Oft hört man mit bedauerndem Unterton, auf die Kirchen einzudreschen sei heute nur allzu leicht. Das mag sein. Man sollte sich vielleicht mal fragen, warum. Sicher auch weil man es heute relativ unbeschadet tun darf und es eben leider ständig neue Anlässe zum Draufhauen gibt. Und dies wben weil gerade Leute wie Ulli Schauen es ordendlich tun. Obwohl, er haut gar nicht drauf. Er ist ernüchtert von den Zuständen und schreibt es sich von der Seele.
Zum Inhalt etwas vorweg, was das Buch NICHT ist:
Die bislang einzige schlechte Bewertung (wenn auch mit einer recht affirmativen Rezension) einer meine Vorgänger suggeriert, bei Ulli Schauens Buch handele es sich um das Aufspringen auf einen derzeit nun mal modischen 'internationalen Kirchen-, Glaubens- und Religionskritikerzug'. Mitnichten! Schauen behandelt etwas vollkommen anderes als Hitchens und andere. Bei ihnen geht es um die Gefahren des Glaubens, wobei Dawkins' Thema die Widerlegbarkeit religiöser (v.a. monotheistischer) Aussagen über die Beschaffenheit der Welt ist. Wieder andere suchen Moral und Werte außerreligiös zu begründen. Das sind Geistes-/Gesellschaftswissenschaftliche oder naturwissenschaftliche Stoßrichtungen. Und dies auf globaler Ebene, vor angloamerikanischen Hintergrund und den jüngsten Erfahrungen mit 'Gotteskriegern' muslimischer aber auch christlicher Provenienz.
Ulli Schauen geht es um rein deutsche (Kirchen-)politik im umfassenden Sinne, um eine Kritik an den Kirchen und ihren Institutionen. Das Buch kaut also nichts wieder. Schon gar nichts aus den Federn der amerikanischen oder britischen "Chef"-Atheisten. Selbst die jüngsten deutschsprachigen Bücher zum Themenkomplex beleuchten meist andere Aspekte. Schauen kritisiert an keiner einzigen Stelle irgendeinen Glauben und lässt sich auch nie darüber aus, ob Glauben heutzutage überflüssig, unzeitgemäß oder vereinbar mit den exakten Wissenschaften ist. Lediglich deckt er so manche christliche Heuchelei auf, die mit der organisierten Religion in Deutschland zu tun hat (wo die Großkirchen eine historisch und politisch einzigartige Sonderstellung und Protektion unter den heutigen Demokratien genießen). Ob der christliche Gott existiert oder Religion an sich nützlich oder gefährlich sein kann ist ÜBERHAUPT NICHT das Thema.
Sicher, es steht für so manch kritisch eingestellten Menschen nicht viel Neues darin. Und auch Kirchenleute sagen zu alledem meist "Ja, alles richtig, ABER..." Was wiederum bedenklich ist. Denn wenn dieses Wissen schon ein so alter Hut ist, warum ändert sich dann so gut wie nichts!?
Insofern finde ich den Beitrag Ulli Schauens aus Sicht eines "verlorenen Sohnes" und erfahrenen Journalisten gerade in Bezug auf die Verstrickungen der Kirchen in Politik, Soziales und Medien sehr erhellend und eine wertvolle Ergänzung zum derzeitigen Diskurs ' wenn man ihn denn 'Kirchen-Bashing' nennen will.
Zugegeben: Der Buchtitel ist wirklich unterirdisch.