Aufgrund von glänzenden Besprechungen habe ich mir dieses Buch voller großer Erwartungen gekauft. Nach etwa einem Monat Lesezeit bin ich auf Seite 482 angekommen - normalerweise lese ich ungefähr ein Buch pro Woche - und überlege ernsthaft, dieses Konvolut sinnloser Einzelheiten zur Seite zu legen.
Was in den Besprechungen so positiv klingt - 99 kleine Geschichten, Ideenreichtum, Atmosphäre etc. - entpuppt sich alsbald als Machwerk eines sammelwütigen Schreibers, dem eher daran gelegen ist, in seinem Gedächtnis konservierte seitenlange Listen zu archivieren als den Leser zu unterhalten. Seitenweise muß man sich durch sinnlose Aufzählungen diverser Gegenstände quälen, ganze Kapitel sind nahezu ausschließlich der beschreibung diverser Zimmereinrichtungen (!) gewidmet. Oft geht die Obsession des Schreibers so weit, nicht nur diese Einrichtungen zu beschreiben, sondern auch noch die Geschichten diverser Einrichtungsgegenstände zu erzählen.
Das alles könnte ja auch sehr unterhaltsam sein, wenn Perec wenigstens versuchen würde, eine gewiße Spannung aufzubauen und beizubehalten. Wenn aber Geschichten nur alle 100 Seiten weitererzählt werden und zwischendurch weitere 60 Protagonisten unter die Augen des Lesers gekommen sind, dann kann man wohl nicht mehr von einem Spannungsbogen sprechen.
Perec hat sicher gut daran getan, die Summe seiner Erfahrungen und Wahrnehmungen zu Papier zu bringen. Die Romanform hätte er hierfür m.E. nicht wählen sollen. Sehr schade, da manche der Geschichten tatsächlich äußerst originell sind - dafür gibt es auch den 2. Stern.