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Das Knistern in den Sternen: Roman
 
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Das Knistern in den Sternen: Roman [Gebundene Ausgabe]

Jón K Stefanssón , Karl L Wetzig
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Eine Geschichte, die sich über vier Generationen spannt, und alles enthält, was das Leben ausmacht: die hochfliegenden Pläne der Verliebten ebenso wie die enttäuschten Hoffnungen, den Tod, der zu früh kommt. Jón Kalman Stefánsson erzählt in jenem typisch isländischen Ton, bei dem Lachen und Schmerz manchmal ein Wort voneinander entfernt sind, Wunder aber jederzeit geschehen können. KulturSpiegel Unter dem lyrischen Titel Das Knistern in den Sternen hat der isländische Erzähler Jón Kalman Stefánsson eine Familiensaga im Novellenformat geschrieben, die die Vorzüge beider Genres vereint: Tolstojsche Weitschweifigkeit und Flaubertsche Prägnanz, Brontesches Sentiment und Sternschen Humor, Stormsche Psychologie und Bernhardsche Bitterkeit. Aus Urenkel-Sicht werden die Lebensläufe mehrerer Paare erzählt, die als Liebesgeschichten beginnen und sich dann auffächern in poetische, spröde, tiefgründige, aufbrausende, strahlende Anekdoten aus einem fernen, zwischen Meer und Gletschern versteckten Land. Die Zeit Warum sollte man diesen Roman lesen? Weil Stefánsson sich auf die Kunst versteht, so zu erzählen, dass ein Wortstrom den Leser fortträgt. Weil seine Figuren glaubhaft sind, charakterstark, lebendig. Weil er Islands Landschaften mit eindrücklichem, ausserordentlich kräftigem Strich zeichnet, auch die gesichtslosen Gegenden zwischen Leben und Tod. Weil er Mut zu Pathos und Gefühl zeigt, ohne je kitschig zu werden. Weil die Sprache, diese lyrische, metaphernreiche Sprache, bei ihm zu einer eigenständigen Größe wird. Weil dies ein ungewöhnliches reifes Buch ist. Neue Zürcher Zeitung Der Junge ist die Hauptfigur in diesem wunderschönen Roman. Vielleicht ist es aber auch die Sprache, die hier im Vordergrund steht, mit ihren ungewöhnlichen Bildern und Metaphern, die wirken wie frisch gewaschen, sinnlich, unverbraucht und häufig mit einem feinen Lächeln unterlegt. Selten ist die Tragödie eines Kindes so anrührend geschildert worden Brigitte In dieser Island-Saga sucht ein Kind seine Wurzeln und findet poetische Geschichten über Kapitäne und Liebe, endlos wie das Meer. Woman Ein eindrucksvoller poetischer Roman, in dem Stefánsson universelle Themen aufgreift und sie hervorragend Sprache werden lässt. Augsburger Allgemeine Der Isländer Jón Kalman Stefánsson entwickelt mit zartem, poetisch-bildhaften Erzählton eine lockere, in sich verschachtelte Familiengeschichte. kulturnews In einer warmen, zärtlichen, lyrisch-musikalischen Bildersprache öffnet der Autor wie ein Übersetzer die Türen zu den einzelnen Welten, er erklärt, er führt behutsam und lässt Zeit zum Schauen und Erkennen, zum Genießen und Auskosten, sodass man sich bald in diesem kleinen Land als rundum satte/r Leser/-in in den Personen und Szenarien wieder und zu Hause findet. Literarische Qualität vom Feinsten. www.rezensionen.at Jón Kalman Stefánsson ist ein wortgewaltiger Schriftsteller. Sein neuer Roman ist eine Familiengeschichte über vier Generationen voller skurriler Charaktere, geprägt von karger Landschaft und Armut. Trotz Düsterkeit steckt in Stefánssons Prosa eine Herzenswärme. Facts Stefánsson ist anzumerken, dass er neben Romanen auch Gedichte schreibt: Seine Sprache ist so dicht wie faszinierend, in seiner Kindlichkeit sehr lyrisch und in den erwachsenen Passagen bildreich und komisch. Ein wunderbares Beispiel isländischer Erzählkunst. Neue Presse Dieser wunderschöne Roman lebt insbesondere von seiner ungewöhnlichen bildhaften Sprache, welche häufig mit einem feinen Lächeln unterlegt ist und die Eiszapfen wachsen hören lässt. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Kurzbeschreibung

