Die Parallelen zwischen Pia Blum und der CSU-Politikerin Gabriele Pauli sind recht offensichtlich, aber natürlich taugen die reinen Tatsachen nicht zu einem Krimi, weshalb der Autor eine interessante und packende Story rund um die fiktive Pia Blum gewoben hat, deren Name vielleicht auf "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" anspielt, zumal auch Pia Blums Vorgeschichte von einer großen Boulevardzeitung ausgeschlachtet wird. Nicht aber von der Zeitung, bei der Frank Litzka arbeitet, denn die designierte Chefredakteurin unterbindet dies, wie bereits erwähnt, sehr zur Überraschung ihrer Mitarbeiter.
Die Gründe hierzu stellen nur einen Zugang zu einem scheinbar unübersichtlichen Labyrinth dar, dem sich verschiedene Akteure innerhalb des Romans aus mehreren Richtungen annähern. Anders ausgedrückt, es gibt eine Vielzahl von einander ablösenden Handlungssträngen, die sich mehr und mehr ineinander verweben, gelegentlich auch wieder trennen, und eine vor allem eingangs nicht ganz überschaubare Fülle an Charakteren, denn jeder der Protagonisten lebt mehr oder weniger in einer Beziehung, die ebenfalls Teil des Romans wird. Dies ist dann auch der einzige Kritikpunkt für das Werk: Es dauert relativ lange, bis man sich im Gewirr der auf- und abtretenden Personen zurechtfindet, und ähnlich schwierig gestaltet sich das Nachvollziehen der raschen Szenen- und Perspektivwechsel. Nicht immer leistet dieses Vorgehen einen positiven Beitrag zur Spannungsentwicklung.
Insgesamt ist der Krimi jedoch ausgesprochen gut und schlüssig konzipiert, alle "Rätsel" lösen sich auf und sind logisch nachvollziehbar, die Story entwickelt sich rasch voran und erhält immer wieder packende Neuimpulse.
Die Charaktere wirken authentisch und sind, sofern das ins Konzept passt, sympathisch trotz diverser Ecken und Kanten ' oder ausgesprochen unsympathisch. Auch etwas Sozialkritik fehlt nicht.
Es macht Spaß, diesen Krimi zu lesen, auch wenn man nicht aus Bayern kommt; und wenn man erst einmal den roten Faden entdeckt und die Charaktere auseinandersortiert hat, fällt es schwer, das Buch vor der Lektüre der letzten Seite aus der Hand zu legen.