Nicht weniger wollte Dirigent Andrei Filipov(Aleksei Guskov) am 12.06.1980 im Moskauer Bolschoi Theater mit seinem Tschaikowski-Konzert erreichen. Aber die Vorstellung wurde vom KGB-Mitarbeiter Gavrilov(Valeriy Barinov) abgebrochen und Filipov, der sich zuvor weigerte israelische Musiker aus dem Ensemble zu entfernen, wurde zur Putzkolonne des Theaters abkommandiert. 30 Jahre lang träumte Filipov davon, dass sich die Chance ergeben würde, das Konzert zu Ende zu spielen. Ob das funktioniert? Dazu gleich mehr.
Was Filipov in der Musik anstrebt hat Regiseur (Radu Mihaileanu), meines Erachtens im Medium Film geschafft: Die vollkommene Harmonie! Wer keine Lobeshymnen verträgt, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Also...wo soll ich anfangen?
"Ich werde dich Morgen verlassen...wenn Du nicht nach Paris gehst." Eine klare Ansage von Irina(Anna Kamenkova), der Ehefrau von Andrei Filipov. Aber die Entscheidung fällt schwer. Andrei hat, während seiner Putzarbeiten im Büro des Bolschoi Theaters ein Fax aus Paris abgefangen. Das Theater Chatelet in Paris bittet um ein Orchester des Bolschoi. Ein amerikanisches Orchester hat abgesagt und man will die Lücke füllen. Andre wittert seine Chance. Er löscht den Eingang im Faxgerät und macht sich auf die Suche nach seinen Musikern, die so wie er, vor 30 Jahren in Ungnade fielen. Dabei läuft nichts ohne die Unterstützung des Cellisten Sasha Grossmann(Dmitri Nazarov). Schnell merken die beiden Männer, dass sie einen Manager brauchen. Da sie nur den verhassten Gavrilov kennen, sprechen sie ihn an. Der macht tatsächlich mit. Nach einigen getürkten Telefonaten ist der Deal perfekt. Knapp 60 Musiker, die seit 30 Jahren nicht mehr miteinander gespielt haben, fliegen nach Paris. Dort fallen sie ein wie die Vandalen. Die Moskauer mögen Musiker sein, bemerkbar macht sich das nicht. Als der chaotische Haufen nicht zur Probe erscheint, sagt Andrei lapidar: "Die Russen proben nicht!" Zu dem Konzert wird die französische Spitzenviolinistin Anne-Marie Jaquet(Melanie Laurent) als Solistin engagiert. Sie kommt zunächst mit den russischen Musikern nicht zurecht, spürt dann aber, dass ein nicht erklärbarer Zauber in diesem chaotischen Haufen steckt. Sie merkt ebenfalls, dass irgend etwas mit Filipov nicht stimmt, aber was...?
So kommt es zum Konzert, obwohl: Das Bolschoi von der Täuschung erfährt, Gavrilov und Filipov noch ganz andere Beweggründe haben als das Konzert, die Musiker anscheinend spurlos in Paris verschwunden sind, und die Fingerfertigkeit der ehemaligen Bolschoi Musiker doch sicher gelitten hat. Aber: Schauen und hören sie sich an, was dabei herauskommt...
-Das Konzert- ist wunderbare Unterhaltung von der ersten Minute an. Die Geschichte, die Mihaileanu mit leichter Hand spielerisch auf Zelluloid gebannt hat, ist so ergreifend wie rührend und komisch zugleich. Egal, ob die Konzerttruppe kurz vor dem Flug 60 gefälschte Pässe braucht, oder Sasha mit seinem alten Krankenwagen über die Moskauer Straßen tuckert; da stimmt einfach jede Einstellung. Zudem schafft Mihaileanu es mit geschickten Zeitblenden die Vergangenheit und die Gegenwart zusammen zu führen. Es gibt Hunderte von kleinen Bonmots im Drehbuch, die von den agierenden Schauspielern perfekt umgesetzt werden. Vor allem Dmitri Nazarov, Aleksei Guskov und Melanie Laurent möchte ich mit ihren Leistungen herausheben, obwohl das bei diesem starken Schauspieleraufgebot schwer fällt.
Okay...wenn sie sich informieren, werden sie feststellen, dass bei weitem nicht alle Kritiker -Das Konzert- so sehen wie ich. Aber die Geschmäcker sind halt verschieden. Mich hat der Film tief berührt und fantastisch unterhalten. Wenn der Ex KGB-Sekretär am Ende des Films glaubt, dass es wirklich einen Gott gibt und Aleksei Filipov seinen zerbrochenen Taktstock in die Hände nimmt, dann ist das, jedenfalls für mich, Gefühlskino in Reinform. Dazu gibt es 15 Schlussminuten mit der Musik Tschaikowskis, die einzigartig gelungen sind. Auf diese fantastsiche Art und Weise habe ich die Darstellung von klassischer Musik im Film selten gesehen. Dabei bin ich alles andere als ein Klassik-Fan.
Mögen also auch andere Kritiker kommen und von Kitsch und Banalität reden, für mich ist der Fall trotzdem klar: -Das Konzert- ist hervorragendes Kino, das den Zuschauer knapp zwei Stunden lang gefangen nimmt. Es geht um Liebe, pure Lebensfreude, Erfüllung, Träume, Vergebung und Musik. Dieser Mix und seine schauspielerische Darbietung heben -Das Konzert- aus dem "Film-Mittelmaß" ganz weit heraus.