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Das Kind im Turm: Roman [Taschenbuch]

Françoise Chandernagor , Christel Gersch
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

2005
Ein literarisches Meisterstück um den Sohn Marie Antoinettes und Ludwigs XVI. und die mutige Enträtselung eines der dunkelsten Kapitel in der französischen Geschichte: Louis Charles, kaum acht Jahre alt, kommt 1792 in den Kerker von Paris. Zwei Jahre lang wird das Kind in einem kargen Turmzimmer festgehalten, mehr und mehr sich selbst überlassen. Françoise Chandernagors minutiös recherchierter historischer Roman um den vergessenen Prinzen gelangte nach seinem Erscheinen sofort an die Spitze der französischen Bestsellerliste. »Ein ganz großer Roman!« Brigitte

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492245633
  • ISBN-13: 978-3492245630
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 817.743 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein ganz großer Roman!« Brigitte

Über den Autor

Françoise Chandernagor, geboren 1945 in Palaiseau, lebt in Paris und auf dem Land. Sie war als Politikwissenschaftlerin am obersten französischen Verwaltungsgericht tätig, bevor sie sich 1993 ganz dem Schreiben widmete. Seit 1995 ist sie Mitglied der Académie Goncourt, die jährlich einen der angesehensten französischen Literaturpreise vergibt. Weiteres zur Autorin: www.chandernagor.com

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vive la Revolution !? 10. Dezember 2004
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Was erfahren wir in unserem Leben über die Geschichte der Menschheit? Sicherlich werden wir eine Vielzahl wichtiger Jahreszahlen, Persönlichkeiten, sowie weitreichender Errungenschaften in unserem Gedächtnis abspeichern. Jedoch bleibt uns angesichts des gewaltigen Umfangs der Weltgeschichte meist nicht mehr als ein flüchtiger Überflug mit kurzen Zwischenstopps an den wichtigsten Stationen. Zum längeren Verweilen, zum Eintauchen in das Lebensgefühl vergangener Zeiten kommen wir nur selten. Dabei ist es eine große Bereicherung zu erfahren wie die Menschen vor uns lebten, woran sie litten, was sie bewegte und welches Weltbild sie hatten. Revolutionen, Kriege, Könige und Kaiser können wir einordnen. Doch Einzelschicksale, Familiengespräche, Stammtischrunden oder die Möblierung eines Zimmers lassen Geschichte erst lebendig werden. Solche Details verdrängen die Anonymität des Lexikons und bilden eine emotionale Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Dieses Ziel verfolgt Francoise Chandernagor in ihrem Roman „Das Kind im Turm". Sie führt den Leser durch die mysteriöse Leidensgeschichte des jungen Louis Charles, Sohn Ludwigs XVI und Marie-Antoinettes, der als Opfer der Französischen Revolution ab 1792 drei Jahre lang unter menschenunwürdigen Bedingungen im Pariser Wachturm „Temple" eingesperrt wurde. Sie versucht sich dabei auf der Grundlage fundierten Wissens und akribischer historischer Recherche in die Gefühlswelt des achtjährigen Thronfolgers zu versetzen, um die Wirkung von Hass, Vernachlässigung und Gleichgültigkeit auf ein Kind, das seiner bekannten Umwelt entrissen wird, zu veranschaulichen....

Die Haupthandlung konzentriert sich auf die Lebensgeschichte, sowie auf das Umfeld des jungen Gefangenen. So wird die nahezu exponentiell steigende Einengung und Verschlechterung seiner Lebensbedingungen nach 1793 in aller Ausführlichkeit dargestellt. Zunächst wohnt Louis-Charles noch zusammen mit seiner Familie in einem Zimmer, besitzt Bücher, Spielzeug und vor Allem Aufmerksamkeit. Doch nach der Ausrottung seiner Familie durch die Revolution wird er ohne Erklärung und Beistand in ein verriegeltes und strengstens bewachtes Appartement im „Temple" gesperrt.

Die Einrichtung umfasst nur das Nötigste, die Hygiene ist menschenunwürdig (Käfer, Ameisen, Schimmel) und ein Verlassen der Räume ausgeschlossen. Schließlich wird sein Lebensraum auf ein einziges Zimmer beschränkt, die übrigen werden versperrt. Zunächst vom alten Ehepaar Antoine zumindest physisch betreut hat er nach einem Jahr überhaupt keine Gesellschaft mehr. Louis-Charles verliert jeglichen Lebenssinn und verfällt in eine krankhafte Apathie. Die Wirren ständig wechselnder Terrorregimes bemerkt er nur anhand von ebenso schnell wechselnden Kommissaren, Wächtern und Ärzten. Unter ständiger Beschimpfung seiner Person und seiner Eltern wird er als Relikt des „Ancien Régime" wie ein lebloses Staatsgeheimnis verwahrt. Francoise Chandernagor gelingt die Psychostudie des jungen Gefangenen ausgezeichnet. Die Darstellung der Tätigkeits- und Alltagsbeschreibungen, der Jahreszeitenwechsel oder der akribischen Beobachtung des kleinen Zimmers ist beklemmend und legt das unmenschliche Leben des Kindes schonungslos offen. So wird beispielsweise beschrieben, wie der Junge versucht den Schnee auf den Fensterscheiben mit seinem Atem zu erwärmen, um zumindest auf diese Weise mit der Außenwelt zu kommunizieren. Er lauscht dem Kratzen seiner Fingernägel oder zerquetscht braune Käfer, um die Langeweile aus seinem Leben zu vertreiben.

