Autor auch sein privates Glück". Tatsächlich endete die Bootsfahrt und ihre Beschreibung in Pontoise nördlich von Paris, Fanny hatte sich südlich von Paris in Grez-sur-Loing aufgehalten.
Die Übersetzung lässt das Motto aus, das Stevenson dem Buch vorangestellt hat ("Thus sang they in the English boat" von Marvell). Solches ist schlicht ungehörig. Die ausführliche Widmung an den Reisegefährten Sir Walter Grindlay Simpson wird sogar völlig unterschlagen, dafür wird dessen Vorname in den Erläuterungen falsch geschrieben.
Die Übersetzung ist ambitioniert, an manchen Stellen gelungen, in zu vielen Details aber nicht überzeugend. Zum Beispiel haben sich die beiden Kanureisenden mit den Namen ihrer Boote angeredet, das war eine Marotte maritimer Herkunft. In Stevensons Text steht jeweils schlicht "Arethusa" und "Cigarette". Der Übersetzer schreibt nun durchweg "der Kapitän der Arethusa" und "der Kapitän der Cigarette". Das ist inhaltlich vertretbar, wirkt aber arg schwerfällig. Dafür gibt es witzig sein sollende Stellen, die verfehlt wirken. Das liegt wohl an dem Bestreben des Übersetzers, das Werk hochkomisch wirken zu lassen, was Stevenson überhaupt nicht im Sinne hatte. Das kann dann zu inhaltlich verfehlten Übersetzungen führen. Laut Stevenson wurde man beim Unterfahren von Brücken von Kindern bespuckt. Stevenson setzte hinzu: "with a true conservative feeling". Wieso das laut Übersetzer "wahrhaft zurückhaltende Feinfühligkeit" sein soll, ist mir schleierhaft. Das ist kein Einzelfall, weitere Beispiele dieser Art lassen sich unschwer anfügen.
Stevenson war zeitlebens um Perfektion seiner Arbeiten bemüht, das hier besprochene Büchlein wird einem solchen Anspruch nicht gerecht.