André de Toths Gruselklassiker mit Vincent Price und einem noch sehr jungen Charles Bronson erweist sich als ein herrlicher Horror-Evergreen, und wer auf sowas steht, wird auch ganz gewiß nicht enttäuscht sein: zügig und ohne Längen wird die Schauermär von dem unverstandenen Künstler und seinem verborgenen Wahnsinn erzählt, die zum Schluß das Gute siegen läßt, weil es ja nicht anders enden darf. Price zeigt seine grandiose Klasse, indem er seiner Rolle eine Tiefe verleiht, die das Drehbuch eigentlich nicht transportiert; gerade hier fällt auf, wie sehr seine Rolle lebendig wird, während die anderen Charaktere um ihn herum zu reinen Statisten verblassen.
Das ist jedoch typisch für Filme dieser Art, die ja nie Kunst sein wollten, sondern Unterhaltung, und dieser Anspruch war nie wirklich verkehrt gewesen (siehe KING KONG (1933) oder KAMPF DER WELTEN (1953)). Doch es ist sicherlich Price zu verdanken, daß der Film heute noch sehenswert ist, denn das Vergnügen, daß er einem durch sein Spiel bereitet, ist das Einzige, was wirklich fesselt. Ansonsten wäre der Film doch etwas fade.
Die Bild- und Tonqualität ist auf typischem Warner-Niveau, d.h. so optimal wie möglich: die Farben sind kräftig, der Bildstand ist ruhig, die Schärfe gut und das Rauschen ist gering. Der englische Ton ist recht klar, der deutsche nicht ganz so, aber er wurde nachgearbeitet. Diese DVD stammt eindeutig NICHT aus der zurecht als ätzend rezensierten "Nicht digital remastered"-Reihe, mit der Warner ihren bis dato guten Ruf so schändlich ruinierte.
Als Bonus ist ein kleines 2minütiges Featurette zur Premiere 1953 vorhanden - und ein kompletter Film namens DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS.
Zu diesem Film muß ich ein paar Worte verlieren: MYSTERY OF THE WAX MUSEUM (1933, Regie: Michael Curtiz) war einer von zwei Horrorfilmen, die Warner anfang der 30er Jahre im Zweifarben-Technicolor herstellen ließ (der andere war DR. X). Obwohl diese noch reduzierte Form des späteren Dreifarben-Technicolor bestimmte Farben nicht wiedergeben konnte, hatten sich die Macher um so mehr auf die Farben gestützt, die man einfangen konnte, und so erstrahlte MYSTERY... stellenweise in herrlichstem Flammenrot oder giftigstem Wachsgrün. Doch leider ging man bei der letzten erhaltenen Farbkopie, die man finden konnte, sehr schlampig um, und man zog eine neue Kopie, die viele Farben einfach verfälschte und abdämpfte. Das Ergebnis sieht man auf der DVD: der Film ist sehr blaß, leicht unscharf, die Kopie wurde nicht nachretuschiert und hat eine Menge Flecken; sicherlich hat man was daran gemacht, aber wo eine Grenze ist, die man nicht überschreiten kann, weil es dann erbärmlich aussehen würde, bleibt man halt hängen. Deshalb sollte man sich nicht darüber wundern, warum das Bild so dermaßen abfällt; hier gilt einfach der Leitsatz: "Hauptsache, der Film ist drauf." Der Ton klingt dagegen recht sauber und ist trotz des Alters gut zu verstehen. Leider nur die englische Fassung mit deutschen Untertiteln, obwohl das Fernsehen den Film in den 80ern in einer deutsch synchronisierten Fassung gesendet hatte...
Warum solche Informationen den professionellen Machern von DVDs immer wieder durch die Lappen gehen, darüber kann man nur böse lachen und anschließend den Kopf auf die offene DVD-Lade schlagen. Und dennoch tut man sich keinen Gefallen damit, diese DVD zu meiden: dafür ist HOUSE OF WAX und erst recht MYSTERY... einfach zu gut, als das man sich daran stören sollte.
MYSTERY OF THE WAX MUSEUM unterscheidet sich auf interessante Weise von seinem Remake: der Film spielt in New York 1933 und bezieht diese schon damals brodelnde Stadt voll in die Stimmung des Films ein - ein reizvoller Kontrast entsteht zur eigentlichen Handlung, eine eher dem "Grand Guignol" verbundenen Rachegeschichte - ein Kontrast der Modernität und Vergangenheit, der Schnelligkeit und Bedächtigkeit. Außerdem geht der eigentliche Clou der Geschichte nicht verloren, was in HOUSE OF WAX dadurch passiert, daß der geheimnisvolle Fremde, der die Leichen entwendet, doch recht leicht zu erkennen ist. Darüber hinaus kommt man auch wieder in den Genuß, Lionel Atwill in einer seiner besten Rollen zu sehen. Seine Aura als genialer Bildhauer Igor ist einmalig umgesetzt; hier konnte er sein Talent für ambivalente Männer voll ausspielen.
Daß auch MYSTERY... nun verfügbar gemacht wurde, wenn auch nur als Bonus, ist sicherlich die größte Empfehlung für diese DVD. Für Horrorfans der alten Schule hat sich somit wieder eine weitere Lücke in ihrer Sammlung geschlossen. KAUFEN!
Filme:
HOUSE OF WAX (Das Kabinett des Professor Bondi) USA 1953
84:42 Minuten; Englisch, Deutsch, Spanisch
MYSTERY OF THE WAX MUSEUM (Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts) USA 1933
74:10 Minuten; Englisch
UT: Englisch, Deutsch u.a.