Eine packende Familiengeschichte über vier Generationen von einem der bedeutendsten isländischen Erzähler "Eine fremde Frau kommt aus Vaters Schlafzimmer..." Der kleine Junge, der erst vor kurzem seine Mutter verloren hat, muss ein neues Wort lernen: Stiefmutter. "Jetzt bist du erledigt", sagen seine Spielkameraden, und weil Vater meist mit seiner Maurerkelle auf Baustellen unterwegs ist, flüchtet sich der Junge mit seinen Zinnsoldaten in eine märchenhafte Welt: Ganze Armeen helfen ihm, seine Einsamkeit niederzuringen. Zuwendung erfährt er von der Großmutter, die ihm abenteuerliche Geschichten von ihren Eltern erzählt: Der verwegene, einem guten Tropfen nie abgeneigte Urgroßvater war ein unsteter Abenteurer, der seine Familie mit riskanten Unternehmungen fast zugrunde gerichtet hätte. Als der sinnenfreudigen Urgroßmutter die Eskapaden ihres Mannes zu bunt wurden, begann sie sich heimlich mit einem Kapitän zu treffen. Die lyrisch-bildhaften Sprache des erwachsenen Erzählers fängt die Welt seiner Kindheit und Familie auf einfühlsame und humorvolle Weise ein. Eine Familiengeschichte, die existentielle Themen wie Liebe, Zeit und Vergänglichkeit in farbenfrohe, lebensbejahende Szenen umsetzt.

Über den Autor

Jón Kalman Stefánsson, geb. 1963, trat mit Lyrik und Romanen hervor. Bevor er Literaturwissenschaft an der Hochschule von Island studierte, hatte er sich in den verschiedensten Berufen umgetan: in der Fischindustrie, als Maurer und für kurze Zeit auch als Polizist.

Acht Jahre unterrichtete er Literatur an einer Schule in Akranes, verfasste Artikel für die Zeitung Morgunblaðið sowie für den nationalen Radiosender. Von 1992 bis 1995 lebte Jón Kalman Stefánsson in Kopenhagen, las, schrieb und zählte Straßenbahnen. Anschließend leitete er bis zum Jahr 2000 die Stadtbücherei von Mosfellsbær bei Reykjavík, dort entstanden auch die Romane Verschiedenes über Riesenkiefern und die Zeit; Das Knistern in den Sternen; Sommerlicht, und dann kommt die Nacht.

2005 hat Stefánsson für Sommerlicht, und dann kommt die Nacht den isländischen Literaturpreis erhalten. "Für die Übersetzung hätte Karl-Ludwig Wetzig aber auch einen Preis verdient." (Harald Peters, Welt am Sonntag)

