Jostein Gaarder wagt sich mit "Das Leben ist kurz" auf das Gebiet der Kirchengeschichte. In seinem Vorwort beschreibt er, wie er in einem Antiquariat in Südamerika einen lateinischen Brief findet, der an den Bischof von Hippo Regius, Augustinus, gerichtet ist. Er kauft den Brief und hält ihn für zumindest eine Abschrift eines Originalbriefes der Frau, die Augustinus für seine kirchliche Karriere und seine Ansichten zur Frau und dem Genuß in der Welt sitzengelassen hatte. Diese Frau heißt Floria. Sie wendet sich in diesem Schreiben an den ehemaligen Geliebten und setzt sich mit seiner Lehre, vor allen Dingen der in den "Confessiones" auseinander. Sie stellt dem asketischen und das Leben ertragen müssenden Ansatz des Augustinus einen Ansatz der Offenheit für die Welt, der Freude an der Schöpfung Gottes entgegen. Kurz, sie stellt gegen das eher lebensverneinende Motto ein lebensbejahendes. Ob der Brief nun tatsächlich echt ist oder nicht (an mancher Stelle könnte man daran zweifeln), das Buch ist ein höchst interessantes. An der Botschaft ändert sowieso sich nichts: Das Leben ist kurz, und wir sind in diese Welt hineingeboren, um zu leben. Es werden fatale Denkfehler des Kirchenvaters angesprochen. Zudem wird die Antike mit ihrem noch nicht vollständig vollzogenen Schwung zum Christentum wieder lebendig gemacht und es ist eine echte Freude, das zu sehen. Ein tolles Buch auch für diejenigen, die nicht unbedingt so viel mit Kirche oder Augustinus anzufangen wissen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)