Calderon lebte von 1600 bis 1681 in Madrid. Er zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten spanischen Schriftstellern und Dichtern. Eines seiner bekannten Werke liegt nun vor.
Sigismund, des Königssohn Polens sitzt im Turm, gefangen wegen einer Voraussage der Sterne. Diese sprachen gegen ihn und weissagten einen Tyrannen (Abwandlung Ödipus). Daraufhin ergreift der Vater eine Vorsichtsmaßnahme, hier kein Aussetzen in einer anderen Gegend, sondern er sperrt ihn ein und produziert so aus Angst vor der Zukunft einen Tyrannen; die Prophezeiung wurde selbst erfüllt, wie die vom König gewünschte Bewährungsprobe zeigte. Betäubt aus dem Turm, hingesetzt in den edelsten Prunk und erwachend aus einem Traum, sitzt Sigismund auf den Thron und soll zeigen wer er ist. Das tut er: Er wirft einen Domestiken vom Balkon und will sich an denen, die ihn einsperrten rächen, scheut gar vor versuchter Vergewaltigung nicht zurück. Zurück in den Turm ist sein erneutes Schicksal, ebenso unter Betäubung. Als er erwacht, war es, wie man ihm sagte: Es war nichts als ein Traum.
"Was ist Leben? Raserei! / Was ist Leben? Hohler Schaum, / Ein Gedicht, ein Schatten kaum! Wenig kann das Glück uns geben; / Denn ein Traum ist alles Leben / Und die Träume selbst ein Traum. "
Astolf, Herzog von Moskau, spekuliert auf den Königsthron, ebenso wie Prinzessin Estrella. Zur gleichen Zeit: Rosaura mit ihrem schon witzigen Gehilfen Clarin taucht auf einem feurigen Pferd auf vor Sigismunds Turm. Sie ist auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater, der ihre Mutter verlassen hatte und hat ihn gefunden, lange bevor sie es ahnt, in Clotald, der Bewacher von Sigismund.
Die Probe Sigismunds war gescheitert, er sinnt nach, sein Leben erscheint vor seinen Augen und so sicher und real es erscheinen mag., es könnte auch ein Traum sein kann. Der Schluss liegt also nahe, so zu leben, als wäre es nur ein Traum, aus dem man erwachen muss. Calderon verfährt raffiniert mit einer unauflöslichen Dialektik von Leben und Traum, Leben als Traum, Traum als Leben.
"Was erstaunt ihr, was erschreckt euch, / Wenn ein Traum mein Lehrer war / Und ich voll Beklemmung fürchte, / Daß ich noch einmal erwache, / Noch einmal im Turm mich finde? / Mag es anders auch geschehen, / Es genügt schon, es zu träumen; / Denn ich habe eingesehen, / Daß das ganze Glück der Menschen / Schließlich wie ein Traum vorbeizieht; / Diesmal will ich es benützen, / mag es kurze Frist auch dauern. / Um Vergebung unserer Mängel / Muß ich bitten; edlen Herzen / Ist es eigen, zu verzeihen".
Was am Anfang sich zeigte, wird nur durch Traumgeschehen jedweder Art bekräftigt und zeigt sich als schon zu Beginn bekannte prästabile Klarheit. Sigismund ist, durch eine Lektion, die vom Vater nicht geplant war, ein anderer. Daher: Sigismund wird König. Er erhält Estrella zur Frau. Astolf, den Rosaura im Verdacht hatte, ihr Vater zu sein, wird ihr Mann. Nach dem die Dinge geklärt, die Heiraten vollzogen sind bleibt eines zu tun: Der Verräter, dem Sigismund einen Aufstand zu seinen Gunsten zu verdanken hat, wird in den Kerker geschickt. "Der Verräter ist entbehrlich, / Wenn erst der Verrat vollbracht ist."
Calderon deutlich hervortretende moralische Sichtweise passt in die Zeit. Deutliche Fingerzeige werden erhoben für ein Leben, in welchem die gute Tat, die gute Handlung im Vordergrund steht. Traum ist gewesen, was war, Traum ist das Leben, was kommt, denn im Erwachen erkennt man das Gute.
Calderon hatte Einfluss auf Grillparzer, der mit seinem Stück: Der Traum ein Leben diese Ambivalenz von Traum und Wirklichkeit aufgenommen hatte.