Jón Kalman Stefánsson wurde 1963 in Reykjavik geboren und begann nach einer Zeit, in der er die unterschiedlichsten Jobs annahm, 1986 mit dem Studium der Literatur, ohne es aber abzuschließen. Nichtsdestotrotz unterrichtete er acht Jahre lang Literatur an einer Schule in Akranes. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in Kopenhagen lebt er seit 1995 wieder in Island, wo er mittlerweile als freier Schriftsteller arbeitet.
Sein erster Roman, mit dem er 1997 in Deutschland bekannt wurde, war Der Sommer hinter dem Hügel" und umfasste die ersten beiden Teile einer Trilogie, die 1999 mit Das Licht auf den Bergen" abgeschlossen wurde. Sehr humorvoll und warmherzig wird dort die Geschichte eines heranwachsenden Jungen erzählt, der wie viele isländische Jugendliche im Sommer auf dem Land arbeitet. Dort beobachtet er die bäuerliche Gesellschaft und ihre teilweise skurrilen Erscheinungen. Trotz eines roten Fadens besteht die Trilogie aus einer Vielzahl einzelner Geschichten.
Ähnlich ist es in dem vorliegenden Buch Das Knistern der Sterne", das 2005 veröffentlicht wurde. Hier berichtet der Ich-Erzähler, der wohl mit dem Autor in den meisten Zügen identisch ist, von seiner Familie. Er tut dies über einen Zeitraum von 150 Jahren oder sechs Leben, wie er es nennt.
Er schreibt 2002 als junger Mann, der sich daran erinnert, wie nach dem Tod seiner Mutter als er sieben Jahre alt war, nach einiger Zeit plötzlich eine neue Frau aus dem Schlafzimmer des geliebten Vaters kommt und fortan seine Stiefmutter ist. Und die ganze Trauer um die verstorbene Mutter bricht aus ihm heraus. Trost und Ermutigung findet der Ich-Erzähler bei der Geschichte seiner Ahnen.
In diesem Buch folgt er insbesondere der Lebensgeschichte seines Urgroßvaters und dessen 30 Jahre jüngerer Frau, die er mit großer Liebe und auf eine sehr einfühlsame und heitere Weise erzählt. Stefansson besitzt eine lyrisch-bildhafte Sprache, die die Lektüre seiner Bücher zu einem wahren Genuß macht. Die Art und Weise, wie er existentielle Themen anspricht, auslotet und beschreibt, zeugt von großer Erzählkunst.
Stefansson setzt in seinem neuesten Buch übrigens den Bericht über seine Familie fort. In Verschiedenes über Riesenkiefern und die Zeit", erschienen im August 2006, beschreibt er einen Sommer, den er als zehnjähriger Junge bei seinem Großvater in Norwegen erlebt. Auch dieser neue Roman, der sich wie eine Fortsetzung liest zum hier besprochenen Buch, reiht er Geschichte um Geschichte aneinander, voller Reflexionen über die Erinnerung und die Vergänglichkeit der Zeit; heitere Episoden, scheinbar von leichter Hand erzählt, doch wie auch im vorliegenden Buch immer von tiefem Ernst und Respekt vor dem Leben geprägt.
Ein begnadeter Erzähler, auf dessen nächstes Buch man schon gespannt sein darf.