Der Sprecher: Die Zuversicht vertreiben wir aus dem Land, denn wir sind stark! Entschuldigung, nein, wir bringen sie, die Zuversicht, mit federleichtem Leib. Wenn wir uns selber anschaun, ist die Angst auf einmal klein. Verläßlich sind wir wie der Tod, jetzt sind wir da. Noch nicht recht wissen wir wann und wo, egal, wir sind nicht willkommen, überall, doch bei den Guten, die nicht geschändet werden wollen in ihren Betten, bei denen schon. Das Gift der Schreiberlinge nutzlos tropft zu Boden. Sie verbreiten Lügen, die Frucht und Feld verseuchen. Wir tanzen Polka, Ländler, Plattler, Reigen, doch wir spielen nicht selber den Boogie, nur das nicht, alles andre schon, und unbekümmert fallen dazu Schnee und Sonne. Uns um den Hals. Nicht fliehn wir, wir hörn auf die Heimat, die Eltern, vor allem den lieben Vater. Das Land gehört uns, nach langer glücklicher Reise, da wir pflügten durch das, was da nutzlos gebrüllt vor unserem Bug. Der Zorn der Schreiber, ihr Gift hielt uns nicht auf, wir kamen immer wieder, da die Bürger beieinander warn und das Gericht über uns in Freuden endet. Jetzt sind wir da. Wir kamen wie gerufen, wir wurden auch gerufen schließlich! Nichts, was tun wir werden, wird ganz falsch sein und nichts ganz richtig, und nichts wird bringen Gefahr. Es wird sein wie immer, nur von uns wirds kommen, die Opferkessel rot von Blut. Nicht nur der Krieger unterm Speer, alle müssen bluten so um die fünfzehn Prozent, nein, doch nicht soviel, vielleicht etwas weniger. Manche wohl viel weniger noch. Verteidigen werden wir uns nicht müssen. Immer verteidigen werden wir uns müssen. Egal. Vorwürfe werden uns nicht mehr treffen. Das Wasser spritzt so schön, die Badeanzüge locken, die Surfbretter schneiden die Wellen, und dann schwimmen wir endgültig oben. Knaben, es ist herrlich! Was ins Freie will? Wir wollen es, und wie gern! Die Tür ist doch offen! Wir taten Unrecht, doch jetzt bekommen wir Recht. Wir sind ausgewählt. Wir schwören, wir warns nicht, und schon waren wirs wirklich nicht. Unser neues Gesetz durchbricht keine Ordnung, kein Umsturz von Stund an allüberall! Die Welt wird nicht aus den Fugen sein. Sie wird genauso wie immer sein, nur eben: offener, freier. Dafür für andre geschlossen total. Wir haben den Durchblick. Tod will Tod. Alter Mord. Neuer Mord. Gar kein Mord. Egal. Das Schandrecht des Mörders jetzt Ehre! Ihr Anständigen! Niemals ein Ende. Schön. Die Geistesfürsten toben. Sie schlugen bisher den Takt und schrien uns ihre Fäuste an die Köpfe. Umsonst. Wir sind jetzt da. Zur Untat müssen wir nicht uns vereinen, wir haben uns zueinander ja längst gesellt, um es recht zu machen uns selbst. Und allen andern schon geschieht ebenfalls Recht. Fürchtet euch nicht, Eltern! Ich muß jetzt in mein Bundesland zurückfahren. Doch erzählt, daß ihr mich saht. Ich sag es auch allen andren weiter. Wir erzählen es den Nachbarn, falls es unsre Nachbarn sind, wir erzählen es den Kindern, falls es unsre Kinder sind, daß wir Stärke ihnen geben ab sofort. Mit leichter Hand. Und wieder schlagen sie uns, die selbsternannten Fürsten, die Dichterfürsten, noch einmal, noch einmal. Und wieder sie schlagen nichts als die eignen Köpfe. Der letzte Schlag gehört uns. Ihre Schädel sollen dröhnen. Die Haarbüschel werden fallen, die Fleischbüschel werden fallen, die Hosen werden fallen. Alles wird ab sofort lustig sein. Nichts wird traurig sein. Nie wieder unter Stöhnen lernen sollen die Menschen, überhaupt nicht mehr sollen lernen die Menschen. Sie bleiben ja unter sich, ab sofort, in ihrer eignen Mitte. Uns tut schon der Mund weh vor lauter vorlautem Zungenschlagen, doch jetzt wirds bald wieder ruhig. Es ist wunderbar, wir haben gefochten, und jetzt dürfen wir feiern den Sieg. So nennt mans, wenn wir sprechen aus allen Kanälen. Siegen lernen heißt feiern lernen und die Augen verschließen. Vom Klagegesang zum Jubellied. Nichts mehr vom Grab, nichts mehr vom Tod! Die Lügenpriester: Ihr Sprechen ist Anklage. Unsers ist: Faust zum Kopf. Faust zum Kopf, klatsch, bumm! Kniescheibe, kracks! Da steht noch ein Wort, nieder, du Wort, sofort! Was machtest du aus uns, wenn man dich ließe? Her, andres Wort, das richtige, nicht von wirrem Geist: Könige hat es aus uns gemacht! Seht ihr, wir sind doch ganz harmlos, wenn wir herrschen. Hauptsache herrschen. Wir machen ja nichts. Und wir haben nichts gemacht. Das Wort heißt: ordentlich. Jeder hats gleich gern, das Wort, das liebe, ders aufgeräumt mag. Laß dich anschaun, Wort, gut schaust du aus! Duwort - auch gut! Wenn du einmal mußt, dann öffnen sich goldene Türen für dich, da steht: Bedürfnisanstalt für Tugendterroristen. Nur herein, liebes Wort, auch du, und das Wasser rasch ablassen, gespült wird dann schon selbsttätig werden. Verehren soll jeder Vater und Mutter, doch mehr den Vater. Die Mutter: ohnedies immer da, von Natur aus schon da. Kühn sein soll jeder. Im Training sein soll jeder, wer weiß, wer da kommt, unsre Peitsche zu spüren. Wenn wir uns anschaun, geben wir uns schon die richtige Antwort, Satz für Satz und Wort für Wort. Man versteht uns. Jeder versteht uns. Am liebsten würden wirs fortjagen, das ganze Land, wo immer nur Angeklagte wir sein werden, vor welchem Gericht-, doch wo herrschten wir dann, und wo wären die Schaulustigen, die uns bewundern- Ich glaube, sie fahren nach Villach, um einmal ordentlich lustig zu sein. Sie sind nicht von hier. Aber sie kommen gern. Zu uns. Die Arena füllt sich mit Schnee. Alle geben uns Recht, wenn uns das gefällt. Wir haben keine Mitschuld an der Tat. Wir haben auch keine Morde befohlen. Das kann man von uns nicht sagen. Wir haben den Fall von Anfang an erörtert: wir warens nicht, und unsre Väter warens auch nicht. Sie könnens nicht gewesen sein. Ach! Unsere Väter warens vielleicht doch, aber es hat nichts gemacht. Es hat ihnen nicht geschadet. Wenn Sie so wollen, dann waren sies halt. Es waren abscheuliche, einmalige Verbrechen. Sowas wirds nie wieder geben.