Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das Kapital
OA 186794 (3 Bde.) Form Sachbuch Bereich Philosophie
Kaum ein theoretisches Werk hat die Welt so stark verändert wie Das Kapital (Untertitel: Kritik der politischen Ökonomie) von Karl Marx. Es gab aber auch kaum eine Abhandlung, die ähnlich dogmatisiert und instrumentalisiert wurde. Nur den ersten Band konnte Marx selbst vollenden; Band 2 und 3 wurden von Friedrich R Engels editiert.
Inhalt: Marx zielte bei der Abfassung des Kapitals darauf, die zwanghafte Gesetzmäßigkeit der kapitalistischen Produktionsweise zu entschlüsseln. »Sie wissen es nicht, aber sie tun es« dieser Satz aus dem ersten Kapitel kann deshalb als Präambel des ganzen Werks gelesen werden, einem mit ebenso viel theoretischem Scharfblick wie akribischer Genauigkeit vorgetragenen Versuch, der Gesellschaft ein Bewusstsein ihrer eigenen materiellen Existenzgrundlage zu vermitteln.
Marx verfolgte keineswegs das sozialreformerische Ziel einer wie es abschätzig in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844 (1844) heißt »besseren Salairierung der Sklaven«. Seine Intention war eine andere: Es ging um eine Rückgewinnung jener Potenz, welche die Menschen als soziale und geschichtliche Wesen auszeichnet und sie befähigt, die Welt unter menschliche Bestimmungen zu setzen. Und es ging um die Aufhebung der Selbstentfremdung, die Abschaffung von willkürlichem Privileg und Elend, um einen Zustand, in dem der Produktionsprozess dem Menschen diene nicht umgekehrt.
Schon Georg F. W. R Hegel hatte die Arbeit als Wesen des Menschen gefasst, sie jedoch, in einem weniger gegenständlichen als abstrakten Sinne, als Gedankenarbeit interpretiert. Marx, Hegel »vom Kopf auf die Füße« stellend, betrachtet hingegen die Seite der materiellen Reproduktion als Grundlage sowohl des gesellschaftlichen wie des individuellen Daseins. Sie umfasst einerseits die materiellen Produktivkräfte Rohstoff, Werkzeug, Arbeitskraft , andererseits die Produktionsverhältnisse, die gesellschaftliche Seite des Produktionsprozesses, die mit den jeweiligen Eigentumsverhältnissen identisch ist.
Marx geht in seiner Analyse von der Ware, der Elementarform des gesellschaftlichen Reichtums, und ihrem »Fetischcharakter« aus. Ein selbstverständliches, triviales Ding wie ein Tisch erweist sich, sobald es auf den Markt tritt, als ein »höchst vertracktes«. Als Ware ist es Träger von Wert. Dieser Wert existiert nur in der Vorstellung, dennoch scheint er den Dingen von Natur aus anzuhaften. Nicht anders geht es, im entfalteten Akkumulationsprozess, mit dem Kapital selbst. Der Wert, als Kapital, setzt seine Selbstverwertung in Gang und erscheint in der Form des Kapitalfetischs als »Geld heckendes Geld«. Indem Marx den Akkumulationsprozess des Kapitals ausleuchtet, zeigt er, dass die handelnden Personen, die bürgerlichen Wirtschaftssubjekte, Zwängen und Gesetzen folgen, die gleichsam hinter ihrem Rücken existieren. Mit der Analyse des Kapitals als dem »automatischen Subjekt« enthüllt er, dass auch die Fabrikbesitzer nicht Subjekt, sondern Objekt ihres eigenen Tuns sind. Das autonome Subjekt ist eine Illusion, solange sich die Menschen nicht zu einem Verein freier Produzenten assoziieren.
Wirkung: Was man zu Zeiten der weltweiten Blockbildung im Osten unter dem Namen des Marxismus-Leninismus praktizierte, hat wenig gemein mit den Intentionen eines großen Aufklärers, der für den »rohen und gedankenlosen«, den eben nur formalen, doktrinären Kommunismus nichts als Verachtung empfand. Starken Einfluss übten die Schriften von Marx, insbesondere die darin enthaltene Wert- und Fetischkritik, auf die Autoren aus dem Umfeld der Frankfurter Schule und, wenn auch nur für sehr kurze Zeit, auf die internationale Studentenbewegung. K. L.
Das Kapital
OA 186794 (3 Bde.) Form Sachbuch Bereich Philosophie
Kaum ein theoretisches Werk hat die Welt so stark verändert wie Das Kapital (Untertitel: Kritik der politischen Ökonomie) von Karl Marx. Es gab aber auch kaum eine Abhandlung, die ähnlich dogmatisiert und instrumentalisiert wurde. Nur den ersten Band konnte Marx selbst vollenden; Band 2 und 3 wurden von Friedrich R Engels editiert.
