Kurzbeschreibung
"Was ist das Wesen des Lachens? Was steckt hinter dem Lächerlichen? Was haben die Grimasse eines Clowns, ein Wortspiel, eine Verwechslung in einem Schwank, eine geistvolle Lustspielszene miteinander gemeinsam?"
In seinem elegant geschriebenen Essay 'Das Lachen', der 1900 in drei separaten Aufsätzen in der 'Revue de Paris' erschien und ein Jahr später sehr erfolgreich als Buch veröffentlicht wurde, entwickelt Henri Bergson eine Theorie des Komischen als soziales Verhältnis. Er konzentriert sich dabei vor allem auf das Auslachen: Unter drei verschiedenen Aspekten (Bewegungskomik, Situations- und Wortkomik, Charakterkomik) untersucht Bergson an vielen Beispielen, weshalb uns etwas lächerlich erscheint, und stellt fest, daß es stets der Übergang vom Lebendigen zum Mechanischen, zum Automatismus, bzw. das 'Mechanische im Lebendigen' ist, das zum Lachen reizt.
'Das Lachen' behandelt bereits 'in nuce' die Frage, um die Bergsons gesamtes Werk kreist: wie das Lebendige, das 'Werden' angemessen beschrieben werden kann, ohne in die Begrifflichkeit der klassischen repräsentationslogischen Philosophie zurückzufallen. Weil das 'Lachen' darüber hinaus eine Theorie künstlerischer Kreativität enthält, wurde Bergson mit diesem Buch zum Propheten einer ganzen Generation symbolistischer Künstler und Literaten.
Der Text wurde von Roswitha Plancherel-Walter ins Deutsche übertragen; der Band enthält im Anhang Bergsons Nachwort zur 23. Auflage von 1924.
Autorenporträt
Copyright: Aus
Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Bergson, Henri frz. Philosoph *18.10.1859, Paris, 4.1.1941 ebd. Das Lachen, 1900 Henri Bergson brach in seinen Schriften mit den Denkmustern des 19. Jahrhunderts - insbesondere dem Positivismus - und widmete sich vor allem den unmittelbar gegebenen Tatsachen des physischen und psychischen Lebens, wie etwa der subjektiven Zeit (durée). Dem Sohn eines jüdisch-polnischen Vaters und einer irischen Mutter gelang eine beeindruckende akademische, politische und literarische Karriere. Nach dem Studium der Philosophie an der Ecole Normale Supérieure und seiner Promotion unterrichtete Bergson zunächst in der Provinz, schließlich wieder an der Ecole Normale in Paris. 1900 erhielt er einen Ruf ans Collège de France, 1914 wurde er in die Académie Française gewählt. Während des Ersten Weltkriegs als französischer Diplomat in Spanien und den USA tätig, engagierte sich Bergson in den 1920er Jahren für europäische Zusammenarbeit und Friedenspolitik. Inzwischen war er mit philosophischen Werken wie Materie und Gedächtnis (1896) und Schöpferische Entwicklung (1907) sowie seinem zentralen Konzept des élan vital (Lebenstrieb) nicht nur zum wichtigsten Philosophen Frankreichs, sondern zu einer zentralen Figur der europäischen "Lebensphilosophie" geworden. Seine Schriften haben weit über die Schulphilosophie hinaus - etwa auf Künstler und Schriftsteller wie Marcel R Proust - gewirkt und wurden auch in Deutschland intensiv wahrgenommen. 1927 erhielt Bergson den Nobelpreis für Literatur.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.