Der berühmte Philosoph aus dem Fass (das wohl eher eine Amphore war) hat sich selbst als "bissige Dogge" gesehen und Jakob Burckhardt hat ihm schließlich das "abenteuerlich böse Maul" attestiert. Zu Recht! Denn beim hündischen Philosophen geht's ganz schön derb zu. Er bricht sämtliche Tabus (auch nach heutigen Maßstäben - oder würden Sie es wagen, mitten auf dem Marktplatz zu masturbieren?) und kennt auch keine Furcht vor Autoritäten. Besonders bekannt ist ja die Episode mit Alexander dem Großen, der ihm aus der Sonne gehen sollte.
Das vorliegende Büchlein enthält ein umfang- und aufschlussreiches Vorwort von Kurt Steinmann, der auch für die Übertragung aus dem Altgriechischen verantwortlich zeichnet. Im Hauptteil findet der Leser Szenen aus dem Leben des Diogenes von Sinope, die Diogenes Laertios (etwa Mitte des dritten Jahrhunderts n. Chr.) in seinem Werk "Über Leben und Meinungen der berühmten Philosophen" festgehalten hat. Die Länge der einzelnen Anekdoten variiert zwischen 2 Zeilen und 2 Seiten. Bisweilen wiederholen sich einzelne Begebenheiten auch in unterschiedlichen Versionen.
Die Lektüre der Szenen aus dem Leben des ungewöhnlichen Philosophen ist auf alle Fälle lohnend. Hier wird demonstriert, wie Philosophie viel öfter sein sollte - revolutionär und lebensnah. Also: Raus aus dem Elfenbeinturm und rein in die Tonne, die ja eigentlich eine Amphore gewesen ist...