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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
38 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein leidenschaftliches und literarisch hochwertiges Plädoyer für die Toleranz,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Das Löwenmädchen (Gebundene Ausgabe)
Der norwegische Schriftsteller Erik Fosnes Hansen wurde 1965 in New York geboren. Aufgewachsen ist er in Oslo, wo er heute auch lebt und arbeitet. Schon sein erster, mit 18 Jahren geschriebener und in Deutschland noch wenig beachteter Roman "Falkenturm" wurde von der norwegischen Kritik und auch von der in den anderen Ländern , in denen er erschien als ein literarisches Ereignis ganz besonderer Klasse gewürdigt.Der große Durchbruch gelang Erik Fosnes Hansen mit dem 1990 erschienenen Roman "Choral am Ende der Reise", in dem er die letzten Stunden auf der 1914 untergegangenen Titanic beschrieb. Schon damals beeindruckten neben genauester Recherche die außerordentliche Komposition und die sprachliche Qualität des Buches. Ich habe es seit dieser Zeit mehrmals gelesen, und war jedes Mal aufs Neue begeistert von den bewegenden Lebensgeschichten der dort vorgestellten Musiker. In seinem neuen Buch "Das Löwenmädchen" erzählt Hansen vom Schicksal einer Außenseiterin. Es ist eine Geschichte aus weiter Vergangenheit, ungefähr zur selben Zeit angesiedelt wie seine Titanic-Geschichte und doch ist seine traurige Botschaft aktuell wie nie zuvor: Wer vom gesellschaftlichen Ideal abweicht , wird ausgeschlossen, auf die eine oder andere Art und Weise. "Das Löwenmädchen" ist die Geschichte eines Mädchens, das auf eine ganze besondere Weise ins Leben kommt. In einer kalten Winternacht des Jahres 1912 bekommt Ruth Arctander, die schwangere Frau des Stationsmeisters Arctander nach einem Sturz auf der glatten Straße zu früh ihre Tochter und verliert dabei ihr eigenes Leben. Die Menschen die sich bei der Geburt um die Frau kümmern, stellen mit Entsetzen fest, dass das neugeborene Mädchen auf ihrem ganzen Körper mit Haaren bedeckt ist. Nach einiger Zeit der bangen Hoffnung, dass sich das geben würde, müssen der Vater des Mädchens und die Verwandten feststellen, dass die Behaarung nicht verschwindet und offenbar angeboren ist. Gendefekt - würde man heute sagen. Der Vater, als alter Hagestolz hatte er erst sehr spät geheiratet und war mit seiner Frau Ruth sehr glücklich, muss nun zwei Schicksalsschläge verkraften. Den Tod seiner Frau und die Missgestalt seiner Tochter, die den Namen Eva erhält. Hansen schildert eindrucksvoll, wie die Dorfbevölkerung auf das Mädchen reagiert, und löst beim Leser ganz unterschiedliche Gedanken und tiefes Mitgefühl aus. Er fängt dabei die Atmosphäre des Dorfes ein, in dem wie selbstverständlich der Arzt, der Apotheker und der Pfarrer wenig rühmliche Hauptrollen spielen. Eva freundet sich mit einem Mitarbeiter ihres Vaters an, der als Funker auf der Station arbeitet. Bei ihm lernt die das Morsealphabet und gelangt so ein wenig in die Welt hinein, von der sie ihr Vater und die Gesellschaft von Geburt an so weit wie möglich abgeschottet halten. Durch seine Komposition des Buches, mit Einschüben von Szenen aus dem Circus zum Beispiel, wo solche Menschen wie das Löwenmädchen zur Schau gestellt werden, gelingt es Erik Fosnes Hansen beispielhaft, bei seinem Leser eine tiefe Betroffenheit und ein großes Mitgefühl mit all diesen Menschen damals und heute herzustellen, die durch ihr Anderssein auffallen und deswegen auf die eine oder andere, subtile oder mehr offensichtliche Art ausgesondert und kaltgestellt werden. Ein leidenschaftliches und literarisch hochwertiges Plädoyer für die Toleranz. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kaum Momente der Geborgenheit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Löwenmädchen (Gebundene Ausgabe)
"Momente der Geborgenheit" vom selben Autor war für mich ein herausragendes Buch. Doch so erhebend die Lektüre jenes Buches war, so bedrückend empfand ich die des Löwenmädchens. Man sollte also keine "Momente der Geborgenheit, Teil 2" erwarten. Geschrieben ist das Buch wieder in einer schönen Sprache, wobei ich auch die überdurchschnittlich gute Übersetzung hervorheben möchte. (Da verzeiht man es dann gerne, dass an einer Stelle der Schaffner eine Flöte im Mund hat, wo vermutlich eigentlich eine Trillerpfeife sein sollte.)
