Seit Art Spiegelmans 'Maus' ist die Verarbeitung von seriösen Themen in Comicform, insbesondere des Holocausts, weitgehend salonfähig geworden. Will Eisner knüpft mit 'Das Komplott' unmittelbar daran an, in dem er sich der Geschichte der 'Protokolle der Weisen von Zion' annimmt.
Dieses antisemitische Pamphlet, das die angeblichen Weltherrschaftspläne der Juden offen legt, gehört zu den hartnäckigsten Lügen aller Zeiten.
Nicht nur die Nazis zitierten aus den "Protokollen" um ihre Vernichtungspolitik zu rechtfertigen, bereits der russische Zar Nikolaus II. las sie mit großem Interesse, und auch in vielen fundamentalistisch-muslimischen Statten findet das Buch bis heute große Verbreitung.
Unzählige Male wurde das Buch von offizieller Seite als Fälschung enttarnt, doch selbst die stichhaltigsten Beweise, konnten die Lüge nicht zusammenbrechen lassen: In den hundert Jahren nach ihrer ersten Veröffentlichung wurden die "Protokolle" in allen Sprachen der Welt übersetzt und sind ohne großen Aufwand im Internet zu bekommen.
Das Thema ist also durchaus interessant und verdient eine nähere Betrachtung. Doch damit stößt "Das Komplott" bereits an seine Grenzen. Eine nähere Betrachtung findet nämlich nicht statt. Bereits im Vorwort kommt Umberto Eco nicht über die eingebürgerten Floskeln hinaus ("Es sind nicht die "Protokolle", die zu Antisemitismus führen, sondern es ist der große Wunsch der Menschen nach einem klaren Feindbild, der sie dazu bringt, an die Protokolle zu glauben") und auch Will Eisners Auseinandersetzung mit seinem brisanten Thema liefert nur das Notwendigste. Der Zeitraum des Buches umfasst über hundert Jahre, beginnt im Jahre 1878 und endet in der Gegenwart. Natürlich kann man bei einer so breit ausgelegten Geschichte keine eindeutige Hauptfigur benennen, trotzdem hätte dem Comic ein roter Faden sehr gut getan.
Kaum sind die näheren Umstände, unter denen die "Protokolle" entstanden geklärt, hat man die Mitte des Buches bereits passiert, und die Handlung reduziert sich auf das sich abwechselnde Schema von Verbot und Wiederveröffentlichung des Buches. Nie lernen wir, wie die Menschen der verschiedenen Zeitepochen auf die Protokolle reagiert haben. Wie haben die Diktaturen des 20 Jahrhunderts die Protokolle eingesetzt? In welchen Ländern waren sie besonders erfolgreich? Und wie kann ein Buch das unzählige Male als Fälschung enttarnt wurde, heute noch einen solchen Einfluss ausüben? Das Komplott' hätte seinen fünffachen Umfang benötigt, um seinem Thema wirklich gerecht zu werden.
Natürlich ist es eine Herausforderung für einen Zeichner, eine Erzählung von über 100 Jahren stringent auszufüllen, aber es ist ebenso die Aufgabe eines Zeichners, diese Herausforderung zu erfüllen, wenn er sich an ein solches Thema heranwagt. Ein derart komplexes, vielschichtiges Thema, wie Antisemitismus, der noch dazu in jedem Land andere Wurzeln hat, auf nur 150 Seiten abzuhandeln, ist einfach zu dünn, noch dazu, da der Autor angeblich 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet hat.