Dieses Buch ist nichts weniger als ein Standardwerk. Die Geschichte der KZ-Bordelle wird komplett nachgezeichnet. Auf über 250 Seiten steht alles geschrieben, was heute zu dem Thema bekannt ist, großteils vom Autor selbst in den vergangenen Jahren erst zutage gefördert. Das Werk bezieht den Stand der Forschung seit Beginn der 90er Jahre ein, und geht von der Stellung der Prostitution in der NS-Zeit, über die Lagerbordelle im NS-System allgemein, bis hin zu den Lagerbordellen im Einzelnen, denen je ein Kapitel gewidmet ist. Die Erfahrungswelt der zwangsprostituierten Frauen wird dem Leser ebenso nahegebracht wie die der "Freier" oder der anderen Häftlinge. Über 150 Seiten Anhang (davon 100 Seiten Anmerkungen). Der Autor hat Dutzende Archive in ganz Europa besucht und dort Quellen ausgewertet, und fast ebensoviele Interviews mit Zeitzeugen geführt, darunter ehemalige Zwangsprostituierte und Bordellbesucher.
Besondere Vorkenntnisse zu den düsteren Jahren des "Dritten Reiches" muss man als Leser gar nicht mal mitbringen - die Geschichte der KZ-Bordelle wird eingebettet in die größeren Zusammenhänge. Zwar könnte dies als halber Minuspunkt durchgehen, da einige Rekurse auf die allgemeinere NS-Historie den geschichtlich halbwegs Bewanderten redundant erscheinen müssen. Das Werk gewinnt daran aber gerade seine Form, und will, wie die Einführung erläutert, unter anderem auch genau das erreichen - zeigen, wie die NS-Lagerbordelle mit der Prostitutionspolitik zusammenhängen, und diese mit der nationalsozialistischen Zivil- und Kriegsgesellschaft.
Da in dieser Unternehmung die Details und die aus Primärquellen stammenden Beweise nicht nur nicht zu kurz kommen, sondern akribisch zusammengetragen überhaupt das Fundament bilden, verortet sich "Das KZ-Bordell" jenseits aller flachen Nacherzählungen auf einem höheren Niveau: jahrelange wissenschaftliche Forschungsarbeit konzentriert in einem Werk.