Dieses Buch war ein Urlaubsverzweiflungskauf. Ich habe es zwar mit Historie, aber nicht mit übersinnlichem Esotherik-Gedöns. Da es recht vielversprechend klang, versuchte ich es, wurde aber enttäuscht.
Kurz zur Handlung: Ein junger Mann namens Will macht einen Urlaub in Frankreich, wo seine Familie auch ein Grundstück besitzt, und findet dort einige mysteriöse Dinge heraus. Auf dem Rückweg zu seinem Vater wird er mit dem Motorrad von der Straße abgedrängt und stirbt. Parallel dazu erfährt der Leser von Lucy, einer schwer herzkranken Patientin, die auf ein Spenderherz wartet. Zufälligerweise ist einer ihrer behandelnden Ärzte der Bruder von Will. Aus der medizinischen Beziehung wird eine persönliche.
Eine christliche Sekte, die fest an die Rückkehr von Jesus sowie der damit verbunden Entrückung überzeugt ist, ist hinter den Geheimnissen und diversen Dokumenten her, die Will entdeckt hat. Sie erhoffen sich, aus alten Dokumenten zu erfahren, wann Jesus auf die Erde zurückkehrt. Wills Bruder Alex, Lucy und Alex Familie werden bedroht, unter Druck gesetzt und Lucy sogar entführt, obwohl sie alle selbst kaum etwas wissen über das Vermächtnis von Will und seiner und Alex Mutter Diana. So machen sie sich auf Spuren- und Schatzsuche und entziffern geheimnisvoll beschriebene Seiten aus dem späten 16. Jahrhundert.
Lucy wird sich selbst auch zum Rätsel. Nach der Herztransplantation stellt sie merkwürdige Veränderungen an sich fest, die ihr unerklärlich scheinen.
Wie gesagt, es klang alles ziemlich gut, wurde letztlich aber ziemlich öde. Man muss sich mit William Shakespeare, griechischer und christlicher Mythologie, der Bibel und am besten auch Numerologie gut auskennen, um den Erkenntnissen der Protagonisten, die Schlag auf Schlag kommen, folgen zu können. Gott sei Dank (ironisch gemeint) hatten alle Protagonisten vom allem Ahnung und konnten die rätselhaften Texte im Handumdrehen deuten.
Die Figuren waren sehr blass und nicht besonders gut charakterisiert. Lucy war dazu total klischeehaft und nervig. Ein ach so zarter Engel, den alle beschützen wollen, der aber ständig sich und anderen beweisen muss, wie stark er doch ist. Ich habe sie sofort gehasst.
Etwas übertrieben fand ich auch diese vielen, vielen Charakterzüge, die sie vom Spender des Herzens übernimmt. Zwar habe ich von sowas auch schon gehört und könnte mir vorstellen, dass es sowas wie ein zelluläres Gedächnis gibt, aber dieser totale Sinneswandel vom Vegetarier zum Fleischesser oder vom Nicht-Musiker zum Klavierspieler oder all diese Dinge, die sie plötzlich weiß ... Das war mir doch zu viel des Guten.
Merkwürdig erschien mir auch Calvin, der Cousin von Alex und Will, der eigentlich ein Anhänger dieser christlichen Sekte ist. Doch just in dem Moment, in dem der Leser von seiner Mittäterschaft erfährt, bekommt er einen Sinneswandel und mag lieber auf die Seite der Guten wechseln. Die Autorin versuchte zwar, seine Gesinnung etwas zweideutig wirken zu lassen, aber es gelang ihr überhaupt nicht.
Ich muss gestehen, dass ich nun nicht mal wirklich eine Lösung erkannt habe. Was es nun mit der Kiste und dem Inhalt am Schluss auf sich hat, weiß ich auch nicht. Na ja, interessiert mich aber auch nicht sonderlich.
Sprachlich war das Buch teilweise ziemlich lächerlich und enthielt relativ häufig Grammatik- und Rechtschreibfehler.
Fazit: Einen Stern muss man geben. Den zweiten gebe ich dazu, weil die Idee ziemlich vielseitig und umfangreich ist sowie für die Faksimile-Seiten im hinteren Teil, die man raustrennen kann (was ich nicht getan habe) um die hinterlassenen Manuskriptseiten von John Dee zu untersuchen und mitzurätseln. Von außen sieht das Buch ganz hübsch aus. Wird wohl noch eine Weile bei mir einstauben dürfen und dann irgendwann verkauft.