Kurzbeschreibung
Ausgerechnet Alaska! Nate Burke erhofft sich von seinem neuen Posten als Polizeichef von Lunacy, Alaska, viel Arbeit an der frischen Luft – und seine Ruhe. Doch als in einer Eishöhle eine mehr als zwanzig Jahre alte Leiche gefunden wird, hat Nate mehr Probleme, als ihm lieb ist: mit der Tochter des Toten, der ungestümen, attraktiven Pilotin Meg Galloway – und mit einem kaltblütigen Mörder, der sich hinter der Maske des wohlanständigen Bürgers bestens zu verbergen weiß …
„Das Leuchten des Himmels“ ist glänzender Spannungsroman und fesselnde Liebesgeschichte zugleich – angesiedelt vor der faszinierenden Kulisse Alaskas.
Klappentext
Bild am Sonntag
"Wie immer bei dieser Autorin: Sie lesen ohne Pause, weil Sie nicht aufhören können - und sind echt frustriert, weil jedes Buch irgendwann ein Ende hat!"
Echo der Frau
"Nora Roberts bringt dieses Extra an Spannung, Atmosphäre und Romantik ins Spiel, das jedes ihrer Bücher zu etwas Besonderem macht."
Publishers Weekly
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
.
Über den Autor
Unter dem Namen J. D. Robb veröffentlicht Nora Roberts seit Jahren ebenso erfolgreich Kriminalromane.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
12. Februar 1988
Gegen Mittag auf dem Sun Glacier gelandet. Der Hinflug hat mir den Kater aus den Knochen gerüttelt und die erstickenden Wurzeln der Realität durchtrennt, von der die Welt unten beherrscht wird. Ein klarer Himmel, wie ein blauer Kristall. Ein Himmel, wie man ihn auf Postkarten klatscht, um die Touristen zu ködern, dazu eine kalte weiße Sonne komplett mit Nebensonne. Ich begreife das als günstiges Zeichen für unseren Aufstieg. Der Wind bläst mit über zehn Knoten. Es hat milde zweiundzwanzig Grad unter Null. Der Gletscher ist so breit wie die Taille der Hure Kate und eisig wie ihr Herz.
Aber sie hat uns gestern Abend doch ganz anständig verabschiedet. Und uns sogar eine Art Gruppenrabatt gewährt.
Ich weiß nicht, was zum Teufel wir hier zu suchen haben, aber irgendwo muss man ja sein und was machen. Und eine Winterbesteigung des No Name eignet sich dafür genauso wie alles andere, ist sogar noch besser als das meiste.
Ein Mann braucht hin und wieder eine Abenteuerwoche, ein Abenteuer ohne schlechten Schnaps und leichte Mädchen. Wie soll man auch sonst den Alkohol und die Frauen schätzen lernen, wenn man sich nicht eine Weile von ihnen fern hält?
Und weil ich ein paar Kumpels aus Lunatic traf, wendete sich bei mir nicht nur das Glück am Kartentisch, sondern die Stimmung ganz allgemein. Für mich gibt es kaum was Öderes als einen festen Job in der Tretmühle, aber die Frau schaffte es doch immer wieder, sie anzuwerfen. Mein Gewinn jedoch sollte meine Mädchen zufrieden stellen, und ich genehmige mir jetzt ein paar Tage ganz für mich mit ein paar Kumpels.
Ich brauche das einfach, muss mich den Elementen entgegenstemmen und in der Gesellschaft anderer Männer Kopf und Kragen riskieren, damit ich spüre, dass ich lebe. Etwas nicht für Geld oder aus Pflicht tun, und auch nicht, weil eine Frau dir damit auf den Sack geht, sondern aus reiner Idiotie - das belebt den Geist.
Dort unten wird es mir langsam zu voll. Straßen führen in Gegenden, wohin sie noch nie geführt haben, Menschen wohnen dort, wo noch nie einer gelebt hat. Als ich anfangs herkam, waren es noch nicht so viele, und die Bundesbehörden hatten auch nicht alles unter Kontrolle.
Eine Erlaubnis zur Besteigung? Um auf einen Berg zu gehen? Zum Teufel damit, und zum Teufel auch mit all den verklemmten Föderalisten, ihren Regeln und Vorschriften. Die Berge gab es schon lange, bevor irgend so ein Regierungsbürokrat dahinter kam, dass man daraus Kapital schlagen kann. Und sie werden ebenfalls noch da sein, wenn er schon längst sein rotes Absperrseil in der Hölle spannt.
Und jetzt bin ich hier, auf Grund und Boden, der keinem gehört. Heiliger Boden kann keinem gehören.
Gäbe es die Möglichkeit, auf dem Berg zu leben, würde ich mein Zelt aufschlagen und nie mehr weggehen. Aber heilig oder nicht, er wird dich umbringen, und zwar schneller als eine nörgelnde Ehefrau, und weitaus weniger gnädig.
Also genehmige ich mir meine Woche mit Gleichgesinnten und klettere auf diesen Gipfel, der keinen Namen hat und sich über die Stadt und den Fluss und die Seen erhebt und die Grenzen umgeht, welche die Föderalisten dem Land aufzwingen, und deren kläglichen Versuchen spottet, es zu bändigen und Schutzzonen einzurichten. Alaska gehört einzig sich selbst, egal mit wie vielen Straßen oder Schildern oder Regeln man es überzieht. Alaska wirkt wie die letzte der wilden Frauen, und Gott liebt diese Wildnis dafür. Ich jedenfalls tue es.
