In seiner flüssig zu lesenden, stets spannenden Erzählung von 2006 befasst sich Nicholas Sparks mit ewigen Fragen, die in der ein- oder anderen Weise die meisten von uns beschäftigen.
John ist ein in Deutschland stationierter US-Berufssoldat. Er hat eine eher raue Jugend hinter sich und leidet unter Verständigungsschwierigkeiten mit seinem alleinerziehenden Vater, der eigentlich nur noch über sein Lieblingsthema, das Münzensammeln, anzusprechen ist. Der Dienst bei der Army war Johns letzte Option vor dem Abgleiten in ein instabiles Leben.
Savannah sieht ihre Zukunft als Sozialpädagogin, die behinderte Kinder in Verbindung mit Reiten betreut. Motiviert wurde sie durch die aufopferungsvolle Pflege, die ihr Jugendfreund Tim seinem behinderten Bruder zukommen ließ. Tim ist nicht nur Savannahs bester Freund, sondern auch mit ihrer Familie befreundet, teilt ihre beruflichen Interessen und - last not least - er liebt sie seit ewigen Zeiten.
Tim hin, Tim her: Während eines Sommerurlaubs lernen sich Savannah und John kennen und verlieben sich - mit Tims Segen? Eine große Liebe, nur ein paar Tage Zeit, niemand kann sagen, ob er zurückkommen wird, und keiner von beiden möchte mehr als schmusen?
Doch auch der langfristigen Realisation einer Beziehung stehen etliche Hindernisse im Weg. Da ist das ungeklärte Verhältnis Johns zu seinem Vater. Zudem muss John auch noch zwei Jahre seiner Dienstzeit ableisten. Und wie sollte wohl eine gemeinsame Lebensplanung zweier so verschiedener Menschen aussehen?
Dennoch blendet Savannah alle störenden Gegebenheiten einschließlich ihrer emotionalen und sozialen Bindung zu Tim aus, und John folgt ihr im Glauben an eine große und unzerstörbare Liebe. Liebesbriefe fliegen hin und her, beim ersten Urlaub verbringen die Beiden endlich die erste Nacht miteinander. Und doch verlängert er kurz vor dem Einmarsch in den Irak seine Dienstzeit um weitere zwei Jahre...
Bis etwa zur Hälfte des Buchs kann man, ähnlich verdrängend wie unser Paar, vieles noch nachvollziehen, was einem Savannah und John vorleben - doch dann tauchen häufiger Situationen auf, in welchen man sich fragt, ob das, was geschieht, überhaupt noch denkbar ist.
Wer schon mal jung und heftig verliebt war, wird sich erinnern, wie gnadenlos man alles weggefegt hat, was einen gehindert hätte, die Tage und Nächte zusammen zu verbringen. Savannah aber meidet während eines Urlaubs die Intimität mit der Begründung, den Trennungsschmerz zu sehr zu fürchten, um die Nähe ertragen zu können. Wie bitte?
Aber auch John kann in Sachen merkwürdiger Logik mithalten:
Wiederholt geht es um die Entscheidung "Liebe gegen Edelmut". Eine solche Situation war die Verlängerung des Militärdienstes, die wohl weniger durch verblendeten Nationalismus motiviert war als danach aussieht, dass John sich unbewusst vor den zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Fortführung der Beziehung in Sicherheit bringen wollte.
Menschen sind nun mal egoistisch, und vorgeblicher Altruismus entpuppt sich allzu oft als gut getarnter Egoismus. Das gilt in Liebesfragen dreimal - Liebe ist egoistisch, und die Natur ordnet der Fortpflanzung alles unter, sogar das Überleben. Das eigene Überleben zu riskieren, um - wie John es getan hat - der Fortpflanzung auszuweichen, ist schon extrem widernatürlich.
Es mag sicher gelegentlich vorkommen, dass scheinbar "edle" Motive zu "Verzicht" führen - bloß dürfte eine nähere Betrachtung in den meisten Fällen zeigen, dass der "Verzicht" angestrebt war und die Motive nur vorgeschützt wurden. Im vorliegenden Roman wird dies schließlich in einer klassischen Fehlhandlung deutlich, die zu guter Letzt dazu führt, dass niemand glücklich wird, aber alle im recht zweifelhaften Edelmut baden können.
Das alles ist recht interessant und kann Anlass zu abendfüllenden Diskussionen geben - leider hat man das Gefühl, dass Sparks die Fallstricke, die der Gefühlslogik seiner Protagonisten innewohnen, nicht wirklich gesehen hat - obwohl sie im Roman unmissverständlich erkennbar werden.
Wenn die Erzählung hier eine neutrale Wertung erhält, soll das nicht heißen, dass sie nicht interessant oder nicht lesenswert wäre - aber sie steht eben von der oben angedeuteten Extremsicht der emotionalen Logik in schwer überbrückbarem Gegensatz zu glaubhaftem menschlichem Handeln.
Letztlich führt dies für die Charaktere keineswegs zu einer "leuchtenden" Stille, sondern zu einem Vergraben der Gefühle. Verzicht ohne Nutznießer? Ein Ergebnis, das wohl die meisten Leser eher frustrieren als zufriedenstellen dürfte. Wer es nicht schafft, rückhaltlos zu einer Liebe zu stehen, der liebt auch nicht wirklich. Dann kann es schon mal passieren, dass am Ende alle in den Mond schauen - leider auch der unglückliche Leser.
print-jury 3* A0545 19.3.2011eg