Die beiden Lachexperten haben es einfach und schwierig zugleich, die Leser auf ihre Seite zu ziehen. Unbestritten und persönlich nachvollziehbar ist, dass Lachen die Gesundheit fördert. Aber daraus gleich eine Lehre zu machen, finden die meisten von uns doch eher ungewohnt. Weil das auch die Autoren wissen, greifen sie zu einem Mittel, das bei rationalen Widerständlern oft Erfolg hat: Sie begründen ihre Arbeit mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und den Ergebnissen kultureller Feldzüge. Und das machen sie gut. Sogar eher zu gut. Denn obwohl die Beweisführung interessant ist, hätte ich mir gewünscht, dass die Praxis noch mehr im Vordergrund steht. Auch waren mir die Ausflüge in asiatische Kulturwelten zu lang, weil ich schlechte Erfahrungen mit der Übertragbarkeit fremder Verhaltensmuster machte. Wenn in Indien nun weit über eine Million an Lachübungen teilnehmen, entsteht ein schönes Bild vor meinen Augen. Doch Indien ist Indien. Und in Europa ticken die Seelen der Menschen ein wenig anders. Schön, wenn meine Skepsis unbegründet ist.
Der Leser erfährt, welchen Wettbewerbsvorteil das Lachen im evolutionären Kampf ums Überleben vorweisen kann, wie und wann in den verschiedenen Religionen gelacht wird, was in unserem Gehirn vor sich geht, wenn es uns schüttelt, welche medizinischen Vorgänge im Spiel sind, weshalb auch in Firmen mehr gelacht werden sollte und schliesslich, wie das Lachen geübt werden kann.
Seit die Unternehmen gemerkt haben, dass sie mit ihren rationalen, messbaren und benennbaren Methoden nicht mehr weiter kommen, wittern Esoteriker Morgenluft. Aber genau in diese Ecke sollte man das Lachen nicht stellen. Und damit auch dieses Buch nicht. Denn ich habe selber miterlebt, wie in Kinderspitälern professionelle Lachexperten, so doof das klingen mag, kleine und grössere Wunder bewirkten. Damit sich solche Wunder in Unternehmen wiederholen, möchten die beiden Autoren sorgen. Dazu braucht es auf Seite der Auftraggeber viel Mut und einen gewissen Lachlevel, auf dem sich aufbauen lässt. Es wird wohl auch beim Lachprinzip so sein, dass es dort auf Interesse stösst, wo es gar nicht so dringend notwendig wäre.
Fazit: Wer gerne mehr lachen möchte, nicht gleich ein Seminar besuchen will, sich für neue Ansätze interessiert oder eine kleine Kulturgeschichte des Lachens sucht, sollte dieses Buch kaufen.