Angesichts ihres bevorstehenden Todes laesst die bekannte Sterbeforscherin Elisabeth Kuebler- Ross noch einmal ihr Leben, angefangen von ihrer Kindheit in der Schweiz, ihre Jugend und Studienjahre, und ihre berufliche Entwicklung als Aerztin und Therapeutin Revue passieren. Die Autobiographie entsteht zu einem Zeitpunkt, als die weltbruehmte Autorin und Workshopleiterin durch eine Reihe von Schlaganfaellen selbst zum Pflegefall geworden ist und sich mit dem eigenen Sterbeprozess auseinandersetzen muss.
Dies tut sie in ihrer spannenden und dramatischen Lebensgeschichte, mit der sie sich von ihren Lesern verabschiedet. Sie beschreibt vor allem ihre Begegnungen mit Menschen, die ihre eigene Entwicklung entscheidend praegten, von ihrer Familie, ihren Freunden und ihren sterbenden Patienten. Spannend erzaehlt sie ihre ersten Begegnungen mit kranken Menschen, von deren Noeten und Aengsten und wie sie gegen den Wunsch ihres Vaters ihrer Berufung folgt. Ihr tiefer Wunsch zu heilen und ihr Engagement das Not und Elend der Menschen zu lindern fuehrt die Jugendliche in der Nachkriegszeit als freiwillige Helferin nach Deutschland und Polen, wo sie unter Einsatz ihres eigenen Lebens Menschenleben rettet. Begegnungen, wie die mit Golda einer jungen Juedin, die unsaegliches Leid uberlebt im polnischen Konzentrationslager und die trotz aller Grausamkeit ihr Leben der Vergebung und Liebe widmet, praegen den Werdegang der jungen Aerztin.
Aber erst ihre therapeutische Arbeit mit Sterbenden und spaeter mit Aidskranken wird zu ihrer eigentlichen Berufung und ihr Engagement fuer Sterbende und ihre Forschungen ueber das Leben nach dem Tod machen sie weltberuehmt. Workshops der beruehmten Heilerin in aller Welt helfen Sterbenden und ihren Angehoerigen, mit Liebe, Wuerde und Menschlichkeit den Tod zu begreifen. Ihre Begegnungen mit Patienten wie dem keinen Jeffy oder Louise beschreibt die Autorin mit so viel Liebe, dass diese fuer den Leser unsterblich werden.
Dieses Buch ist eine fesselnde und ungewoehnliche Lebengeschichte, aber auch eine tiefe Lektion ueber das Leben und die Liebe. Die Botschaft der "Tod-und-Sterben-Ladie" lautet, dass der Tod zu einer der groessten Erfahrungen des Lebens werden kann und das man nichts zu befuerchten hat, wenn man jeden Tag seines Lebens richtig lebt.
Mich hat dieses wunderbare Buch zutiefst beruehrt und viele meiner Fragen zum Thema Tod und Sterben beantwortet, in einer einfachen, klaren und herzlichen Sprache -niemals belehrend oder streng wissenschaftlich.
Die Autorin versteht es meisterlich dem Leser die Angst vor dem Tod zu nehmen und diesen als Erloesung im Rad des Lebens zu begreifen. Ich kann dieses Werk nur jedem Menschen empfehlen, der bereit ist sich beruehren zu lassen:
"Wenn wir die Pruefungen, die uns auf der Erde aufgegeben waren bestanden haben, durfen wir den Abschluss machen. Wir duerfen unseren Koerper ablegen, der unsere Seele gefangenhaelt, wie ein Kokon den Schmetterling einschliesst; und wenn die Zeit reif ist, koennen wir ihn loslassen. Dann werden wir frei sein von Schmerz, frei von Angst und frei von Kummer... frei wie ein schoener Schmetterling, der zu Gott heimkehrt...zu einem Ort, wo wir niemals einsam sind, an dem wir weiter wachsen und singen und tanzen, an dem wir mit unseren Lieben zusammen sind und von mehr Liebe umgeben werden, als wir uns vorstellen koennen."