Zugegeben, ich betrachtete dieses Buch zuerst mit einiger Skepsis. esoterische Literatur interessiert mich wenig, auch wenn ich -ohne deswegen zu erröten- zugebe, daß ich dem Bhagwan Rajneesh, bekannt auch unter dem Namen Osho, einige wesentliche Einsichten verdanke. Nach Poona bin ich deshalb nie gereist. Zur bewundernden Anhängerin eines indischen Guru eigne ich mich nicht.
Wie gesagt, ich betrachtete dieses Buch mit einiger Skepsis. Wenn ich es dennoch erwarb, so weil seine Autorin - so etwas kann man heute bei google schnell herausfinden - ihren Lebensunterhalt als gestandene Psychotherapeutin erwirbt und nach profunder akademischer Karriere nach Indien reiste, um dort zu Füßen eines der zahlreichen geistigen Lehrer Antworten auf existentielle Fragen des eigenen Lebens zu erwarten.
Ein erheblicher Leidensdruck ist es wohl immer, der zur Reise in die reich sortierte Gemischtwarenhandlung der Esoterik führt.
Die Autorin reiste 1986 "nach vier Jahren analytischer Gruppentherapie, zwei Jahren Transaktionsanalyse, vier Jahren Psychoanalyse sowie sechs Jahren bioenergetischer Analyse" in den Ashram des Sai Baba.
Diese Vorerfahrungen aus eigener Therapie der Therapeutin sind es, die diesen autobiografischen Bericht aus dem Meer ähnlicher Erfahrungen herausheben.
So gebildet die Autorin, zuvor Hochschulprofessorin für Psychopathologie, ist, mitunter betet sie den Meister blauäugig an. Sie bewundert ihn uneingeschränkt und entzieht sich der Atmosphäre um den Produzenten weißer Asche nicht.
Bei all ihrer Vorerfahrung, mitunter erscheint mir die Autorin 1986 naiv wie ein zehnjähriges Kind, das seinen Gott gefunden hat
Dieser erste Teil ihres Berichts hat mich besonders beeindruckt.
Die gruppendynamischen Prozesse in der riesigen Wohngemeinschaft des Meisters, die Eifersüchteleien zwischen seinen Anhängerinnen, die Prüderie in seinem hinduistisch geprägten Ashram hatte ich zuvor so genau beschrieben nirgends gefunden.
In diesem Umfeld sucht die Autorin nach Heilung, durchlebt Träume und andere geistige Erfahrungen. Ein Prozeß, der im Ashram jetzt noch nicht abgeschlossen wird.
Die Autorin reist aus Indien ab. Läßt sich nach einer Weile in der internationalen Bildungsgemeinschaft Findhorn nieder, bis die Hilfsbedürftigkeit ihrer alten Eltern sie nach Deutschland zurück ruft, wo sie seither als Therapeutin arbeitet.
Eine Suche nach seelischer Ruhe hat ihr Ende gefunden, meint die Leserin, doch da erleidet die Autorin 2007 einen schweren Unfall.
Eine Knieverletzung, eine Wunde, die trotz mehreren Operationen und intensiven Bemühungen mehrerer Ärzte nicht abheilen mag.
Da fliegt Ulla Sebastian Weihnachten 2008 erneut nach Indien, sucht in Puttaparthi wieder den Ashram des Sai Baba auf.
Diesmal ist von der nahezu kindlichen Bewunderung des Meisters nur wenig zu spüren.
Die Autorin zieht vielmehr eine Bilanz ihrer Jahrzehnte währenden Aufarbeitung seelischen und körperlichen Leidens, als dessen Ursache sie eine traumatisierende Mißbrauchserfahrung in der Kindheit erkennt.