Wir haben unser Basislager aufgebaut, und schon ist die Sonne hinter dem hohen Gipfel untergegangen und hat uns in winterliche Dunkelheit getaucht. In unserem Zelt zusammengekauert, lassen wir es uns schmecken, ein Joint macht die Runde, und wir reden vom morgigen Tag.
Morgen steigen wir auf.
Auf dem Weg nach Lunacy
28. Dezember 2003
Festgeschnallt in der flatternden Suppendose, die sich lächerlicherweise Flugzeug nannte, und auf der holprigen Luft durch das mickrige Lichtfenster, wie es der Winter zu bieten hat, durch die Lücken und Einschnitte schneebedeckter Berge ruckelnd und sich auf eine Stadt namens Lunacy zubewegend, hatte Ignatious Burke eine Erscheinung.
Er war auf den Tod bei weitem nicht so gut vorbereitet, wie er gedacht hatte.
Es war schon eine wahnsinnige Erfahrung, sich klar zu machen, dass sein Leben in den Händen eines Fremden lag, der in seinem kanariengelben Parka fast versank und dessen Gesicht sich unter einem ramponierten Lederhut verbarg, der auf einer violetten Schalmütze thronte.
In Anchorage hatte der Fremde noch einen recht kompetenten Eindruck gemacht und Nate mit herzhaftem Handschlag begrüßt, ehe er der Suppendose mit Propellern aufmunternd den Daumen entgegenstreckte.
Dann jedoch hatte er Nate gesagt, er solle ihn einfach Dussel nennen. Und von da an war ihm etwas mulmig zumute gewesen.
Welcher Idiot stieg in eine fliegende Blechdose, die von einem Typ namens Dussel gesteuert wurde?
Aber Fliegen war die einzig sichere Möglichkeit, so spät im Jahr nach Lunacy zu kommen. Das jedenfalls hatte Bürgermeisterin Hopp ihm mitgeteilt, als er mit ihr über die Reiseplanung verhandelt hatte.
Die Maschine kippte heftig nach rechts, und als Nates Magen ihr folgte, fragte er sich, was Bürgermeisterin Hopp genau unter sicher verstand.
Er war davon ausgegangen, dass ihm so oder so alles egal sei. Leben oder sterben, was bedeutete das schon für das große Ganze? Als er in Baltimore-Washington den großen Jet bestiegen hatte, hatte er dies in der festen Überzeugung getan, sein Weg werde ihn dem Ende seines Lebens näher bringen.
Der Seelenklempner des Reviers hatte ihn davor gewarnt, weitreichende Entscheidungen zu treffen, solange er unter Depressionen litt, aber er hatte sich um den Posten des Polizeichefs von Lunacy aus keinem anderen Grund als dem beworben, dass er den Ortsnamen - Wahnsinn - so passend fand.
Und er hatte den Posten mit einem Pfeif-drauf-Achselzucken angenommen.
Selbst jetzt, taumelig vor Übelkeit, zitternd wegen seiner Erscheinung, machte Nate sich klar, dass es nicht so sehr der Tod war, der ihn ängstigte, sondern die Methode. Er wollte einfach nicht, dass alles zu Ende ging, nur weil er in dieser verdammten Düsternis an einem Berg zerschellte.
Wäre er in Baltimore geblieben und hätte er sich dort gegenüber seinem Seelenklempner und seinem Chef umgänglicher gezeigt, dann hätte er dort wieder seiner Arbeit nachgehen können. Das wäre nicht so schlimm gewesen.
Aber nein, er hatte ihnen die Dienstmarke hingeschmissen, die Brücken hinter sich nicht nur abgebrochen, sondern zu Asche verbrannt. Und jetzt würde er irgendwo in der Weite Alaskas als blutige Spur enden.
»Hier durch wird's jetzt ein bisschen heftig«, meinte Dussel mit dem schleppenden Tonfall des Texaners.
Nate schluckte Galle. »Wo bis jetzt doch alles so glatt lief.«
Dussel grinste und zwinkerte ihm zu. »Das ist doch gar nichts. Sie sollten erst mal erleben, wie's ist, wenn man Gegenwind bekämpfen muss.«
»Nein, danke. Wie lang dauert es noch?«
»Nicht lang.«
Das Flugzeug bockte und schwankte.
Nate gab es auf und schloss die Augen. Er betete darum, seinen Tod nicht noch unwürdiger zu machen, indem er sich zuvor die Stiefel voll kotzte.
Nie wieder würde er in ein Flugzeug steigen. Wenn er es überlebte, dann würde er Alaska auf vier Rädern verlassen. Oder auf zwei Beinen. Oder auf allen vieren. Aber in die Luft würde er nie wieder gehen.
Das Flugzeug machte einen verrückten Satz, bei dem Nate die Augen aufriss. Und da sah er durch die Windschutzscheibe den triumphalen Sieg der Sonne, ein wunderbares Aufhellen der Düsternis, das der Welt unter dem perlfarbenen Himmel in langen Wogen aus Weiß und Blau, plötzlichen Erhebungen, schimmernden Schwärmen von Seen und schneebedeckten Bäumen, die sich kilometerweit auszudehnen schienen, Gestalt verlieh.
Nur im Osten versperrte das Massiv, das die Einheimischen Denali oder einfach The Mountain nannten, den Blick auf den...