Zudem fügt die Autorin stets aussagekräftige Rückblenden aus dem bewegten Leben des Königssohns ein. Mal sind es Szenen seiner prunkvollen Kindheit, mal die Schrecken der Revolution oder Gespräche mit seinen Eltern. Es handelt sich um gut recherchierte, passende und glaubwürdige Einblicke in die alte und die neue Welt des jungen Thronfolgers.

Der Tod Louis-Charles im dritten Jahr seiner Gefangenschaft ist angesichts seiner Haftbedingungen kaum verwunderlich. Zwar wird ihm mit dem Abflachen des Terrors immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, jedoch reagiert er kaum mehr auf Annäherungsversuche. Er isoliert sich von allen um ihn herum stattfindenden Prozessen. Die drastische Verschlechterung seines Gesundheitszustandes führt zu einem deutlichen Umdenken bei den Verantwortlichen, doch selbst die Verlegung in ein luxuriöses Zimmer und eine ausgedehnte medizinische und gesellschaftliche Betreuung können den Tod des Jungen nicht verhindert. Er stirbt am 08. Juni 1795 an den Folgen einer Bauchfellentzündung. Sein Herz wird vom Arzt Pelletan entnommen und konserviert.

Dieser Haupthandlungsstrang alleine wäre wohl zu zäh und zu erdrückend. Aus diesem Grund ergänzt ihn die Autorin mit Nebenhandlungen, die dem Leser die Umstände und die Denkweise der damaligen Zeit nahe bringen. So wird deutlich, wie es überhaupt zu solch einem verantwortungslosen Umgang mit einem scheinbar unschuldigen Kind kommen kann. Chandernagor wählt dabei eine ungewöhnliche Perspektive. Sie stellt sich selbst als Richterin dar und nimmt die damaligen Verantwortlichen, Erzieher, Kommissare und Ärzte in eine Art fiktives Kreuzverhör. Dabei prangert sie die moralische Dekadenz des nachrevolutionären Frankreich an und setzt ihre „Angeklagten" unter Druck. Als Ergebnis erhält sie abenteuerliche Ausflüchte, Angst, Verfolgung, politische Machtspiele und maßlose Selbstsucht. Durch diese direkt inszenierten Gespräche scheint das damalige Lebensgefühl, die Mentalität zwischen Guillotine und Menschenrecht greifbar. Es ist für geschichtlich interessierte Leser äußerst spannend die Gedankengänge dieser von enormen Umbrüchen gebeutelten Menschen zu verfolgen. Sie besitzen scheinbar die Eigenschaften eines Chamäleons, ständig der aktuellen politischen Situation angepasst, ohne eigene Meinung, ohne Widerstand. Zu Zeiten als Arbeitskollegen und Nachbarn sich gegenseitig denunzieren will niemand auffallen, Verantwortung übernehmen und Missstände anprangern. So bleibt Louis-Charles ein Opfer seiner Zeit, ein Ausgestoßener, der in der neuen Gesellschaft keinen Platz findet und angesichts der bis ins Mark verängstigten Bevölkerung keine Unterstützung erwarten kann.

Durch die Nebenhandlungen wird Chandernagors Kritik an der Französischen Revolution deutlich. Eine ihrer zentralen Fragen bezieht sich auf die Erklärung der Menschenrechte. Sind denn nicht alle Menschen von Geburt an gleich? Wie kann es dann gerechtfertigt werden, dass einem achtjähriger Jungen ausgerechnet aufgrund seiner Herkunft die Freiheit genommen wird? Eine begründete Antwort bleiben die Verantwortlichen schuldig, aber die Autorin rüttelt auf. Frei nach dem Motto „Es ist nicht alles Gold, was glänzt" verschließt sie nicht die Augen vor den Schattenseiten der französischen Geschichte.

Doch sie beschränkt sich nicht nur auf das Mittel des Kreuzverhörs, sondern verbindet die Geschichte des Gefangenen mit Einzelschicksalen aus der Bevölkerung. So wird beispielsweise der monotone Alltag einer Wäscherin beschrieben, die anhand ihrer Wäsche den Lebensweg ihrer Kunden nachvollzieht. Ihr fällt auf, dass sie von jenem kleinen Jungen, der sonst immer Berge von Kleidungsstücken einschickte, immer seltener und stets weniger Wäsche erhält. Generell fragt sie sich warum immer mehr Menschen plötzlich von ihrer kleinen, beschränkten Bildfläche verschwinden...

