'Leben ist ein erstaunliches Phänomen', schreibt der weise Wissenschaftler in der Einleitung seines neuen Buches. 'Mit seinem Bewusstsein und seiner Fähigkeit zum absichtsvollen Handeln hat der Mensch eine neue Stufe des Lebendigen erklommen. Sie ermöglicht ihm, die Welt auf doppelte und recht unterschiedliche Weise wahrzunehmen. Er erlebt sie zunächst ganz unmittelbar innerlich, weil er, wie alles andere Teil dieser Welt ist; und er erfährt sie dann nochmals anders über seine Sinne in seinem hellen Bewusstsein als etwas Äußeres, von sich Abgetrenntes. Es ist die Betonung der äußeren Welt, die von der Trennung ausgeht, durch die der Mensch sich selbst als Lebewesen in Frage stellt und mit sich selbst auch ein Großteil des höher entwickelten Lebens auf der Erde in Gefahr bringt. Es ist die Negierung der inneren Wahrnehmung der Wirklichkeit als einer Ganzheit, welche den Menschen zu seiner Naturvergessenheit führt und ihn dazu verleitet, sich im Wettstreit mit anderen den Ast abzusägen, auf dem er sitzt...'
Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr zählt zu den herausragenden Naturwissenschaftlern unserer Zeit, der wie nur wenige die Wahrnehmung der Wirklichkeit ernst genommen hat und somit auch einen völlig neuen Bezug zur Schöpfung gefunden hat, der jedem Menschen eine hoffnungsvollere Weltsicht vermittelt, die den meisten Theologen völlig fremd ist. 'Die Quantenphysik entspricht der Logik der Natur: Teilchen verhalten sich wie Wellen und Wellen wie Teilchen. Und genau diese Unschärfe verweist auf den Ursprung alles Lebendigen ' auf einen zugrunde liegenden universellen Code, der eben nichts anderes ist als Information. Die neue Physik bezieht auf diese Weise auch unsere Alltagserfahrungen mit ein und damit die Lebendigkeit. Es gibt nur ein Beziehungsgefüge, ständigen Wandel, nur einen Zusammenhang ohne materielle Grundlage, etwas, was wir nur spontan erleben und nicht greifen können. Materie und Energie treten erst sekundär in Erscheinung ' gewissermaßen als etwas Geronnenes, Erstarrtes. Wenn wir über die Quantenphysik sprechen, sollten wir besser eine Verbsprache verwenden. In der subatomaren Quantenwelt gibt es keine Gegenstände, keine Materie, keine Substantive, also keine Dinge, die wir anfassen und begreifen können. Es gibt nur Bewegungen, Prozesse, Verbindungen und Informationen... Da Zukunft im Wesentlichen offen ist, wird die Welt in jedem Augenblick neu erschaffen, aber wohlgemerkt vor dem Hintergrund, wie sie vorher war... Der Bruch, den die neue Physik fordert, ist tief. Er bezeichnet nicht nur einen Paradigmenwechsel, sondern deutet darauf hin, dass die Wirklichkeit im Grunde keine Realität im Sinne einer dinghaften Wirklichkeit ist. Wirklichkeit ist reine Verbundenheit oder Potenzialität.'
Das sehr tiefgründige Buch des im 9. Lebensjahrzehnt noch ständig weltreisenden 'spirituellen Meisters der Quantenphysik' enthält 3 große Kapitel: Neues Denken für eine Welt von morgen ' Nachhaltigkeit und das Paradigma des Lebendigen ' Wörterbuch des Wandels. Die Zukunft ist offen, und Hans-Peter Dürr beendet sein Buch mit den Sätzen: 'Soll die Menschheit eine Zukunft haben, so haben wir als Mitglieder der menschlichen Gesellschaft keine andere Wahl, als unser gemeinsames Schicksal mit heißem Herzen und kühlem Verstand in beide Hände zu nehmen und mitzuwirken, es entschlossen und sanft zugleich durch die gefährlichen Klippen und Stromschnellen der nächsten Jahrzehnte zu steuern.'
Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist