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Moviemans Kommentar zur DVD: Vor allem farblich weiß der Film zu bestechen, wenngleich stellenweise etwas über die Natur hinaus gesättigt wurde, was aber zum Konzept Kusturicas gehört. Auch akustisch ist der Film überaus angenehm gestaltet. Vor allem die satten Musikstücke können überzeugen.
Bild: Die DVD bietet klare, im Detail wie in der Totalen scharfe Bilder, die natürlich kraftvoll eingefärbt sind. Kontraste bleiben auch an dunkleren Schauplätzen (Tunnel, 00:13:03) konstant und facettiert.. Nur innerhalb monotoner Flächen (dunkles Cordjackett, 00:46:54) verschwimmen Konturen. Von Artefakten oder Rauschen, das sich nur selten am Himmel bemerkbar macht (01:09:45), bleibt das klare Bild verschont. Ein in allen Belangen angenehmes Bilderlebnis.
Ton: Serbischer wie deutscher Ton sind wunderbar natürlich gestaltet. Dabei verteilen sich nicht nur die kraftvollen Musikstücke, sondern auch Kulisse und Dialoge im ganzen Raum. Deftig beschallen Bassanteile auch von hinten den Zuschauer, dem sich zudem klare und volumenreiche Dialoge bieten. Räumlichkeit weist zu keiner Zeit Mängel auf und das gilt für das Original genauso wie für die deutsche Fassung, die gleichermaßen ausgewogen abgemischt ausfallen.
Extras: Das ansprechende Bonusmaterial besteht aus deutschem Kinotrailer (1:57 min.), Besetzung und Stab in ausführlicher Textform, einer schön, wenn auch farblich etwas zu kräftig angelegten Fotogalerie und einem Making Of mit lustigen Szenen vom Dreh (42:07 min.), die vom Regisseur kommentiert werden. Erweitert wird die DVD durch Programmtipps und einen DVD-Rom-Part. Eine ansprechende Leistung. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Nach zwei Goldenen Palmen (1985 'Papa ist auf Dienstreise' und 1995 'Underground') sowie den Regiepreis für 'Time of the Gypsies' (1988) rechnete niemand mit einer erneuten Auszeichnung, auch wenn Emir Kusturica gewohnt pralles Kino präsentierte. Die Handlung spielt in einem kleinen bosnischen Dorf im Jahre 1992. Die Einwohner genießen das Leben, als sei jeder Tag der letzte. Luca, den Ingenieur aus Belgrad, der durch den Ausbau der Eisenbahn Touristen anlocken soll, seine Frau Jadranka, eine Ex-Opernsängerin, und Sohn Milos hat es in einen alten Bahnhof verschlagen. Kriegsgerüchte ignoriert der Tüftler von sympathischer Schlichtheit, sogar als seine manisch-depressive Gattin mit einem Musiker durchbrennt, trübt das nur marginal die gute Laune. Erst mit der Gefangennahme seines Sohnes von der Gegenseite, stellt er sich der Wirklichkeit, wenn auch zögerlich. Durch die hübsche Moslemin Sabaha als Geisel für den Austausch gibt es Hoffnung. Doch urplötzlich bricht die Liebe aus, das Mädel erobert nicht nur Haus und Bett, sondern auch sein Herz.
Kusturicas Personal strotzt vor verrückten Typen: ein Soldat, der glaubt, der Krieg könne vermieden werden, ein Bürgermeister, der von der Mafia beseitigt wird, ein philosophierender Schäfer und - ganz wichtig - ein liebeskranker und suizidaler Esel, der als Running Gag das Bahngleis blockiert. Bei diesem Tanz auf dem Vulkan wird gefeiert, gesoffen und gehurt, dass die Schwarte kracht. Mit überschäumender Leidenschaft und überbordendem Temperament gehen die Protagonisten ans Werk. Kusturica vereinigt nach eigenen Worten Shakespeare und die Marx Brothers in dieser Romeo & Julia-Burleske voller Slapstick-Elemente. Wein, Weib und Gesang, dazu die Musik komponiert vom Meister selbst und Dejan Sparavolo, gespielt vom No Smoking Orchestra - das ist manchmal etwas zuviel des Guten, wie auch die Reduzierung der Kommunikation zwischen den Geschlechtern auf Hiebe, Triebe und etwas Liebe. Ein ambivalentes und lärmendes Vergnügen, das durch großartige Bilder in den Farben der vier Jahreszeiten vieles wettmacht. Feingeistern wird der laute Balkan fremd bleiben, Freunde deftigen Spaßes sollten sich jedoch für dieses visuell starke Stück Kino begeistern. mk.