Allerdings nur mit sehr mäßigem geschäftlichen Erfolg. Das wundert allerdings kaum, denn wenn der mittlerweile einen ehrlichen Lebensunterhalt verdienende Ex-Gangster Jimmy the Saint (Andy Garcia) einem interessierten Ehepaar die Vorzüge von "Afterlife Advice" - einem Unternehmen, das Hinterbliebenen die Videoaufzeichnungen ihrer durch ihr Ableben in den Ruch einer gewissen Weisheit gelangten Verwandten zugänglich macht - präsentieren will, kann es schon einmal vorkommen, daß die Interessenten zu hören bekommen, wie ein an Krebs verstorbener Vater per Videoband seinem Sohn den Tip gibt, er müsse Frauen nur wie Dreck behandelt, dann kämen sie schon angekrochen. Klar, daß man so nur wenige Kunden akquiriert.
In dieser schlimmen Lage entpuppt sich nun auch noch Jimmys größter Gläubiger als sein alter Boss, der "Mann mit dem Plan" (Christopher Walken), ein querschnittsgelähmter, aber immer noch sehr umtriebiger Gangster. Der Mann mit dem Plan hat ein Problem: Sein Sohn Bernard (Michael Nicolosi), ein geistig zurückgebliebener junger Mann, ist dadurch auffällig geworden, daß er ein Mädchen auf einem Schulhof belästigt hat. Sein Vater führt Bernards Zusammenbruch darauf zurück, daß ein junger Zahntechniker ihm seine Freundin ausgespannt hat. Nun ist dieser Zahntechniker auf dem Weg nach Denver, um bei den Eltern seiner Flamme um ihre Hand anzuhalten. Jimmys Aufgabe sei es in diesem Zusammenhang, den Freiers- in einen Hasenfuß zu verwandeln, d.h. den Zahntechniker so einzuschüchtern, daß er sich nie wieder in Denver blicken läßt, so daß Bernard wieder mit seiner Freundin zusammenkommen kann.
Widerwillig muß Jimmy diesen Auftrag annehmen und heckt einen geradezu furchtbar komplizierten Plan aus, für den er die Hilfe von vier alten Freunden benötigt. So reaktiviert er den Familienvater Franchise (William Forsythe), den leprösen Pornofilmvorführer Pieces (Christopher Lloyd), Critical Bill (Treat Williams), einen Irren, der seine Aggressionen abbaut, indem er Tote aus einem Leichenschauhaus als Sandsäcke durchboxt, und Bills Erzfeind Easy Wind (Bill Nunn). Wenn ein Plan zu kompliziert ist, so muß er schiefgehen - dies weiß jeder "Lebowski"-Anhänger -, und so geschieht es auch hier, um den Preis zweier Menschenleben. Der Mann mit dem Plan ist gar nicht begeistert von dieser unschönen Entwicklung und setzt Mr. Shhh (Steve Buscemi), einen gefürchteten Killer, auf die fünf Experten an. Leider kann Jimmy auch gerade nicht untertauchen, da er sich frisch in Dagney (Gabrielle Anwar) verliebt hat ...
Gary Fleders "Things to Do in Denver when You're Dead" (1995) ist ein in mancher Dialogzeile und in seinen skurrilen Verwicklungen an Tarantino erinnernder Gangsterfilm, der insgesamt zu überzeugen weiß. So ist die Situationskomik, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen den fünf Hauptpersonen ergibt, ziemlich gelungen, etwa wenn Critical Bill nach dem mißlungenen Coup Jimmy vorwirft, auf seinen Vorschlag eingegangen zu sein, nachdem doch alle nun schon wüßten, daß er, Bill, nicht ganz richtig ticke. Unsere fünf sind allesamt recht tragische Figuren - der anständig, aber erfolglos gewordene Jimmy, Franchise, der für eine Familie zu sorgen hat und nun von einem Killer bedroht wird, der langsam in Stücke fallende Pieces mit der bewegten Vergangenheit, der so gefährliche und doch so kindische Bill und Easy Wind, für den die Sommerferien immer viel zu schnell vorbeigegangen sind -, und so ist es nur folgerichtig, daß die Erzählung mit einem griechischen Chor arbeitet, dem alten Joe (Jack Warden), der als Dauergast in einem Diner jedem, der es hören will, die Geschichte Jimmys erzählt und dabei nicht mit mal mehr, mal weniger klugen Kommentaren geizt. Leider führt das Bemühen des Filmes um coole Lockerheit einerseits und tragische Tiefe andererseits auch zu manchen Stereotypen, wie der Hure mit dem goldenen Herzen (Fairuza Balk), und einigen Standarddialogen, wie den etwas peinlichen, den zeitlosen Billigcharme der 80er Jahre versprühenden Anmachsprüchen Jimmys gegenüber Dagney.
Abgesehen von diesen leichten Schönheitsfehlern überzeugt "Things to Do in Denver" aber durch die liebevollen Charakterzeichnungen, durch seinen Witz sowie durch die halb tragische, halb optimistische Pointe, mit der der Film ausklingt. Von einem temporeichen Gewaltfeuerwerk à la Tarantino ist er jedoch - dies sei allen Fans des Genres gesagt, um Enttäuschungen vorzubeugen - meilenweit entfernt. Allerdings lernt man auch, wozu man in Denver eine Yacht brauchen kann.