Dass Vince Flynn gerne mit Tom Clancy in eine Waagschale geworfen wird, ist kein Wunder. Beider Thriller spielen im amerikanischen Geheimdienstumfeld, bei beiden sind die Helden charismatische Gutmenschen, die sich dem Bösen dieser Welt entgegenstellen und last but not least triefen beider Romane nur so vor Patriotismus.
Deshalb möchte ich "das Kommando" von Vince Flynn aus zwei Blickwinkel bewerten. Da ist zum einen die Handlung, der Spannungsaufbau - hier gibt es wahrlich nichts zu meckern. Die Story von der Bedrohung des Friedensprozesses im nahen Osten ist aktueller denn je. Flynn schreibt überaus kurzweilig und fesselnd und lässt seinen Helden, den CIA-Agenten Mitch Rapp von einer gefährlichen Situation in die nächste reinschliddern. Etwas aufgesetzt sind die Plänkeleien von Mitch Rapp mit seiner frisch angetrauten Frau über Sinn und und Unsinn seiner Tätigkeit. Andererseits aber nimmt sich Flynn auch Zeit, den Gegenspieler von Rapp nicht als eiskalten Killer und Attentäter zu beschreiben, sondern gibt Einblick in dessen Seele und Motivation und zeigt sogar Verständnis für ihn.
Von dieser Seite aus beleuchtet handelt es sich bei "Das Kommando" um einen sehr kurzweiligen Thriller, der sich locker unf flockig runterliest. Dafür gebe ich fünf Sterne.
Eine Katastrophe und ein echtes Ärgernis für mich sind aber die politischen und moralischen Botschaften, die Vince Flynn über die Handlung platziert. Da ist dann einerseits der teilweise unerträgliche und vollkommen unreflektierte Patriotismus für die politische Linie und die entsprechenden Interventionen der USA in Krisensituationen. Da ist sein deutliches Befürworten von Selbstjustiz im Sinne einer gerechten Sache oder zum Nutzen Amerikas. Und da ist das übergroße Machotum und der Chauvinismus, der durch einzelne Protagonisten durchklingt. Ein Stern ist da noch gut bewertet.
Von daher komme ich arithmetisch auf 3 Sterne - ein gut zu lesender und überaus unterhaltsamer Thriller, aber vor Patriotismus und zweifelhaften Aussagen triefendes Werk.