"Sorgfältig und verlässlich" habe Mächler die Spuren von Robert Walsers Leben gesichert, sagt Jochen Greven, der Herausgeber der Walser-Gesammtausgabe, über diese Biographie. Was die Verlässlichkeit angeht, ist der Leser allerdings völlig dem guten Willen des Verfassers ausgeliefert...
Mächlers Ansatz ist ein dokumentarischer, kein deutender. Das Dokumentarische ist aber auch gleich das Grundproblem dieser Biographie. Dokumentarisch heißt für Mächler, dass wichtige autobiographische Stellen in den Werken und Briefen ausführlich zitiert werden. Dabei macht Mächler aber keinen Unterschied zwischen den literarischen Texten und nicht-literarischen. So werden beispielsweise im Kapitel über die Familie Walser Aussagen des Romanhelden Simon Tanner ("Geschwister Tanner") umstandslos als Selbstaussagen Walsers gedeutet. Zitate aus den Romanen werden eingeleitet mit Sätzen wie: "In der Rolle das Jakob von Gunten schrieb der Dichter später..." oder "Zurückblickend hat er Kindheit und frühe Jugend nicht sentimentalisiert: [längere Passage aus "Geschwister Tanner"]". - Hinzu kommt, dass die zitierten Textstellen nicht einmal eindeutig nachgewiesen werden; genannt wird lediglich der Titel des Textes.
Es ist natürlich zweifellos so, dass viele literarische Werke Walsers starke autobiographische Bezüge haben; doch so eine umstandslose, völlig unreflektierte Identifikation von Autor und Werk ist ein umgekehrter Biographismus. Diese Vorgehensweise betrifft nicht nur einzelne Stellen und so hat man beim Lesen der Biographie eben nicht den Eindruck zuverlässig informiert zu werden.
Das heißt nun nicht, dass die Biographie - was Lebensdaten usw. angeht - nicht äußerst kenntnisreich ist, doch dazu, sich in wissenschaftlich abgesicherter Weise zu informieren, ist die Biographie nicht geeignet.