Inhalt: Marx zielte bei der Abfassung des Kapitals darauf, die zwanghafte Gesetzmäßigkeit der kapitalistischen Produktionsweise zu entschlüsseln. »Sie wissen es nicht, aber sie tun es« dieser Satz aus dem ersten Kapitel kann deshalb als Präambel des ganzen Werks gelesen werden, einem mit ebenso viel theoretischem Scharfblick wie akribischer Genauigkeit vorgetragenen Versuch, der Gesellschaft ein Bewusstsein ihrer eigenen materiellen Existenzgrundlage zu vermitteln.
Marx verfolgte keineswegs das sozialreformerische Ziel einer wie es abschätzig in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844 (1844) heißt »besseren Salairierung der Sklaven«. Seine Intention war eine andere: Es ging um eine Rückgewinnung jener Potenz, welche die Menschen als soziale und geschichtliche Wesen auszeichnet und sie befähigt, die Welt unter menschliche Bestimmungen zu setzen. Und es ging um die Aufhebung der Selbstentfremdung, die Abschaffung von willkürlichem Privileg und Elend, um einen Zustand, in dem der Produktionsprozess dem Menschen diene nicht umgekehrt.
Schon Georg F. W. R Hegel hatte die Arbeit als Wesen des Menschen gefasst, sie jedoch, in einem weniger gegenständlichen als abstrakten Sinne, als Gedankenarbeit interpretiert. Marx, Hegel »vom Kopf auf die Füße« stellend, betrachtet hingegen die Seite der materiellen Reproduktion als Grundlage sowohl des gesellschaftlichen wie des individuellen Daseins. Sie umfasst einerseits die materiellen Produktivkräfte Rohstoff, Werkzeug, Arbeitskraft , andererseits die Produktionsverhältnisse, die gesellschaftliche Seite des Produktionsprozesses, die mit den jeweiligen Eigentumsverhältnissen identisch ist.
Marx geht in seiner Analyse von der Ware, der Elementarform des gesellschaftlichen Reichtums, und ihrem »Fetischcharakter« aus. Ein selbstverständliches, triviales Ding wie ein Tisch erweist sich, sobald es auf den Markt tritt, als ein »höchst vertracktes«. Als Ware ist es Träger von Wert. Dieser Wert existiert nur in der Vorstellung, dennoch scheint er den Dingen von Natur aus anzuhaften. Nicht anders geht es, im entfalteten Akkumulationsprozess, mit dem Kapital selbst. Der Wert, als Kapital, setzt seine Selbstverwertung in Gang und erscheint in der Form des Kapitalfetischs als »Geld heckendes Geld«. Indem Marx den Akkumulationsprozess des Kapitals ausleuchtet, zeigt er, dass die handelnden Personen, die bürgerlichen Wirtschaftssubjekte, Zwängen und Gesetzen folgen, die gleichsam hinter ihrem Rücken existieren. Mit der Analyse des Kapitals als dem »automatischen Subjekt« enthüllt er, dass auch die Fabrikbesitzer nicht Subjekt, sondern Objekt ihres eigenen Tuns sind. Das autonome Subjekt ist eine Illusion, solange sich die Menschen nicht zu einem Verein freier Produzenten assoziieren.
Wirkung: Was man zu Zeiten der weltweiten Blockbildung im Osten unter dem Namen des Marxismus-Leninismus praktizierte, hat wenig gemein mit den Intentionen eines großen Aufklärers, der für den »rohen und gedankenlosen«, den eben nur formalen, doktrinären Kommunismus nichts als Verachtung empfand. Starken Einfluss übten die Schriften von Marx, insbesondere die darin enthaltene Wert- und Fetischkritik, auf die Autoren aus dem Umfeld der Frankfurter Schule und, wenn auch nur für sehr kurze Zeit, auf die internationale Studentenbewegung. K. L.
