Der belgische Schriftsteller Maurice Maeterlinck hatte das Werk 1901 nach 20-jähriger eigener Bienenhaltung geschrieben und erhielt dafür 1911 den Nobelpreis für Literatur. Der war aber sozusagen nur 'ausgeliehen', da es keinen eigenen Nobelpreis für Biologie gibt und biologische Forscher immer wieder mal mit einem eigentlich fachfremden Nobelpreis geehrt werden. Und diese doppelte Bedeutung als Literatur und als Fachbuch macht das Werk so einzigartig. Es stellt erstmals einem breiteren Publikum die faszinierende Welt der Bienen und ihrer Haltung dar, fast alles hat heute noch Bestand, manchmal wundert man sich beim Lesen, wieviel vor 110 Jahren schon darüber bekannt war. Dies geschieht in einer wundervoll poetischen Sprache, die die tiefe Naturverbundenheit des Autors und seine Liebe zu seinen Bienen spüren lässt. Umso erstaunlicher, dass das Buch lange Zeit nur antiquarisch zu erhalten war, umso erfreulicher, dass es nun wieder verlegt wird.
Einige Auszüge: 'Hier wie überall, wo man sie aufstellt, hatten die Bienenstöcke den Blumen, der Stille, der milden Luft, den Sonnenstrahlen eine neue Bedeutung verliehen. Man griff hier mit Händen das festliche Gleichnis der hohen Sommertage. (...) Man lauschte der heiteren, sichtbaren Seele, der klugen, wohlklingenden Stimme, man sah den Brennpunkt der Freude der sommerlichen Gartenlust. (...) Sie unterstrichen mit ihren tausend kleinen Flügeln wie mit Feuerzeichen die fast unstoffliche Wonne jener jungfräulichen Tage, die in ewig gleicher Reinheit und Klarheit wiederkehren, ohne Erinnerungen zu hinterlassen, wie ein zu reines Glück. (...) Die Bienen schenken dem Menschen Honig und duftendes Wachs, aber was vielleicht mehr wert ist, als Honig und Wachs: sie lenken seinen Sinn auf den heiteren Junitag, sie öffnen ihm das Herz für den Zauber der schönen Jahreszeit, und alles, woran sie Anteil haben, verknüpft sich in der Vorstellung mit blauem Himmel, Blumensegen und Sommerlust. (...) Wer sie einmal kennen und lieben gelernt hat, für den ist ein Sommer ohne Bienensummen so unglücklich und unvollkommen wie ohne Blumen und ohne Vögel.'