Chandernagor bildet auf der Grundlage des genannten Konzeptes ein Geflecht von Eindrücken der damaligen Zeit, das vielseitig informiert, jedoch stets auf das eine „Kind im Turm" ausgerichtet ist. So beleuchtet sie die Persönlichkeit wie die Epoche gleichermaßen.

Streckenweise etwas zäh zu lesen und von einigen zu sprunghaften Perspektivwechseln durchzogen ist Francoise Chandernagors Roman dennoch ein spannender und vielseitiger Roman, der äußerst aufschlussreiche und detaillierte Einblicke in die Wirren des nachrevolutionären Frankreich eröffnet. Das Schicksal der tragischen Figur Louis-Charles wirkt überzeugend und bewegend, da die Charakterzeichnung ebenso glaubwürdig ist wie die Darstellung der politischen und sozialen Veränderungen. Die Idee des Kreuzverhörs ist kreativ und wirkungsvoll zugleich, denn sie legt die begangenen Verbrechen unmittelbar offen und konfrontiert die Franzosen mit einer dunklen Episode ihrer Vergangenheit. In Frankreich war das Buch ein großer Erfolg. Es weckte in vielen Teilen der Bevölkerung das Interesse an der eigenen Geschichte, besonders anlässlich der Beisetzung des Herzens Ludwigs XVII (der Königstitel Louis-Charles, obwohl er nie regiert hat) in der Basilika von Saint-Denis. Doch nicht nur für Franzosen ist dieser Roman empfehlenswert. Wer an geschichtlichen Ereignissen interessiert ist, wird seine Freude an diesem ausführlichen und lebendigen Epochenporträt haben. Ein gewisses historisches Grundwissen ist jedoch notwendig, da ansonsten die Feinheiten und Details, die den Charme des Buches ausmachen ihre Wirkung nicht entfalten können. Lesen Sie weiter... ›

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen detailgenau und psychologisch einfühlsam 22. Oktober 2006
Von kafri
Format:Taschenbuch
Francoise Chandernagor gelingt es, in ihrem Roman "Das Kind im Turm", die historischen Geschehnisse (soweit überhaupt bekannt) um Charles Louis Capet während seiner Inhaftierung im Temple in den Jahren 1794/95 detailgenau und beinahe minutiös zu rekonstruieren. Die Schilderung erfolgt dabei mal aus der Perspektive des kleinen Charles Louis selbst, mal aus Sicht seiner Bewacher. Dabei überzeugen die psychologischen Erklärungsversuche, weshalb Menschen unmenschlich handeln, ohne wirkliche Unmenschen zu sein. Toll!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein fast vergessener Part in der Geschichte 7. April 2008
Von Skatersally TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Francoise Chandernagor widmet sich mit diesem Roman einem bisher nicht häufig erwähnten Thema. Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution und der Hinrichtung des damaligen Königspaares Louis XVI und Marie Antoinette wurden deren Kindern weiterhin ge-fangen gehalten. Der Dauphin Louis Charles lebte ab 1792 in einem Turm unter menschenunwürdigen Umständen. In einer Zeit, in der die Menschenrechte immer mehr Bedeutung gewannen, wurde er in einem kleinen, zugigen Zimmer überwiegend sich selbst überlassen. Die Autorin hat sich gut in die Lage versetzt und beschreibt das Schreckensszenario sehr anschaulich zum Teil aus Louis Sicht, zum Teil als Aussage vor dem Untersuchungsausschuss.

Sie schildert seine geduldige Art, als die Wärter sein Spielzeug wegnehmen, seine Angst im Dunkeln, wie immer weniger Leute zu ihm kommen und wie unwichtig Zeit wird. Überall liegt eine dicke Staubschicht, die Fingernägel wachsen und die Essensreste locken Insekten an. Eines Tages wird der Arzt gerufen, weil Louis Schmerzen an den Knien hat. Als Grund wird die viel zu kleine Hosen angegeben. Der sowieso sehr ruhige Junge fällt in eine Apathie und verliert sämtliches Interesse an seiner Umwelt, bis er schließlich zusammen bricht. Die Prüfung der Deputierten, ob das Kind verwahrlost, kommt für den Jungen zu spät. Louis Charles stirbt im Alter von zehn Jahren. Nach dem Abschluss des Friedensvertrages haben weder die Toscana, Preußen, Spanien noch die Vendée Interesse an der Freilassung des Kindes.

Die wahre Geschichte handelt in einer Zeit, in der jeder Mensch nur in den durch das Gesetz bestimmten Fällen angeklagt, verhaftet und gefangen gehalten werden darf.
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