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32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Außenseitertum als Lebensaufgabe,
Rezension bezieht sich auf: Das Löwenmädchen (Gebundene Ausgabe)
Erik Fosnes Hansen Das LöwenmädchenKiepenheuer&Witsch ISBN 3462039733 Ruth Arctander bekommt in einer kalten Nacht nach einem Sturz auf einer winterlich glatten Strasse verfrüht ihre Tochter und stirbt dabei. Zum Entsetzen aller Anwesenden, die sich um die Gebärende kümmern, ist das Kind über und über mit Haaren bedeckt. Denkt man zunächst noch an eine vorübergehende Erscheinung, die sich geben wird, stellt sich allmählich heraus, dass das Kind an einem sehr seltenen Gendefekt leidet, der unabänderlich ist. Kann man sich vorstellen wie es dem armen Vater nach der Geburt und dem Verlust seiner Frau geht? Gleich zwei schwere Schicksalsschläge muß er hinnehmen. Er war ein alter Hagestolz. Niemand rechnete damit, dass er noch eine junge Frau finden und heiraten würde. Nun hat er sein kurzes Glück verloren und sieht sich mit einem seltsamen Kind konfrontiert. Mit einer Vorstellung wie in einem Circus beginnt die sonderbare Geschichte von dem Mädchen, das den Namen Eva erhält. Wie in einem Circus fühlt sie sich, wenn sie unter Menschen kommt. Von Fremden wird sie angestarrt, von Kindern bei Gelegenheit verhöhnt; die Presse bringt ihre Geschichte und die Wissenschaft ist ob der Seltenheit der Erscheinung aufs höchste interessiert. Zu der Geschichte gehört die Welt um 1912 in einem Dorf in Norwegen. Arctander ist Stationsmeister, korrekt und streng. Zu seinen Mitarbeitern gehört ein Funker, der Nachrichten auffängt und bei Bedarf in die Welt schickt. Bei ihm, der ohne Vorurteile ist, lernt Eva das Morsen und beginnt, ein wenig von der Weite der Welt zu ahnen. Erik Fosnes Hansen hat sich eines ungewöhnlichen Themas angenommen. Dabei ist die Geburtsanomalie die Folie, auf der uns der Autor ein Leben als Außenseiter spiegelt. Wie mag sich ein Mensch fühlen, der verurteilt ist, abgeschottet von Gleichaltrigen zu leben? Ein Kind noch, das seine eigene Innenwelt entwickelt, aus der es die Außenwelt betrachtet. Exemplarisch läßt der Autor die Einsamkeit fühlbar werden und spiegelt den Zorn, wenn das Alleinsein zur Qual wird! Uns macht befangen und nachdenklich, die eigene Unzulänglichkeit zu spüren, mit der wir Außenseitern begegnen. Hansen fängt die Atmosphäre eines Dorfes mit Arzt, Apotheker und der Kirche ein. Jeder kennt jeden, und eine freundliche kleine Welt wird uns beschrieben. Der Mirkokosmos ist perfekt. Dass die Frau des Apothekers und der Arzt sich des Witwers und seiner Tochter helfend annehmen, zeugt von dem wohlwollenden Klima der Menschen. Eva jedoch muß sich den Weg in die Freiheit erst noch bahnen! Wie eine Frau sich in der Welt zurechtfindet, in der sie von allen Seiten alleine gelassen bleibt, das schildert dieser Roman vorbildlich. Ohne eine gewisse Beklemmung liest man das Buch nicht. Gleichnisse aus der Bibel werden eingeschoben, und die Icherzählerin spricht einmal in der Ichform, um dann wieder einem Erzähler zu weichen, der sich über die Protagonistin auslässt. Vom Circus, der außergewöhnliche Menschen zur Schau stellt, bis zum Zoo werden Beispiele zitiert, in denen Lebewesen, welcher Art auch immer, ihrer Würde beraubt in herabsetzender Weise behandelt werden. Verlogenheit der Wissenschaften, Verführung und Eigennutz sind allenthalben spürbar. Die Hilflosigkeit eines Vaters mit einer Situation, die ihn überfordert, wird feinfühlig abgebildet. Hansen ist mit vorbildlichem Einfühlungsvermögen an ein schwieriges Thema herangegangen. Er nimmt sich Themen von außergewöhnlicher Brisanz an. In Zeiten der Globalisierung und der im Wandel befindlichen Annäherung von verschiedenen Arten der Spezies Mensch ist das Löwenmädchen als exemplarisches Beispiel abgehandelt worden. Der aufmerksame Leser wird anhand dieser Lektüre über Toleranz nachdenken. Fosnes Hansen wurde berühmt mit seinem Buch < Choral am Ende der Reise>, einer Hommage an die Musiker der Titanic, mit der sie 1914 untergingen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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