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Einsamkeit weckt ihn. Nicht wie ein schwerer Schlag, sondern wie ein leises Ziehen, das im Moment des Aufwachens zu einem Schmerz anwächst. Viele Tage sind vergangen, seit er an ihrer Seite eingeschlafen ist, müde, erschöpft, glücklich, in der schönsten Nacht des Lebens. Am Morgen danach war sie verschwunden. Nicht nur aus seinem Leben, sondern ebenso aus der Stadt. Sie ist davongefahren und hat die Laternenpfähle stehen lassen. Ist davongefahren und hat sämtliche Vorfahrtsschilder zurückgelassen, die Häuser in der Weststadt, alle Bürgersteige; sie ist weggefahren, und vergeblich preisen die Kinos ihre Filme in Cinemascope an, denn sie ist weg, auf und davon. Weg von der Hringbraut, weg von Skaftahlíð, dem ganzen Skaftahlíð-Hügel, besonders aber weg von einer Kellerwohnung, wo er in tiefer Trauer liegt. Davongelaufen nach Westen in die Fjorde, wohin genau, soll er nicht in Erfahrung bringen, die in Skaftahlíð dürfen ihren Aufenthaltsort nicht preisgeben. Ihre Abwesenheit macht jeden Sack Zement doppelt schwer. Er geht noch einmal zu ihrem Haus, um sich zu erkundigen, trifft aber nur den Dichter, der gerade dabei ist, zu packen. "Nichts zu tun hier, die Frau in Norwegen, weiß auch nicht, was ich eigentlich hier gesucht habe. Das Mädchen? Nein, keine Ahnung. Verschwunden, sagst du. Ja, mir brauchst du nichts zu erzählen, ich weiß, wie das ist. Mit den Gedichten geht es einem genauso. Sobald man glaubt, sie aus der Tiefe hervorgeholt zu haben und sie mit Händen greifen zu können, verschwinden sie, lösen sich auf und lassen einen allein zurück. Ich beneide dich um deine Arbeit, junger Mann, der Zement lässt den Sand nicht im Stich, und gemeinsam verbinden sie sich zu Beton; bald erhebt sich ein Haus. Du hast es gut." Blödsinn, er hat es überhaupt nicht gut, der Junge aus dem Osten, und er hat nicht das geringste Interesse an den Schwierigkeiten des Dichters mit seinen Worten; er ist nichts weiter als ein Maurerlehrling, und jeder Tag ein neuer Foltermeister. Ihr Geruch ist aus dem Bettlaken verflogen, die Milch versauert im Kühlschrank, die Zementsäcke werden immer schwerer, bald wird die Erdkruste unter ihm einbrechen. "Zum Teufel damit, Junge, vergiss sie!", sagen die Freunde und schleppen ihn gegen seinen Willen mit zu einem Besäufnis. "Lass sie, wo der Pfeffer wächst", sagen sie und begreifen nichts, nicht das Geringste. Sie vergessen? Reiß einem Vogel den Flügel aus und beobachte dann seinen Flug. Nach viel zu viel Wodka-Cola setzt er sich von seinen Kumpanen ab. Es ist Nacht. Irgendwo auf der Grettisgata übergibt er sich, ruft auf der Snorrabraut ihren Namen und auch die halbe Karlagata entlang, bis jemand ein Fenster öffnet und schreit: "Halt endlich das Maul da unten!" Da knickt er zusammen, wird zu Schnee, einem Haufen Schnee auf dem offenen Feld von Klambratún. Der Mond segelt zwischen den Wolken hervor, wirft sein weißes, kaltes Licht über die Stadt. Der junge Mann klingelt in Skaftahlíð, hält seinen Finger auf die Klingel gedrückt, obwohl er vor meiner Großmutter mächtig Respekt hat, klingelt lange, und das Klingeln ist wie ein Notruf in der Nacht. Die Hosen voll, aber trotzig steht er dann vor Großmutter, einer hochgewachsenen, stolzen Frau, die genau vierzig Jahre später in Hveragerði sterben wird, nachdem ihr die Zeit übel mitgespielt hat. Sie hält den Morgenrock um sich zusammen, nicht eine Spur von Mitleid in den Augen. Ihr ganzer Zorn kommt in der Beschreibung dieser nächtlichen Ruhestörung zum Ausdruck. Aber gibt es überhaupt etwas zu beschreiben? Der Junge ist einfach fix und fertig. Nach dem klaren Frost draußen ist die Luft im Hausflur heiß und stickig. Ihm wird flau und ein wenig schwindlig, und so kann er nichts erklären. Er öffnet den Mund, aber nur ein Name kommt heraus. Dann beißt er die Lippen zusammen, blass wie ein Laken, kämpft gegen einen Anfall von Übelkeit, presst die flachen Hände fest gegen die Wand, um das rasende Drehen der Erde zu bremsen. Da tritt Großvater in die Diele, Großvater, der ein paar