Kurzbeschreibung
Marx zielte bei der Abfassung des Kapitals darauf, die zwanghafte Gesetzmässigkeitder kapitalistischen Produktionsweise zu entschlüsseln. >>Sie wissen es nicht, aber sie tun es<< - dieser Satz aus dem ersten Kapitel kann deshalb als Präambel des ganzen Werks gelesen werden, einem mit ebenso viel theoretischem Scharfblick wie akribischer Genauigkeit vorgetragenen Versuch, der Gesellschaft ein Bewusstsein ihrer eigenen materiellen Existenzgrundlage zu vermitteln. Marx verfolgte keineswegs das sozialreformerische Ziel einer - wie es abschätzig in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844 (1844) heisst - >>besseren Salairierung der Sklaven<<. Seine Intention war eine andere: Es ging um eine Rückgewinnung jener Potenz, welche die Menschen als soziale und geschichtliche Wesen auszeichnet und sie befähigt, die Welt unter menschliche Bestimmungen zu setzen. Und es ging um die Aufhebung der Selbstentfremdung, die Abschaffung von willkürlichem Privileg und Elend, um einen Zustand, in dem der Produktionsprozess dem Menschen diene - nicht umgekehrt. Schon Georg F. W. R Hegel hatte die Arbeit als Wesen des Menschen gefasst, sie jedoch, in einem weniger gegenständlichen als abstrakten Sinne, als Gedankenarbeit interpretiert. Marx, Hegel >>vom Kopf auf die Füsse<< stellend, betrachtet hingegen die Seite der materiellen Reproduktion als Grundlage sowohl des gesellschaftlichen wie des individuellen Daseins. Sie umfasst einerseits die materiellen Produktivkräfte - Rohstoff, Werkzeug, Arbeitskraft -, andererseits die Produktionsverhältnisse, die gesellschaftliche Seite des Produktionsprozesses, die mit den jeweiligen Eigentumsverhältnissen identisch ist. Marx geht in seiner Analyse von der Ware, der Elementarform des gesellschaftlichen Reichtums, und ihrem >>Fetischcharakter<< aus. Ein selbstverständliches, triviales Ding wie ein Tisch erweist sich, sobald es auf den Markt tritt, als ein >>höchst vertracktes<<. Als Ware ist es Träger von Wert. Dieser Wert existiert nur in der Vorstellung, dennoch scheint er den Dingen von Natur aus anzuhaften. Nicht anders geht es, im entfalteten Akkumulationsprozess, mit dem Kapital selbst. Der Wert, als Kapital, setzt seine Selbstverwertung in Gang und erscheint in der Form des Kapitalfetischs als >>Geld heckendes Geld<<. Indem Marx den Akkumulationsprozess des Kapitals ausleuchtet, zeigt er, dass die handelnden Personen, die bürgerlichen Wirtschaftssubjekte, Zwängen und Gesetzen folgen, die gleichsam hinter ihrem Rücken existieren. Mit der Analyse des Kapitals als dem >>automatischen Subjekt<< enthüllt er, dass auch die Fabrikbesitzer nicht Subjekt, sondern Objekt ihres eigenen Tuns sind. Das autonome Subjekt ist eine Illusion, solange sich die Menschen nicht zu einem Verein freier Produzenten assoziieren.
Über den Autor
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Marx, Karl dt. Philosoph und Ökonom *5.5.1818 Trier, 14.3.1883 London Das Kapital, 1867-94 Als geistiger Vater eines offiziösen Despotismus im Westen verunglimpft, im Osten reklamiert, wurde lange vergessen, was Karl Marx jenseits aller ideologischen Vereinnahmungen war: ein Aufklärer par excellence und einer der großen Theoretiker des 19. Jahrhunderts. Marx studierte Jura und Philosophie inBonn und Berlin. Nachdem er sein Doktordiplom erworben hatte, wurde er 1841 Mitarbeiter, später Chefredakteur der Rheinischen Zeitung. Verfolgt von der Zensur, begann 1843 die Zeit seiner Emigration, die ihn zunächst nach Frankreich, dann nach Brüssel und schließlich - nach einer kurzen Rückkehr im Revolutionsjahr1848 - in sein letztes Exil nach London führte. In den 1840er Jahren verfasste er gemeinsam mit Friedrich R Engels u.a. Die deutsche Ideologie (1845/46), die viele Grundgedanken seines späteren Werks antizipiert, sowie Das Manifest der Kommunistischen Partei (1848). Das wichtigste Ergebnis der ökonomischen Studien, die er neben seinem politischen Engagement betrieb, war Das Kapital, dessen erster Band 1867 erschien. Biografien: W. Blumenberg, Karl Marx (rm 50076); I.Fetscher, Karl Marx und der Marxismus, 1967; F. Mehring, Karl Marx - Geschichte seines Lebens, 1918
Marx, Karl dt. Philosoph und Ökonom *5.5.1818 Trier, 14.3.1883 London Das Kapital, 1867-94 Als geistiger Vater eines offiziösen Despotismus im Westen verunglimpft, im Osten reklamiert, wurde lange vergessen, was Karl Marx jenseits aller ideologischen Vereinnahmungen war: ein Aufklärer par excellence und einer der großen Theoretiker des 19. Jahrhunderts. Marx studierte Jura und Philosophie inBonn und Berlin. Nachdem er sein Doktordiplom erworben hatte, wurde er 1841 Mitarbeiter, später Chefredakteur der Rheinischen Zeitung. Verfolgt von der Zensur, begann 1843 die Zeit seiner Emigration, die ihn zunächst nach Frankreich, dann nach Brüssel und schließlich - nach einer kurzen Rückkehr im Revolutionsjahr1848 - in sein letztes Exil nach London führte. In den 1840er Jahren verfasste er gemeinsam mit Friedrich R Engels u.a. Die deutsche Ideologie (1845/46), die viele Grundgedanken seines späteren Werks antizipiert, sowie Das Manifest der Kommunistischen Partei (1848). Das wichtigste Ergebnis der ökonomischen Studien, die er neben seinem politischen Engagement betrieb, war Das Kapital, dessen erster Band 1867 erschien. Biografien: W. Blumenberg, Karl Marx (rm 50076); I.Fetscher, Karl Marx und der Marxismus, 1967; F. Mehring, Karl Marx - Geschichte seines Lebens, 1918