Ein TV-Interview mit Auma Obama am Rande der Buchmesse hat mich neugierig gemacht. Irgendwie unglaubwürdig klingen die Aussagen der Autoren, die gerne die Werbetrommel für ihre Bücher schlagen. Sie hingegen kam etwas bescheidener rüber und wehrte sich unwillkürlich gegen ständig wieder auftauchende Fragen nach ihrem weltweit berühmten Bruder, was man ihr sogar abnehmen konnte, es klang nicht nach Verkaufsstrategie.
Sofort bestellte ich das Buch, was ich eigentlich bei Neuerscheiniungen immer erst mache, wenn ich mehrere Meinungen dazu eingeholt habe. Lange habe ich kein Werk mehr so verschlungen.
Bemerkenswert unprätentiös kommt sie daher. Die Schilderungen ihrer Lebensabschnitte in den verschiedenen Kulturkreisen und die Einblicke in ihre Sichtweise auf die Dinge, die sie durch natürliche Neugier und Insistieren ständig vertieft und ggf. auch korrigiert, wirken anfänglich wie Beschreibungen in einem Sachbuch. Immer wieder mache ich mir deutlich, dass es eine autobiografische Niederschrift einer Frau ist, die viele Täler durchlaufen muss, bevor sie sich einer Aufgabe widmet, die endlich ihren innersten Interessen zu entsprechen scheint.
Ganz nebenbei erfährt man natürlich auch von privateren Angelegenheiten, die aber niemals auf Effekterzielung aus sind. Sehr diskret und doch so, als ob man der bewundernswerten Frau durch einen dünnen Schleier zusieht, während ihr das Leben immer dazwischen kommt.
Ein empfehlenswertes Buch für alle, die nicht auf Sensationen aus sind, auch keine Hintertür suchen, um über Barack Obama Geschichten aus dem Nähkästchen zu erfahren. Für alle, die eine intelligente, gebildete Frau kennen lernen möchten, die egoistische Bedürfnisse ihren hehren Zielen unterordnet, ohne eine neue Mutter Teresa werden zu wollen und ohne die globale Realität aus den Augen zu verlieren.
Ich wünsche Auma Obama viel Erfolg bei ihrer Arbeit und höchstmögliche Verkaufszahlen für ihr Buch, das hoffentlich bald auf Englisch aufgelegt wird.