Man mag diesem streitbaren Bischof vorwerfen, er habe die Namensgleichheit bewusst genutzt, um seinem Buch, seinen Thesen und vielleicht auch seiner Karriere zum Erfolg zu verhelfen.
Doch damit geht man an diesem wichtigen Buch vorbei. Schon in seiner Zeit als Bischof von Trier hat Reinhard Marx sich immer wieder eingemischt in die sozialpolitischen und sozialethischen Debatten, die jeweils gerade im Land geführt wurden, und schon damals spürte man, dieser Mann hat das Zeug für mehr.
Nun, Erzbischof von München und Freising geworden, legt er ein Buch vor, das in der Lage ist, die politische Debatte in Deutschland stark zu beeinflussen. Geschrieben vor der großen weltweiten Finanzkrise, die den ganzen Kapitalismus in schweren Verruf brachte, fiel seine Veröffentlichung genau mit dieser Krise zusammen.
Dem Buch und seinen Thesen hätte gar nichts Besseres passieren können, denn all das, was geschehen ist und was jetzt heftig diskutiert wird und einen Krisengipfel nach dem anderen provoziert, deutet Marx in seinen Buch längst an.
Sein Buch richtet sich zum einen an die Öffentlichkeit, mehr noch aber ist es ein Appell an die eigene Kirche, sich wieder der sozialen Frage zuzuwenden und damit eine in Vergessenheit geratene alte Tradition der Kirche neu zu entdecken.
Marx betont, wie übrigens viele andere auch in diesen krisengeschüttelten Tagen, den Unterschied zwischen Kapitalismus und sozialer Marktwirtschaft. Der Kapitalismus sei orientiert an den Kapitalinteressen ( auch das war deutlich zu beobachten und hat viele kleine Sparer überall auf der Welt ihre Altersversorgung gekostet), während die Marktwirtschaft mehr sieht: die verschiedenen Marktteilnehmer, den Marktplatz und die Rahmenbedingungen des Marktes, die keineswegs zu diesem dazu gehören.
Doch weder das eine noch das andere, so Marx , seien Gesellschaftsordnungen. Instrumente seien sie und müssten es auch bleiben, Instrumente , die entdeckt und entwickelt wurden und sich bewährt haben, als Antworten auf die Fragen, wie möglichst viele Menschen durch ihre eigene Arbeit, durch Ausbildung und Beteiligung am gesellschaftlichen Leben ihren Lebenszielen folgen können.
Immer wieder betont er die Perspektive der katholischen Soziallehre, die er mit diesem Buch theologisch und politisch wiederbeleben möchte: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Aber nicht nur als Markteilnehmer, mit dem sich Geld verdienen lässt, sondern als Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen, seinen Krankheiten, seinen Behinderungen, seinem Altern und seinem Sterben, seiner Hoffnung auf ein besseres, ein gelingendes, sinnvolles Leben.
Es ist gut, dass ein Kirchenmann wieder einmal darauf hingewiesen hat, was seit fast zwei Jahrtausenden in der Bibel steht. Meinem fünfjährigen Sohn lese ich gerade aus einer wunderbaren Kinder -und Jugendbibel von Jörg Zink vor, nach der er immer mal wieder verlangt, und da ist es selbst einem Kind ( oder gerade weil es ein Kind ist ?!) klar, für wen dieser Jesus auf die Welt gekommen ist und wie er mit den Menschen umgeht.