Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fäulnis des Wirklichen, 10. Oktober 2004
Bernhards Stil ist keineswegs -- wie so oft behauptet -- der Sprache des Wahnsinns verhaftet, vielmehr bildet er den Sprach- und Gedankenfluss einer Wirklichkeit ab, die den Menschen auf Dauer in den Wahnsinn zu treiben vermag. Die Absurdität seines Schreibens verdankt sich der unerbittlichen Zuspitzung eines detailbesessenen Realismus, der alles Alltägliche der Neurose überführt.Im "Kalkwerk" rekonstruiert Bernhard eine menschliche Tragödie, indem er sämtliche darüber kursierenden Gerüchte zu einer äußerst dichten, fast erdrückenden Schilderung der Umstände verknüpft. Das ist in dieser Konsequenz einmalig und nimmt selbst in Bernhard Schaffen einen herausragenden Platz ein. Souverän führt der Autor seine Leser in die Ausweglosigkeit der Geschichte ein, und die einzige Möglichkeit, einen Zugang zum Buch zu gewinnen, besteht darin, sich dieser Ausweglosigkeit hinzugeben. Nur dann entfaltet der Roman nicht bloß seine umwerfende Komik, sondern überzeugt mit dem schonungslosen Bericht einer schleichenden Tragödie. Wie auch sonst in seinen Werken stülpt Bernhard die Eingeweide des Alltags nach außen. Er schreibt gewissermaßen mit dem Skalpell, um zu enthüllen, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Das geht buchstäblich unter die Haut. Daher ist das Buch weder für schwache Nerven noch für ungeduldige Gemüter geeignet. Schließlich assistiert der Leser hier der Obduktion einer in Verwesung befindlichen Wirklichkeit.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
einfach genial !, 16. Dezember 2001
Der 1970 erschienene Roman von Thomas Bernhard handelt wie oft in seinen Werken von intelektuellen Künstlern, die sich in der Welt nicht zurechtfinden. In dem Fall ist es Konrad. Konrad ist schon im fortgeschrittenem Alter. Im Mittelpunkt seines Lebens steht die Studie. Die Studie über das Gehört. Seit fast 3 Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Gehör. Tag ein, Tag aus. Seine Gedanknen konzentrieren sich fest darauf. Doch er hat ein Problem. Er schafft es nicht, die Studie auf Papier zu bringen. All seine Gedanken stecken in seinem Hirn. Am Anfang wird erzählt, wie Konrad seine Frau, sein Versuchsobjekt, umbringt. Im Folgenden wird durch Fro und Wieser die ganze Geschiche Konrads samt Studie und die Besinnung des Kalkwerks, wiedergegeben. Alles in indirekter Rede mit seitenlangen Sätzen und unendlich vielen Wiederholungen. Einfach genial, wie Thomas Bernhard es schafft, seine Sprache der Denkweise Konrads anzupassen. Es wird über seine Frau gesprochen, warum gerade sie, und wie er sich zu ihr verhält. Warum er gerade das Kalkwerk gekauft hat, warum Konrad sich mit dem Gehör beschäftigt, warum Konrad alleine lebt und innerlich emigriert. Diese und jene Fragen werden beantwortet. Letzten Endes erhält man einen guten Schnitt aus Konrads Leben. Sein Ziel, die Studie niederzuschreiben, ist sein Lebensziel.Insgesamt betrachtet, liegt hier, finde ich, ein wahres Meisterwerk vor. Thomas Bernhards Satzkonstruktionen, seine Sprache und seine Ideen, die Konrads Gedankenwelt beschreiben sind einzigartig.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kalkwerk, ein Frühwerk des T.B., 2. Februar 2003
Das Buch verrät gleich zu Beginn was geschehen ist, Konrad hat seine Frau erschossen, wird in der Jauchegrube hinter dem Kalkwerk gefunden und wartet auf seine Verhandlung, wahrscheinlich kommt er in die Irrenanstalt. Der Protokollant ist ein Versicherungsvertreter welcher mit verschiedenen Personen über Konrad spricht, hauptsächlich mit Fro und Wieser und auch die Meinungen in den umliegenden Gasthäusern wiedergibt. Erstaunlicherweise scheinen die Personen mit denen der Protokollant spricht sehr viel über Konrad gewusst zu haben, es wird das gewusste der Personen mit dem gedachten und nur von Konrad erlebtem vermischt, Konrads Gedanken werden mit dem Protokoll des Versicherungsvertreters im Buch vermischt. Konrad ist der Familienname, er und sie leben im stillgelegten Kalkwerk. Sie haben es teuer vom Vetter gekauft. Es befindet sich in Sicking, am Land, sie lebten zuvor in Metropolen, Konrad misstraut allen, trägt Gewehr bei sich, ist vorbestraft wegen Körperverletzung, Höller wohnt im Zuhaus weil er zum Kalkwerk gehört, Höller bringt immer das Essen vom Gasthaus ins Kalkwerk, hackt Holz etc. Das Kalkwerk sollte Konrad die Niederschrift seiner Studie über das Gehör ermöglichen welche er seit Jahren komplett im Kopf hat. Das Kalkwerk bedeutet den Untergang für sie. Es war ihm nirgends möglich sie niederzuschreiben, seine Frau und er reisten sehr viel und sind nun bankrott. Seine Frau ist ein Krüppel, durch die Ärzte verpfuscht, so Konrad. Sie ist völlig auf ihn angewiesen. Er ist jahrelang mit ihr gereist und nun muss sie für seine Studienzwecke da sein. Er sagt aber er habe gewusst er könne sie missbrauchen weil sie auf ihn angewiesen wäre, darum hat er sie geheiratet. Andererseits hat er es sehr schwer mit ihr weil er rund um die Uhr für sie da sein muss. Dafür benutzt er sie für seine Studienzwecke, vor allem die urbantschitsche Methode wird mehrere Stunden täglich praktiziert. Konrad ist alt und hat Aussetzer beim sprechen und sehen, es wird spekuliert er hatte vor der Mordtat zum ersten mal einen Aussetzer beim hören. Es ist ihm nicht möglich die Studie im Kalkwerk niederzuschreiben, er besitzt nicht die Furchtlosigkeit sie einfach auf Papier zu kippen, alle möglichen Dinge lenken ihn ab und er wartet auf den perfekten Moment, der aber nie kommen kann weil es diesen nicht gibt.Bei der vollständigen Lesung des Textes zwischen dem 16 und 23.1.03 habe ich meist spät abends oder nach dem aufstehen gelesen, immer ungefähr 20 bis 40 Seiten am Stück. Wenn ich abends Kalkwerk gelesen habe, konnte ich schlecht einschlafen, mein Gehirn dachte dauernd Sätze wie „Konrad zu Wieser,....oder.......so Fro, so Konrad....oder.......meinte Wieser....die Studie niederschreiben..." Kalkwerk ist ein Spiel mit der Sprache, immer wieder kommt man in einen schwingenden, melodiösen Leserhytmus und vergisst alles rund um sich. Ich verstehe Konrad sehr gut, er ist nicht verrückt, ist zu schlau, zu wenig stumpfsinnig um in dieser Welt mit dieser Gesellschaft normal überleben zu können. Eine meiner Lieblingsstellen ist der Traum Konrads auf Seite 149 bis 151.
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