Gutersons Buch "'Das Land vor uns, das Land hinter" uns' ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen nicht nur die Personen, sondern das Land, insbesondere die Natur, die Atmosphäre bestimmen. Und als Metapher ist das Land vor uns, all` das was wir denken und träumen, wenn wir jung sind. Und das Land hinter uns sind all` die Erinnerungen, die Enttäuschungen und die nie realisierten Träume. Im Grunde genommen beschreibt Guterson kleine Alltäglichkeiten, die aber auf die Menschen, die sie erleben nicht nur große Wirkung haben, sondern sie auch prägen.
Guterson schreibt einfach. Das ist aber überhaupt keine Abwertung, denn er schreibt dennoch präzise, so dass man atmosphärisch gut eingebunden wird und das Lesen flüssig voran geht. Seine Hauptdarsteller: Er selbst, Jugendliche, Männer und die Altgewordenen, die an die Orte ihrer Jugend und in die Zeiten der Unbeschwertheiten zurückgehen.
Immer wieder spielen die Geschichten in der Natur, an Flüssen, an Seen, beim Angeln, beim Jagen. In diesen Szenarien kommt es zu Ereignissen und Begegnungen, die eigentlich unspektakulär, aber dennoch bemerkenswert sind. Hier liegt eine seiner Stärken: Guterson zeigt sich als sensibler Beobachter, der ohne Pathos, vielleicht mit ein wenig Wehmut, mehr oder weniger Normales festhält, aber nicht bewertet. In seinen Geschichten gibt es deshalb keine Helden, keine Guten, keine Bösen, nur Menschen ' und auch einige, die schwer am Leben zu tragen haben.
Würde man nicht wissen, dass David Guterson Amerikaner ist, so erfährt man es durch seinen Stil. Der ist nicht ausschweifend, der ist eher knapp und auf den Punkt orientiert. Er schreibt eine sympathische Prosa, die zwar angenehm berührt, aber trotzdem eine gewisse sachliche Ebene enthält, die eine Art neutralen Informationscharakter hat.
Fazit: Wer sich nicht in einen großen Roman vertiefen möchte, sondern kurze abgeschlossene Geschichten lesen möchte, dem sei Gutersons "'Das Land vor uns, das Land hinter uns"' bestens empfohlen.