Jahre später zusammen mit Großmutter und meiner Halbschwester nach Norwegen auswandern wird und der nun auf dem Friedhof von Stavanger begraben liegt, weil er einmal unachtsam auf eine Leiter trat, sich zu weit nach einer Anstreicherrolle streckte, das Gleichgewicht verlor und fiel. Großvater, der dem Jungen sehr zu Großmutters Missfallen einmal die Tür geöffnet hat, kommt dazu. Der Junge drückt sich mittlerweile mit dem ganzen Körper an die Wand, weil er fürchtet, von der Erde in die Leere des Weltalls geschleudert zu werden. Er hört, wie sich die anderen leise miteinander besprechen, tausend Kilometer weit weg. "Wir müssen ihm etwas sagen!" "Nej, keinen Ton!" "Aber siehst du denn nicht, dass der Junge ganz von Sinnen ist? Das ist Liebe, Frau!" "Pah, Blödsinn. Der ist nur stinkbesoffen. Bald fängt er an zu kotzen. Aber hinterher aufwischen, det skal du!" "Hör auf! Er könnte sich umbringen, wenn wir nichts sagen." "Sich umbringen! So blöd wird doch kein Kerl sein, dass er sich wegen einer Frau das Leben nimmt." Großvater schüttelt den Kopf. Er tritt noch einen Schritt näher, packt den halb bewusstlosen jungen Mann an der Schulter und schaut ihm in die schwimmenden Augen. "Bedeutet sie dir etwas?" Der junge Mann schrickt auf, holt tief Luft und seufzt ein langgezogenes Jaaaa. Großmutter macht: "Pah!" Großvater lässt die Schulter nicht los: "Bist du dir sicher? Sehr viel?" Der Junge gräbt in seinem unendlich schweren Schädel, schiebt volltrunkene Wörter zur Seite und sucht etwas, das den Mann vor ihm überzeugen könnte: "Ich kann überhaupt nichts mehr." Großvater: "Was?" Er, sehr langsam: "Es ist, als wäre mir alles genommen worden." Großmutter: "Ach, du bist doch nur besoffen." Er wischt mit der Rechten durch die Luft. "Nein! Doch. Ich meine, ja, ich bin betrunken, aber, Mensch, das tut nichts zur Sache. Ich meine ... alles ... ja, das ist wichtig ... ich ... ohne sie ... ich ..." Der Junge hebt beide Hände, die Handflächen nach vorn gestreckt, und öffnet den Mund, aber er hat keine Worte mehr. Großmutter: "Pah!" Großvater: "Wenn sie dir so viel bedeutet, wie du behauptest, was machst du dann überhaupt noch hier?" Er: "Wie? Ich, ich meine, nein, ich ..." Großvater: "Seid ihr im Osten eigentlich alle so begriffsstutzig?" Der Junge schließt die Augen und sofort dreht sich die Erde wieder. Die Drehzahl nimmt beängstigend schnell zu, und kurz bevor der Junge in die Dunkelheit und Einsamkeit des Weltraums geschleudert wird, reißt er die Augen auf, öffnet den Mund und schließt ihn wieder. Großmutter: "Du wirst nicht auf meinen Fußboden kotzen!" Großvater: "Du weißt doch, dass sie sich im Westen aufhält, und du sagst, sie bedeutet dir alles. Was hast du also hier zu suchen? Noch dazu hackevoll und voller Selbstmitleid. Fahr ihr nach, Junge!" Großmutter: "Nej, det gör hann ikke! Hast du keine Arbeit?" Er sieht von einer zum andern, ganz durcheinander und mit verschwimmendem Blick. "Was? Doch, doch. Ich bin Maurer, nein, in der Lehre, ich ..." Großvater: "Zum Donnerwetter, spielt das jetzt eine Rolle? Die Zementsäcke fliegen schon nicht weg. Mach dich auf den Weg oder vergiss sie!" Großmutter: "Seine Arbejd darf man nicht im Stich lassen!" Er: "Aber, ich, wo?" Großvater: "Sie arbeitet in einem Kühlhaus. Davon gibt es nicht allzu viele. Such sie, Junge, such sie! Man muss nämlich was tun, wenn man etwas bekommen will." Am nächsten Tag erwacht er in seinem Bett, mit gespaltenem Schädel und Erbrochenem auf dem Boden. Es ist Samstag. Er arbeitet bis Montagmittag, doch dann ist Feierabend. Der Meister schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: "Den Rest der Woche frei nehmen? Ja, glaubst du denn, das Leben ist ein Ferienlager?!" "Bekomme ich nun Urlaub?" "Nein." "Ich fahre trotzdem." "Dann brauchst du gar nicht mehr wiederzukommen!", brüllt der Meister, der sich schrecklich aufregt und von einem Moment auf den anderen aus der Haut fahren kann. Sein Zorn legt sich jedoch ebenso schnell wieder, kaum dass der Junge aus seinen Augen...
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