Das Spiel Azad: Jearnau Gurgeh ist ein Spieler. Spiele sind sein alleiniger Lebensinhalt. Deshalb stürzt er in eine leichte Krise, als er allmählich merkt, dass er seine Grenzen praktisch ausgelotet hat und neue Reize Mangelware sind. Da tritt Kontakt in Erscheinung und bietet ihm eine anscheinend unwiderstehliche Mission an: In einem fremden Sternenreich, das nur ansatzweise über die Kultur Bescheid weiß, an dem wohl komplexesten Spiel teilzunehmen, das es jemals gegeben hat. Gurgeh sagt zu, und so tritt er als „Fremdweltler" im Imperium von Azad zum Spiel an. Doch je weiter er spielt, desto mehr merkt er, dass etwas nicht stimmt im Imperium...
An diesem Roman gibt es nicht viel auszusetzen; rundum gelungene Handwerkskunst, wie man es von Banks gewohnt sein sollte. Der interessanteste und wichtigste Aspekt des Buches ist indes das Imperium von Azad selbst. Man betrachtet es durch die Augen von Gurgeh und erfährt in wunderbar erzählter, episodenhafter Weise immer mehr Eigenarten, die mehr und mehr erschrecken, je mehr einem Banks Blicke hinter die blanke Fassade des Imperiums erlaubt. Die Tatsache, dass das Spiel selbst ein nahezu genaues Abbild der Azad'schen Gesellschaft zu sein scheint, macht dabei auch einen wichtigen und originellen Reiz des Buches aus. Gelungen ist auch Gurgehs charakterliche Entwicklung, die nicht allzu offensichtlich ist, jedoch umso überzeugender wirkt. Insgesamt ist das Buch für Banks'sche Verhältnisse auch ungewohnt flüssig zu lesen und sehr prägnant.
Natürlich darf auch in diesem Roman ein typisch Banks'sches Verwirrspiel nicht fehlen; so offenbart das Ende (mal wieder) einige Überraschungen, die man vielleicht geahnt, jedoch keinesfalls gewusst hätte. Auch die Kultur selbst bleibt hier mal wieder nicht ungeschoren.
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Einsatz der Waffen: Auch die Kultur hat ihre Grenzen, insbesondere Kontakt und BG, der Geheimdienst der Kultur. So lässt man die richtig schmutzige Arbeit gerne andere erledigen. Hier geht es nun einmal mehr darum, unerkannt Einfluss auf das Schicksal einer anderen Zivilisation zu nehmen. Für solche Missionen stand Cheradenine Zakalwe bereits mehrfach zur Verfügung und nun soll er sich im Auftrag von BG erneut auf eine fremde Welt begeben. - Parallel dazu erzählt Banks Abschnitte aus Zakalwes früheren Missionen, von denen kaum eine ohne größere Komplikationen ablief und über die man immer mehr in Zakalwes Charakter blicken kann.
Der ungewöhnliche Aufbau des Buches - der eine von beiden Erzählsträngen läuft rückwärts! - ist anfangs sehr verwirrend. Zudem trifft man häufig auf Andeutungen, die man erst versteht, wenn im nächsten Kapitel der jeweils andere Erzählstrang weiterläuft. Das Buch ist somit keineswegs einfach zu lesen, da man keine zwei Seiten die Konzentration verlieren darf und man häufiger mal zurückblättern muss um nicht den Faden zu verlieren. Wenn man jedoch durchhält, deckt man mehr und mehr die Abgründe von Zakalwes Charakter auf und wird von Banks Erzählweise geradezu eingesogen. Am Ende geht alles dann ziemlich schnell, man stürzt förmlich von einer erschreckenden Erkenntnis in die nächste und wenn es dann vorbei ist, braucht man erst mal eine Weile um das Buch im Ganzen „verdauen" zu können. Allein dafür lohnt sich jedoch der ganze Aufwand schon. Im Prinzip muss man das Buch gleich noch einmal durchlesen, nur um sicherzugehen, dass man es auch wirklich verstanden hat.
Das gesamte Buch wirft indes ein extrem rabenschwarzes Licht auf die Machenschaften von BG. Banks beeindruckt durch eine erdrückende, dichte Atmosphäre und bittere Ironie, angefangen bei den (körperlichen und seelischen) Schäden, die Zakalwe auf seinen Missionen davonträgt, bis hin zu den Stellen, an denen einem die Skrupellosigkeit von BG und ihrer Agentin den Atem verschlägt. Keine leichte Kost, aber vielleicht Banks' genialstes Werk überhaupt!
Fazit: Zwei bis dato vergriffene, jedoch herausragende Banks-Werke in einem Band. Unbedingt empfehlenswert für alle, die mit Banks Extravaganz zurechtkommen. (Persönliche Wertung: 80% / 85%)