Das Kind der Stürme
Ich hatte aufgrund der enttäuschten Rezensionen keine allzu großen Erwartungen an das Buch. Und es stimmt auch, anfangs kommt die Geschichte nicht richtig in Schwung. Man kommt der Protagonistin Fainne des Romans nicht sehr nahe und ich war auch etwas enttäuscht, dass eine Außenstehende, sogar eine Feindin, die Heldin des letzten Bandes der Sevenwaters Trilogie dein soll.
Spätestens nach 300 Seiten war ich jedoch restlos überzeugt: Fainne ist viel interessanter als man erst denkt und ihre Aufgabe erscheint mir sogar noch viel schwieriger, als die der Vorgängerinnen. Fainne ist halt etwas schroff und spröde, leicht reizbar, und wie ihre Mutter Niamh etwas zickig. Man muss sie erst etwas näher kennen lernen. Sie ist nicht mit sich im Reinen, sie hat Selbstzweifel und Identitätsprobleme. Fainne wuchs fern von Sevenwaters auf, in fast völliger Isolation mit ihrem innerlich zerstörten Vater und kannte Ihre Mutter Niamh kaum, bevor diese durch Freitod starb und sie somit verlassen hat. Sie wird von ihrem Vater dem ehemaligen Druiden Ciaran, der sie in der Zauberei unterrichtet hat und ihrer Großmutter, die böse Lady Oonagh, nach Sevenwaters geschickt. Die genauen Motive des Vaters bleiben fürs erste noch im Schatten, die der Großmutter sind klar: Fainne soll indem sie Zauberei einsetzt Sevenwaters den Kampf um die Inseln verlieren lassen und so Sevenwaters letztendlich zerstören. Als Druckmittel setzt die böse Zauberin Fainnes Liebe zu ihrem Vater ein, sie würde falls sie ihrem Auftrag widerstrebt, den Vater qualvoll sterben lassen. So zwingt sie ihre Enkelin unter ihren Bann und setzt sie als Werkzeug gegen Sevenwaters ein.
Interessant ist, dass Fainne als sie in Sevenwaters eintrifft, den Wald als Bedrohung empfindet, er ihr keine Geborgenheit schenkt sondern Verlorenheit und Angst in ihr auslöst. Sie weiß auch nicht was sie dort tun soll oder was auf sie wartet, alle sind ihr fremd. Ihre Aufgabe ist nicht klar, sonder sehr diffus und unendlich grausam. Sie darf niemanden lieben, niemandem vertrauen oder auch nur Freundschaft empfinden, da ihre Großmutter sie erpresst, und droht, sie würde diejenigen töten, die sie liebt. Sie ist einsamer als Sorcha jemals war und bereit weitaus mehr aufzugeben als Liadan. Die beiden sind ja Großmutter und Tante mütterlicherseits, dass Fainne auch zur Sevenwatersfamilie gehört muss sie erst noch erkennen. Sie hat Sevenwaters nicht als Geschenk in sich , sie muss ihr Erbe erst finden.
Es stimmt nicht, dass man keine Sympathie oder Empathie für Fainne empfindet, im Gegenteil, ich liebe sie!. Es stimmt auch nicht, dass es keine Romanze gibt, wenn sie auch sehr zart und langsam sich entspinnt.
Fazit für die Trilogie:
Auch in diesem Buch wird die Geschichte getragen von dem ruhigen, gleichmäßigen Atem von Juliet Marillier, die mit ihrem poetischen, sinnlichen und langsamen Schreibstil die Geschichte entspinnt. Solches ist in der Fantasy -Literatur selten zu finden. Noch nie bin ich tiefer in ein Märchen getaucht: Man hört die Musik, man lebt die Geschichten mit, die abends am Feuer erzählt werden, man spürt den Wind und den Duft des alten Irlands