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Berlings neuestes Werk ist nicht nur kürzer ausgefallen, als jeder einzelne Teil seiner Grals-Tetralogie, sondern auch viel nüchterner, gänzlich ohne Mystik, gehalten.
Das bei seinem Gralsepos und dessen Vorgeschichten (Franzikus & Ketzerin), erforderliche, und recht beschwerliche parallele Lesen von Romanstory und Anmerkungen entfällt.
Trotz des kleineren und deshalb übersichtlicheren Kreises der Akteure ist es ihm auch diesmal wieder gelungen, historische Personen nahtlos und homogen mit seinen Kunstfiguren
in die Romanhandlung zu weben.
"Das Kreuz der Kinder" ist weniger opulent geraten und deshalb auch für "historisch weniger fanatische" Leser leichter verdaulich. Trotz aller Abspeckungen verfügt Berling's neues Werk nicht nur über einen hohen Unterhaltungswert, sondern über einen ebenso großen geschichtlichen Nährwert.
Der als "Berling-Light" zu bezeichnende Roman ist Einsteigern in das mittelalterliche Grals-Szenario des Autors, als auch eingefleischten "Berling Hard & Heavy-Fans", die ihn sicherlich sofort nach ihnen bereits bekannten Romanfiguren durchforsten werden, gleichermaßen empfohlen.....
Auch dieses Werk ist geradezu vorbildlich mit allem ausgestattet, was man eigentlich als Standard von jedem historischen Roman erwarten sollte:
2 farbige Karten (Mahdia und Europa), Übersicht der Akteure, nach deren Herkunft gegliedert (Dramatis Personae), Lesezeichen mit Aufdruck der Protagonisten und ein Nachwort zur historischen Lage zu Beginn des 13. Jahrhunderts.
Der abschließenden Überlegung Berlings kommt auch in der heutigen Zeit, vor dem Hintergrund des Nahostkonfliktes und der Konfrontation der Religionen, eine höchst aktuelle Bedeutung zu:
Was mit der naiven und idealistisch-wahnwitzigen Idee des Kinderkreuzzuges eine neue Dimension erreichte, sollte schließlich zur Realpolitik des Staufers Friedrich II. führen, dem im Jahre 1229 Jerusalem per Vertrag von Sultan El-Kamil übergeben wurde.
(Wohl einmalig in der über dreitausenjährigen Geschichte der heiligen Stadt !!!)
Zuvor und auch danach, auf fünf sogenannten Kreuzzügen und anderen militärischen Operationen mit hohem Blutzoll, konnte nicht erreicht werden, was dem "Stupor Mundi" und dem "Amir-al-Mumin" auf rationale und friedliche Weise, auch gegen die Widerstände von ebenso dogmatischen, wie egoistischen Fanatikern in beiden Lagern, gelang.
Alles zusammen genommen ergibt die Höchstwertung (5 Sterne) für das neue Werk des "Großmeisters des Mittelalterromans", der damit seinem "Grals-Kosmos" auf 7 Teile erweitert hat.
Warum sind diese Jugendlichen in solchen Massen aufgebrochen und wie die Lämmer zur Schlachtbank gegangen? Wer hat sie betrogen? Was hat es mit dem Ring Friedrichs II auf sich? Welche Beziehung besteht zwischen der fertiggestellten Chronik und den Verhandlungen zwischen Kaiser und Sultan betreffs seines geplanten Kreuzzugs?
Das sind die Fragen, mit denen sich der Roman beschäftigt.
Erzählt wird er in zwei Zeitebenen, jene des Erzählens in Mahdia 1221, und die des Erlebens während der Kreuzzüge 1212. Man muß recht genau aufpassen, wer wann spricht und handelt. Daß das dramatis personae kürzer ist als man das von Berling gewöhnt ist, ist in dem Fall kein Fehler.
Für Berling-Fans enttäuschend mag sein, daß sein berühmt-berüchtigter seitenlanger historischer Anhang mit einer schönen Mischung aus Fakt und Fiktion fehlt. Es gibt nur einen ganz kurzen politischen und gesellschaftlichen Überblick.
Aber das macht das Buch zur idealen Einstiegsdroge für künftige Berling-Fans. Es ist immer Platz für einen mehr!
Berling + Mittelalter = grenzgenial. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.
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