Germaine Chaze ist ein einfacher Mann. Er lebt in einem Wohnwagen inmitten seines Gemüsegartens, den er liebevoll pflegt. Im Haus nebenan lebt seine Mutter - eine verlebte und boshafte alte Frau, die ihrem Sohn zeitlebens das Gefühl gegeben hat, ein Klotz an ihrem Bein zu sein.
Chaze hat keinen Schulabschluss und gilt als tumber Geselle, aber dennoch wird er in der Dorfgemeinschaft akzeptiert und von der Busfahrerin Annette zärtlich geliebt.
Im Park macht er die Bekanntschaft von Margueritte, einer alten, kultivierten Dame, die - wie er - mit den Tauben spricht. Die beiden kommen ins Gespräch und sind trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft auf einer Wellenlänge.
So beginnt eine platonische Liebe, die von den Geschichten, die Margueritte ihrem Freund vorliest, getragen wird.
Während ihrer Parkbankstunden herrscht ein besonderes Einvernehmen zwischen diesen beiden Menschen. Germaine, der kaum lesen und schreiben kann, begreift die literarischen Nachhilfestunden mit dem Herzen. Seine Freundin wiederum nimmt Germaine so wie er ist: Niemals ist sie belehrend und sie lobt sein besonderes auditives Gedächtnis. Sie vermittelt sich ihm mit den einfachen Worten, die er versteht. Allmählich vollzieht sich eine Wandlung im Leben des Arbeiters, die auch seinem Umfeld nicht verborgen bleibt...
Germaines Rolle ist dem französischen Vollblutdarsteller Gerard Depardieu auf den Leib geschneidert und sein weibliches Pendant Gisele Casadesus mimt die Rolle der Margueritte auf liebenswerte und authentische Art und Weise.
Wer jedoch bei dieser Romanverfilmung eine Art Fortsetzung von einem älter gewordenen Traumpaar aus dem Kultfilm "Harold and Maude" vermutet, wird enttäuscht sein.
Der Film ist zweifelsohne sehr schön und gelungen, aber ihm fehlt eindeutig das Format zum Filmklassiker.
Dazu ist die Geschichte - trotz glänzend aufgelegter Schauspieler - ein wenig zu brav geraten und zudem sehr auf Hochglanz poliert worden. Fast scheint es, als sei Goldstaub auf die Bilder gelegt worden, so leuchten die Farben und Figuren in weichgezeichneten Bildern. Von den Dialogen der Protagonisten bleiben oft nur kalenderspruchartige Sätze übrig.
Durchaus gefallen haben mir die Betrachtungen zu Albert Camus weltberühmtem Buch "Die Pest" und zu Romain Garys autobiographischen Roman "Frühes Versprechen", dessen oft zitierte Sätze eines der Leitmotive des Films sind.
"Das Labyrinth der Wörter" - noch immer in vielen Programmkinos zu sehen - ist eine Hommage an die Literatur, die jeden erreichen kann, der sich für sie öffnet!
Und es ist ein Appell an die Herzensbildung, die man auch ohne akademische Abschlüsse erwerben kann.
Ein Film mit hohem Wohlfühlfaktor, der nach dem Kinobesuch für ein gutes Gefühl sorgt. Kein Film für die Ewigkeit, aber unterhaltsam und mit einer guten Botschaft.
Anschauen ist keine verschwendete Zeit!