Lucius Shepards Roman 'Das Leben im Krieg' gilt als Höhepunkt in seinem Schaffen und erschien 1987. Er implementierte darin seine zuvor erschienene Erzählung 'R&R' (Steht für Rest & Recreation, also den Urlaub von der Front), für den er im Jahre 1985 den renommierten Nebula Award erhalten hatte, als Prolog.
Das Thema in 'Life During Wartime' sind die menschlichen Abgründe in einem hochtechnologisierten Guerilla-Krieg in Mittelamerika. Abgestumpfte Soldaten, die sich mittles Drogen in einen Berserker-Rausch treiben, um in Arenen gegen wilde Tiere zu kämpfen, ständige Desertationsgedanken und paranormale Psi-Truppen, die die Truppenbewegungen des Feindes vorhersehen können, gehören genauso zu den drastischen Bildern des Krieges, wie die vom Krieg verwüsteten Dörfer in El Salvador und Nahkampf-Szenen, die schonungslos und explizit gewalttätig geschildert werden. Im Zentrum der Handlung steht mit David Mingolla ein Soldat, dessen Menschlichkeit angesichts des Grauens immer mehr verloren geht.
Natürlich ist Shepards Roman ein Antikriegsroman und in einigen ausgewählten Passagen erinnert er an das Wirren Martin Sheens in Coppolas Epos 'Apocalypse Now'. Dennoch wurde ich mit dem Buch nie richtig warm. Eine drastische Gewaltszene reiht sich an die nächste und ständig hat man den Eindruck, man würde wie die Hauptfigur selbst durch ein alptraumhaftes Gebilde stolpern, das seltsam steril und abgehoben wirkt. Dadurch wird die Geduld des Lesers arg strapaziert, haben wir es doch hier mit einem über 600-Seiten dicken Roman zu tun...
Fazit
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Für andere Leser ist das Buch zusammen mit Gibsons 'Neuromancer' wiederum der Gipfel der Cyberpunk-Literatur der mittleren 80er Jahre und daher kann ich nur jedermann, den der zugegebenermaßen spannenden Rahmen neugierig gemacht hat, zumindest den noch kohärenten und presigekrönten Prolog 'R&R' empfehlen, der für sich genommen schon das restlich Buch vorausnimmt.