Die Reihe habe ich gekauft, da ich vor etlichen Jahren Kays ¥Herren von Fionavar“-Triologie gelesen habe, und zwar begeistert. Außerdem ist die Idee, ein phantastisches Gegenstück zum byzantinischen Reich zu entwickeln eine angenehme Abwechslung inmitten der typischen Fantasywelten, die einem sonst so serviert werden.
------- Meine Bewertung bezieht sich auf Band 1+2 (im Original ein Band) -------
Die Geschichte ist perfekt kalkuliert, gleichmäßiges Tempo, keine Längen und an den richtigen Stellen eine Prise Überraschung. Es macht Spaß, beim Lesen die ¥historische Grundlage“ zu entdecken (Trakesien = Griechenland, Atae = Goten, etc.) und wie geschickt Kay das Fiktive damit verknüpft.
Wie es zur Zeit angesagt ist, werden eine Vielzahl von Charakteren kreiert und aus deren Blickwinkeln erzählt. Hauptfigur ist natürlich der Mosaikleger Crispin, der einer schönen, intelligenten Frau nach der anderen begegnet und gleich nach seiner Ankunft in Sarantium innerhalb von 48 Stunden alles vor den Latz geknallt bekommt, was das höfische Leben an Persönlichkeiten und Intrigen zu bieten hat. (Nicht zu mager aufgetragen ;-)
Die Charaktere der Hauptpersonen sind nicht allzu spannend. Alle sind wortgewand und/oder clever (die Dialoge sind herrlich - aber die Quantität der geistreichen Damen und anderer Protagonisten läßt die Profile oberflächlich bleiben). Sorgsam konstruiert, aber nicht liebevoll angelegt.
Das Jargon ist gelgentlich ziemlich derbe, was okay ist, solange es den Blickwinkel einer (derben) Figur zugeordnet ist. Kay schleppt den Sprachstil jedoch teilweise ein paar Abschnitte weiter mit, in ¥neutrales“ Erzählgebiet und verwässert damit den Charkater seines Schreibstils und das der Figur.
Einmal verfällt er sogar in die Gegenwartsform. Hier will er (warum auch immer im Präsens) einen Abschnitt aus Sicht des Kaisers beschreiben - bleibt in der Art aber der generelle Erzähler und vertut hier die Möglichkeit dem Kaiser durch eine eigenen Erzählstil echtes Profil zu geben (und verwirrt den Leser nur durch den ¥Zeitsprung“).
Auch voll im Trend: Minimalismus bei den klassischen Fantasyzutaten. Ein bißchen mythische alte Relegion, die ebenso eine Randfigur in dieser Fülle von Personen ist, wie der Kurier Tiliticus. Ist mir persönlich zu wenig geraten - man vermißt doch etwas den epischen roten Faden.
Alles in allem fast zu perfekt, zu glatt, aber trotzdem absolute Oberliga.
Positiv ist übrigens die Coverillustrationen, die zum Glück nicht so übel ist wie bei vielen anderen Kandidaten. Heyne hat jedoch leider auch hier wieder aus einem Originalband zwei deutsche Bände gebastelt und dafür die Schriftgröße auch für Altersichtige kompatibel gemacht... Für diese Abzocke gibt standardmäßig einen Stern Abzug.