Durch einen Motorradunfall wird der Ich-Erzählerin ihr Mann entrissen. Der Roman umfasst die Zeit von den bangen Stunden im OP, wo der Mann um sein Leben ringt, bis zur Trauerfeier eine Woche später. Wobei es sich eigentlich nicht um einen Roman handelt, sondern eher um ein Gefühls- und Gedankenprotokoll. Brigitte Giraud schildert mit schlichten, unpathetischen Worten, wie sich die überwältigenden Gefühle von Trauer und Schmerz, wie sie nicht nur vom Umfeld, sondern auch von der Ich-Erzählerin selber erwartet werden, nicht einstellen wollen, zumindest nicht sofort. Zu banal sind die Handlungen, die ihr im Krankenhaus, bei Polizei und Priester abverlangt werden.
Anrührend ist die behutsame Zärtlichkeit, mit der sich die Ich-Erzählerin der Dinge des Verstorbenen annimmt. Vor die Aufgabe gestellt, an der Abdankung sprechen zu müssen, beginnt sie über die jäh abgebrochene zwanzigjährige Beziehung zu reflektieren. Es ist ihr wichtig, dass sie die richtigen Worte findet, dass die Feier in einem Rahmen abläuft, der ihm, dem Verstorbenen, entspricht und gefallen hätte. Sie fürchtet den Verlust ihrer Intimität und die Vereinnahmung ihres Geliebten durch das Ritual von Priester, Orgel, Bestatter. Sie ist nicht stark genug, sie verliert die Kontrolle über das Geschehen und durchlebt die Abdankung wie in Trance.
Da auch Brigitte Giraud ihren Mann bei einem Motorradunfall verlor, darf man davon ausgehen, dass sie mit diesem Buch ihren Schmerz literarisch verarbeiten wollte. Die Ich-Erzählerin macht die Erfahrung, dass ihr erst nach der gewaltsamen Trennung bewusst wird, wie wertvoll ihre Beziehung war. "Jetzt weiss ich, dass ich glücklich war", schreibt Giraud an einer Stelle. Das Buch endet trostlos: Nicht nur die Beziehung, das Leben ist entzwei. Bei aller Trostlosigkeit ist dieser Befund in seiner Radikalität auch eine Liebeserklärung.