Sedaris hat einen scharfen Blick vor allem für die absurden, kleingeistigen, dummen und gemeinen Seiten der menschlichen Natur und überträgt sie äußerst zielsicher und sehr unterhaltsam auf Tiere. Die meisten der sechzehn Episoden haben ein böses, manchmal ein gar bitterböses Ende, eine fiese kleine Pointe, die sich bisweilen, wie im Fall der mutterlosen Bärin, richtig grausam liest. Manches ist aber auch schlicht peinlich oder amüsant.
Die "fiesen Fabeln" müssen nicht in einer Reihenfolge gelesen werden, man kann sich mal diese, mal jene Geschichte herauspicken und dabei mal schmunzeln, mal ertappt sein, mal traurig sein. Da die sechzehn Fabeln alle sehr flüssig geschrieben und dabei noch recht kurz sind, vergehen die 173 Seiten wie im Flug. Eine tolle Ergänzung zu den pointierten Beobachtungen aus dem Alltag sind die passenden Illustrationen von Ian Falconer, der zu jeder Fabel je eine Zeichnung beigesteuert hat. Die Bilder sind einfach hinreißend, skizzenhaft, aber voller Charakter; sie geben immer genau den Geist der oft schwarzhumorigen Geschichten wieder.
"Das Leben ist kein Streichelzoo" ist mal ein völlig anderer Sedaris. Es handelt sich nicht um Episoden aus dem Leben des Autors, sondern um richtige Fabeln aus dem Reich der vermenschlichten Tiere. Immer aber blitzen der bekannte Humor, der Scharfsinn und der Sinn für das Absurde durch, so dass Fans von David Sedaris und Liebhaber von klassischen, aber gleichzeitig modernen Fabeln auf jeden Fall einen Blick riskieren sollten.