Die Pfalz hatte noch nie viel Platz für "Dollbatsche", (ungeschickte Menschen), und "Hannebambele" (dumme Menschen), dafür liebte sie aber schon immer ihre "Schnukkelschnutscher" (Süßschnäbel) und "Dibbegucker" (Topfgucker) denn der Pfälzer, der nicht arbeitet, sondern "schaffe dut", und "koi Fieß defor hot, um de Arwet aus'm Wech se gehe" (Keine Füße dafür, der Arbeit aus dem Weg zu gehen), schätzte und schätzt schon immer die leiblichen Genüsse recht hoch ein. Nicht umsonst gibt es das alte Pfälzer Sprichwort, "Wer schaffe dut, soll ach esse un drinke!" So ist die Pfälzer Küche recht abwechslungsreich, denn der neugierige und allem Guten zugetane Pfälzer hat sich so manches aus den Töpfen seiner Nachbarn abgeguckt, und es für seinen Geschmack passend zurechtgekocht, um es fortan als "Escht Pälzisch" zu betrachten. Das machte den Küchenzettel schon vor 100 Jahren sehr vielseitig, und die Rezepte sind es heute noch wert, Ihnen in diesem Buch, dem "Kochbuch aus der Pfalz", vorgestellt zu werden. Die sicher bekanntesten Pfälzer Gerichte sind zwar bestimmt der "Pfälzer Saumagen", die "Lewwerknepp", der "Dibbehas"' oder der "Handkäs", aber darüber hinaus gibt es, wie Sie selber feststellen werden, eine große Fülle alter und ältester Pfälzer Rezepte, die es wert sind, nicht in Vergessenheit zu geraten.
In der Pfalz wurden schon immer wichtige Ereignisse und besondere Festlichkeiten mit ausgewählt gutem Essen und Trinken gefeiert. Wenn wir einmal in der Pfälzer Geschichte weit zurückblättern, erfahren wir, daß zum Beispiel in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Gevattern eines Neugeborenen der Mutter folgende, eßbaren Geschenke machen mußten.
2 Hüte Zucker, 2 Pfund Korinthen, 2 Pfund Kandiszucker, 2 Pfund getrocknete Pflaumen, 2 alte Hühner, 2 Lot Muskatnüsse, (1 Lot = 16 2/3 Gramm), 1 Lot Zimmet, 1 Lot Muskatblüte und 12 Citronen.
Dazu mußte jeder Patenonkel, und es wurden bis zu zehn ausgewählt, der Wöchnerin sechsmal ein warmes Essen, sowie Torten, bringen lassen, wobei ausdrücklich vorgeschrieben war, daß diese Gerichte "vorzüglich gute" sein mußten.
Volksfeste in der Pfalz sind oft schon durch die Namensgebung direkt mit Eßgenüssen verbunden. Man denke nur zum Beispiel an das "Speyerer Brezelfest", den "Dürkheimer Wurstmarkt" oder das "Wormser Backfischfest". Im "Weinland Pfalz" wird aber zum guten Essen nicht nur Wein, sondern auch gerne Bier getrunken. Es gibt hier sogar noch Privatbrauereien, wie zum Beispiel die Sonnenbrauerei, Gebrüder Kohl, in Mainz, die schon seit 1568 in der weinseligen Pfalz das Braurecht besitzt.
So passen auch sämtliche alten Pfälzer Gerichte, die Sie in diesem Buch finden, vorzüglich zu einem kühlen Bier, auch wenn sie aus der weinfrohen Pfalz stammen. Selbstverständlich sind sehr viele Rezepte mit Wein zubereitet, und das macht sie nur noch besser. Natürlich kannte und kennt die alte Pfälzer Küche außer guten Suppen eine Vielzahl anderer Gerichte, die auch heute noch oft, und fast nicht verändert, gekocht werden. Aber immer war und ist die Pfalz auch ein "Worschtland" gewesen, und die beliebteste "Worscht" ist die "Fleeschworscht im Ring". Nicht umsonst lautet ein altes Pfälzer Sprichwort: "Worscht macht Dorscht, un Dorscht macht hungrisch!;". Und somit schließt sich, zur Zufriedenheit aller Pfälzer, und ganz bestimmt auch zu Ihrem Vergnügen, der alte Kreis vom "Esse un Trinke in de Palz".