Der Dalai Lama als Friedensbotschafter des Buddhismus ist uns allen geläufig. Aber dieses Buch öffnet den Blick für Hintergründe, die wohl eher als Abgründe einer archaischen Religion zu bezeichnen sind. Kriegerische Mönchsheere, rituelle Sexualmagie, okkulter Schadzauber, Mord und dämonenbesessene Orakel, nach denen der jetzige Dalai Lama seine Agenda plant - das ist dicke Post und zeigt, dass der tibetische Buddhismus dem westeuropäischen Leser wenig bekannt ist. Und der Buddhismus wohl doch nicht ganz so friedliebend ist, wie er immer dargestellt wird. Noch ernüchternder wird die Bilanz, wenn es um die Rolle der Frau im linkshändigen Weg geht. Die gut recherchierten Hinweise und aktuellen Interviews mit direkt Betroffenen machen deutlich, dass hier kein religiöser Futterneider am Werk war, sondern jemand, der selber - wie es im Text heisst - "aus allen Wolken gefallen ist", nachdem er sich mit dem diamantenen Weg und dem Kalachakra auseinandergesetzt hatte. Ausgelöst durch eine Tibet-Ausstellung in Basel. Fragt sich nur, wie der Dalai Lama den Spagat zwischen eloquenter westkonformer Präsentation und finsterster mittelalterlicher Sexualmagie schafft. Sollten die Fakten tatsächlich stimmen, müssen eine Menge Dinge hinterfragt werden. Waldvogel-Frei hat einen spannenden und sachlich formulierten Beitrag geliefert, der überrascht. Das Buch ist allerdings keine appetitliche Lektüre und nur für gute Nerven geeignte. Es verwundert nicht, dass die Reaktionen auf das Buch kontrovers auseinandergehen. Auf jeden Fall lesenswert, auch wenn man sich da und dort etwas mehr Stringenz gewünscht hätte.