Das Leib-Seele-Problem, von dem Philosophen Arthur Schopenhauer einst als "Weltknoten" bezeichnet, beschäftigt unzählige Denker seit Jahrtausenden. Die Position hierzu gehört sicherlich zu den Hauptmerkmalen eines jeden Weltbilds. Und die Kontroversen darüber sind eher schärfer geworden. Aber einen philosophischen Fortschritt gibt es trotzdem: Das Problem wurde viel präziser gefasst - tatsächlich ist es gar nicht nur eines -, zahlreiche Lösungsvorschläge wurden differenziert ausgearbeitet und deren Konsequenzen ausgelotet.
Eine prägnante Ein- und Übersicht hat nun Ansgar Beckermann vorgelegt. Der Philosophie-Professor an der Universität Bielefeld gehört zu den versiertesten Kennern und auch Didaktikern auf diesem Gebiet. Entsprechend gut gelungen ist dieses Buch. Und gerade für den Einsteiger empfehlenswert.
Nach einem an Platon, Aristoteles und René Descartes angelehnten historischen Einstieg arbeitet Beckermann die wichtigsten Aspekte des Problems und Lösungsvorschläge aus. Zunächst geht es um Argumente für und gegen den Substanzdualismus, wobei die Gegenargumente klar überwiegen. Wenn Psychisches keine (Seelen)Substanz ist, dann stellt sich die Frage nach dem Status der psychischen Eigenschaften. Dabei geht es vor allem um die Frage nach der Identität mit neuronalen Eigenschaften oder eine Reduktion auf diese. Beides wirft schwierige begriffliche und metaphysische Probleme auf. Schließlich stellt Beckermann die zwei am meisten diskutierten Aspekte des Mentalen vor: seine Intentionalität (geistige Zustände haben einen Gehalt, beziehen sich also auf etwas) und Qualität (sie sind subjektiv, "fühlen" sich irgendwie an).
Ein Glossar erklärt relevante Fachbegriffe und in Kästen werden immer wieder die wichtigsten Thesen und Positionen zusammengefasst.